Kritik an Impfstrategie

Impf-Touristen drängen nach Baden-Württemberg - Politiker sind erzürnt

Eine Medizinstudentin impft eine Bewohnerin eines Pflegeheims.
+
Auch Menschen aus Rheinland-Pfalz wollen sich derzeit in Baden-Württemberg impfen lassen - das verschärft die Situation.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Der Impfstoff ist ein Meilenstein im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Inzwischen drängen jedoch Impf-Touristen aus anderen Bundesländern ins Land, da Termine hier früher zu haben sind.

Stuttgart - Seit Februar beherrscht das Coronavirus in Baden-Württemberg das Leben und Arbeiten im Südwesten. Im Laufe des Jahres wurden immer wieder neue Maßnahmen eingeführt und die Regeln verschärft und wieder gelockert. Viele Experten sagten jedoch bereits seit Langem, dass eine Rückkehr zur Normalität nur mit einem Impfstoff möglich sei. Am Sonntag, dem 27. Dezember, wurde in Baden-Württemberg die erste Person gegen das Coronavirus geimpft. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach im Rahmen des Impfstarts von einem „Meilenstein“.

Alles Wissenswerte zur Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg in unserer Übersicht.

Während die zentralen Impfzentren im Südwesten bereits ihre Arbeit aufgenommen haben und die ersten Menschen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg impfen, muss sich die Bevölkerung in anderen deutschen Bundesländern noch einige Tage gedulden. Deshalb strömten und strömen viele Impf-Touristen vor allem aus Rheinland-Pfalz nach Baden-Württemberg, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Daneben wird inzwischen auch immer mehr Kritik an der Impfstrategie des Landes laut.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kritik an Gesundheitsministerium und Impfstrategie

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ist der Impfstart mit Sicherheit der bislang größte Schritt. Die Impfung von mehreren Millionen Menschen muss jedoch entsprechend geplant werden. Laut dpa werde aktuell vor allem die Organisation und die Pflicht zur Anmeldung kritisiert.

Die Online-Anmeldung sei vor allem für ältere Menschen zu kompliziert und bei der telefonischen Terminvergabe gebe es viel zu lange Wartezeiten. Man habe außerdem zu wenig Impfstoff bestellt und bekäme die Vergabe der Impftermine nicht in den Griff, sagte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke am Mittwoch.

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) wehrt sich mit deutlichen Worten gegen die Vorwürfe. „Wer nicht am Steuer sitzt und seit Jahren keine Verantwortung trägt, kann von der Sofakante aus leicht schimpfen“, sagte der Minister in Richtung Rülke. „So wenig Fachkenntnis und so viel Ahnungslosigkeit hätte ich selbst bei Herrn Rülke nicht erwartet.“ Der Impfstoff werde nicht vom Bundesland, sondern von der EU oder dem Bund bestellt. Außerdem könnten nur soviel Impftermine vergeben werden, wie Impfdosen vorhanden sind.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Impf-Touristen aus Rheinland-Pfalz verschärfen Situation

Aktuell ist das Hauptproblem bei der Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg der Mangel an Impfdosen, wie die dpa berichtet. Die Situation werde allerdings auch dadurch verschärft, dass Menschen aus Rheinland-Pfalz nach Baden-Württemberg kommen, um sich impfen zu lassen. Das sei im eigenen Bundesland bislang noch nicht möglich.

Minister Manfred Lucha wandte sich deshalb mit einem Brief an seine rheinland-pfälzische Amtskollegin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) und forderte sie auf, die Bürger dort auf die Terminvergabe in Rheinland-Pfalz zu verweisen. „Sollte sich dauerhaft ein Ungleichgewicht etablieren, müssten wir aus meiner Sicht auch über einen Ausgleich ins Gespräch kommen“, heißt es in dem Schreiben, das der dpa vorliegt.

Auch aus Bayern hätten sich bereits Menschen gemeldet, die sich in Baden-Württemberg gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Obwohl die Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg erst vor wenigen Tagen begann, sind bereits alle Termine für die nächsten sechs Wochen vergeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare