Eskalierende Neuinfektionen

„Alles dicht machen“: Baden-Württemberg will radikalen Kurz-Lockdown

  • Valentin Betz
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Die Corona-Neuinfektionen sind alarmierend. Bund und Länder beraten deshalb erneut über weitere Maßnahmen. Der radikalste Vorschlag kommt dabei aus Baden-Württemberg.

Stuttgart/Berlin - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) breitet sich weiter massiv aus. Die 7-Tage-Inzidenz liegt hierzulande inzwischen bei 85,5 Neuinfektionen. In Baden-Württemberg gilt deshalb die höchste Warnstufe mit neuen Beschränkungen.*

Anfang Oktober wurde zunächst der Kreis Esslingen zum Corona-Hotspot.* Doch dabei blieb es bei weitem nicht. Kurz darauf wurde auch Stuttgart zum Risikogebiet.* Inzwischen haben 38 Kreise in Baden-Württemberg den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen überschritten. Insgesamt besteht das Bundesland aus 35 Land- und 9 Stadtkreisen. Nur noch drei Kreise befinden sich unter der Vorwarnstufe von 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner.

Angesichts der dramatischen Entwicklung hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits ein Lockdown-Ultimatum gestellt*, sollten die Maßnahmen nicht wirken. Dieses Szenario scheint jetzt einzutreten. Denn vor der Bund-Länder-Runde zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie schlug Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl ebenfalls den Lockdown vor.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Maßnahmen kritisiert, aber offenbar dennoch nicht wirksam genug

Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sollten eigentlich einen erneuten Lockdown verhindern. Trotzdem waren die Beschränkungen hierzulande umstritten und wurden kritisiert. Das zeigte sich auch in der Landeshauptstadt Stuttgart.* Das Coronavirus in Stuttgart* wütet besonders stark. Hier liegt die 7-Tage-Inzidenz sogar bei 109,3 Neuinfektionen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Zuerst kam die Maskenpflicht im öffentlichen Raum, jetzt schlägt Thomas Strobl einen einwöchigen Lockdown vor (Symbolbild).

Dennoch lockerte Stuttgart still und heimlich die Maskenpflicht.* Auch in ganz Baden-Württemberg sorgte der Gegenwind für weniger strikte Beschränkungen. In Baden-Württemberg wurden die Corona-Regeln an Schulen nach massivem Widerstand gelockert.*

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann* versuchte auch immer wieder, an die Vernunft der Menschen zu appellieren. Kretschmann forderte die Bürger auf, Kontakte zu vermeiden.* Bislang scheinen die Bemühung jedoch vergeblich zu sein. Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl schlägt deshalb bei einer weiteren Verschärfung der Corona-Lage einen gut einwöchigen Lockdown vor - in ganz Deutschland.

Coronavirus in Baden-Württemberg breitet sich aus - Thomas Strobl schlägt einwöchigen Lockdown vor

„Wenn die Zahlen sich weiter so entwickeln, dann müssen wir Maßnahmen in den Blick nehmen, etwa, dass wir auch einmal für eine Woche alles dicht machen, dass von Freitag bis Sonntag die Woche drauf gar nichts mehr geht“, so Thomas Strobl gegenüber dem Nachrichtenportal ThePioneer.

Dabei machte Baden-Württembergs Innenminister keinen Hehl daraus, wie radikal er seinen Vorschlag sieht. Auf die Frage, ob die Schließung auch Schulen, Kitas und Geschäfte betreffen würde, sagte Thomas Strobl: „Alles heißt alles.“ Das bedeute auch Einschränkungen im Grenzverkehr.

Thomas Strobl erhofft sich dadurch das Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland komplett auszubremsen und das Infektionsgeschehen zum Stillstand zu bringen. Der Vorteil dieser „sehr, sehr harten“ Lösung wäre die zeitliche Begrenzung auf eine Woche. Die Härte eines erneuten Lockdowns sieht der Innenminister auch dadurch gerechtfertigt, dass dann ein normales Weihnachtsgeschäft und eine gemeinsame Weihnachtszeit mit der Familie wieder möglich wären.

Wegen Coronavirus in Baden-Württemberg: Gesundheitsminister warnt vor Aktivitäten an Halloween

Im Hinblick auf die steigende Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg warnte Gesundheitsminister Manne Lucha zudem vor Halloween am 31. Oktober. Zu dem Fest gehört es eigentlich, verkleidet von Haustür zu Haustür zu ziehen und um Süßigkeiten zu betteln.

„Natürlich wird niemand kontrollieren, ob ein paar Nachbarskinder bei Ihnen klingeln und Gummibärchen erpressen – aber es ist ganz sicher nicht die Zeit, zu zehnt um die Häuser zu ziehen oder gar richtige Umzüge zu veranstalten“, sagte Manne Lucha deshalb.

Deutschlandweit rechnen die Bürger indes bereits mit einem Lockdown. Bei einer von der dpa in Auftrag gegebenen Umfrage erwarteten 63 Prozent der Teilnehmer einen erneuten Shutdown. Die Bundesregierung will das nach wie vor vermeiden. Laut Bild-Informationen“ sollen Schulen und Kitas auch bei einem Lockdown unbedingt geöffnet bleiben. (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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