Infektionen bei Minderjährigen

Freiburger Kinderarzt warnt: Corona-Spätfolgen bei Kindern immer schlimmer

Ein Kinderarzt hört am Klinikum Stuttgart ein Kleinkind ab
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Immer mehr Ärzte warnen vor Corona-Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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  • Julian Baumann
    Julian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg befällt immer mehr Kinder und Jugendliche. Nun warnt ein Freiburger Kinderarzt vor den Spätfolgen, die Minderjährige offenbar besonders stark treffen.

Update vom 26. März, 16 Uhr: Stuttgart/Freiburg - Weil das Coronavirus in Baden-Württemberg in den vergangenen Wochen zunehmend Kinder und Jugendliche befällt, es für sie jedoch noch keinen Impfstoff gibt, rechnen Experten mit einer Zunahme von schweren Spätfolgen. Wie die Heilbronner Stimme berichtet, laufen akute Corona-Infektionen bei Kindern eher symptomlos ab. Auch bei Jugendlichen seien schwere Krankheitsverläufe selten. Dennoch werde bereits jetzt, etwas mehr als ein Jahr nach dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland, von Spätfolgen bei Minderjährigen berichtet. Das schildert Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg.

Man überlege, ambulante Angebote für Kinder und Jugendliche zu ermöglichen und ihnen so bei der Bekämpfung des Coronavirus in Baden-Württemberg zu helfen. Es gebe Überlegungen zum Aufbau von Spezialambulanzen, die die Pädiatrie unterstützen. Im Vergleich zur Versorgungssituation bei Erwachsenen, sei die Pädiatrie auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen nach einer Infektion noch nicht vorbereitet, so Markus Hufnagel. Viele Kinder und Jugendliche leiden unter dem Phänomen „Long Covid“ (Langes Covid-19) oder „Post Covid“ (Nach Covid-19). Einen Schutz durch Impfungen gibt es für sie bisher nicht.

Weil Schulen und Kitas wieder geöffnet wurden, rücken mögliche Spätfolgen für Kinder und Jugendliche in den Fokus. Bereits seit Wochen steigen laut des Robert-Koch-Instituts die Infektionen bei Minderjährigen. Laut Markus Hufnagel ist das Krankheitsbild bei ihnen sehr variabel. Es reiche von chronischer Erschöpfung, genereller Leistungsminderung bis hin zu Gelenk- und Muskelschmerzen. Aber auch Hautveränderungen, ähnlich Frostbeulen an den Zehen, sind bekannt. Wie die Heilbronner Stimme berichtet, gibt es eine Studie, bei der Haushalte mit Corona-Fällen über längere Zeit begleitet wurden. Sie habe gezeigt, dass fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 14 Jahren drei Monate nach der Infektion noch mindestens ein Symptom aufwiesen. Bei Erwachsenen betreffe es hingegen bis zu jeden Dritten, schilderte Hufnagel.

Erstmeldung vom 19. März: Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) halt die Bevölkerung nun bereits seit einem Jahr in Atem. Das erstmals in Wuhan (China) nachgewiesene neuartige Virus war zunächst nahezu unerforscht. Dementsprechend schwer war auch der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg*. Zunächst wurde angenommen, dass vor allem Alte Menschen und solche mit Vorerkrankungen besonders von der Lungenkrankheit gefährdet sind. Über den Zeitraum eines Jahres gab es jedoch immer wieder nachgewiesene Infektionen in Schulen und Kitas im Südwesten.

Aktuell steigen die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg wieder deutlich an. Seit dem 22. Februar sind jedoch gerade die Kleinsten, also Grundschüler und Kindergartenkinder, zurück in den Einrichtungen. In der Landeshauptstadt Stuttgart* wurde vor wenigen Wochen erstmals eine komplette Kita aufgrund von mehreren Infektionen geschlossen. Wenig später mussten gleich mehrere Kitas in Stuttgart aufgrund von Corona-Ausbrüchen schließen*. Aktuell werden vor allem bei Kindern immer mehr Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet. Damit zeichnet sich ein sehr besorgniserregender Trend in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ab.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Immer mehr Kinder in Stuttgart infiziert

Am gestrigen Donnerstag, dem 18. März, meldete das Landesgesundheitsamt rund 2.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Die 7-Tage-Inzidenz, die den Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern entspricht, liegt im Landesdurchschnitt bei 89. In Stuttgart liegt die Inzidenz dagegen bei 69.

Wenn man diesen Wert nach Altersgruppen aufschlüssele, komme man zu dem Ergebnis, dass die Inzidenz bei Kindern derzeit am höchsten sei, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Das Landesgesundheitsamt gibt die 7-Tage-Inzidenz bei Kindern bis zu neun Jahren aktuell mit 93,5 an. Die über 80-Jährigen, die bislang als oberste Risikogruppe eingestuft wurden, weisen dagegen nur noch eine Inzidenz von 23,6 auf.

Das liegt vermutlich daran, dass von dieser Altersgruppe bereits viele gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft wurden. Die Corona-Impfung in Baden-Württemberg und Stuttgart* begann bereits im Dezember vergangenen Jahres. Inzwischen erhielten rund 920.000 Bürger im Südwesten die Erstimpfung. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne)* wurde mit Astrazeneca geimpft*. Trotz des besorgniserregenden Trends ist eine Impfung von Kindern und Jugendlichen derzeit noch nicht möglich und geplant. Alleine in der ersten Märzwoche hätten sich 51 Kinder bis zu neun Jahren mit dem Virus neu infiziert, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Außerdem wird eine Tendenz festgestellt, dass Kinder unter 14 Jahren häufiger mit den Mutationen des Coronavirus infiziert sind.*

Im Laufe der vergangenen Wochen gab es zahlreiche Infektionsfälle an Schulen und Kitas im Land. Die Stadt Mannheim hat wegen steigender Corona-Zahlen alle Kitas im Stadtkreis geschlossen*. Auffällig ist dabei, dass vor allem bei den Kindern Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg nachgewiesen werden, während sich Lehrer und Erzieher deutlich seltener anstecken. Das Land Baden-Württemberg änderte auch die Impf-Reihenfolge und zog Lehrer und Erzieher vor*. Aktuell gibt es auch die drastische Forderung, dass nur geimpfte Lehrer unterrichten sollten*. *BW24 und echo24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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