Geschäfte in Not

Einzelhandel-Apokalypse: Innenstädten droht wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg das große Aussterben

  • Marleen van de Camp
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg wurde wochenlang die Schließung von Läden erzwungen. Selbst drei Wochen nach der Wiedereröffnung läuft das Geschäft noch extrem schlecht. Manche Händler fordern darum die Abschaffung der Maskenpflicht.

  • Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg waren die meisten Läden des Einzelhandels wochenlang geschlossen.
  • Doch selbst drei Wochen nach der Wiedereröffnung läuft das Geschäft noch extrem schlecht. Fast 50 Prozent der Händler halten einer Umfrage zufolge eine dauerhafte Schließung für möglich.
  • Viele der befragten Händler halten die Maskenpflicht für das Hauptproblem. Der Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg wünscht sich deren Ende.

Stuttgart – Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg waren die meisten Läden des Einzelhandels wochenlang geschlossen. In der vierten Aprilwoche konnten sie vermeintlich aufatmen – die Zwangsschließung wurde aufgehoben. Doch selbst drei Wochen später läuft das Geschäft noch „extrem schlecht“, wie eine Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg (HBW) ergab.

22 Prozent der befragten Händler gaben an, die Gefahr einer dauerhaften Schließung sei wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg „groß oder sehr groß“, weitere 26 Prozent halten es zumindest für „mäßig wahrscheinlich“, dass sie dauerhaft schließen müssen, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Experten sagen schon lange eine sogennannte „retail apocalpyse“, also die Einzelhandel-Apokalypse, vorher, weil Online-Shopping und große Ketten den Markt dominieren. Die Coronakrise könnte diese Entwicklung nun rasant beschleunigen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Gähnende Leere auf der Königstraße in Stuttgart - an einem normalen Werktag wie diesem ist die Einkaufsmeile normalerweise voll.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Läden und Geschäften könnten aussterben

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) überzeugte sich selbst von den fatalen Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft in Baden-Württemberg. Am Dienstag machte die Politikerin einen Rundgang durch die Innenstadt der Landeshauptstadt Stuttgart und besuchte mehrere Einzelhändler – darunter den Flagship-Store des Modehändlers Breuninger und das alteingesessene Stuttgarter Haushaltswarengeschäft Tritschler. Dort verteidigte die Wirtschaftsministerin die erzwungene Schließung wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg: „Es war der richtige Weg“, sagte Hoffmeister-Kraut. „Wir müssen unsere Wirtschaft jetzt so unterstützen, dass sie wieder trittfest wird.“ 

Die Mehrheit der Händler erwirtschaftet der Umfrage zufolge wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg durchschnittlich 20 bis 40 Prozent des üblichen Umsatzes, ein Viertel sogar unter 20 Prozent, was erklärt, warum manche Inhaber eine dauerhafte Schließung für sehr wahrscheinlich halten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Händler fordern Ende der Maskenpflicht

Zu diesen Extremfällen zählen besonders die Textilhändler. Sie klagen über das Ausbleiben der Kunden, kürzere Verweildauer im Laden und weniger Spontankäufe. Die Händler vermuten, dass hauptsächlich die Maskenpflicht dafür verantwortlich ist, die von der Landesregierung von Baden-Württemberg eingeführt wurde, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Sie wird laut der Umfrage von 77 Prozent der Kunden eingehalten. Doch eben das ist ein Problem.

Die Händler gehen fest davon aus, dass die Maskenpflicht das Einkaufserlebnis zerstört und dadurch die Gefahr einer Schließung drastisch erhöht. „Zahlreiche Kunden – vor allem ältere und Brillenträger – fühlten sich durch die Gesichtsmaske extrem gestört oder würden Atemnot bekommen“, gaben die befragten Händler dem HBW zufolge an. Auch der Dialog zwischen Kunden und Mitarbeitern werde erschwert, es komme verstärkt zu Missverständnissen.

Auch die Angestellten im Einzelhandel leiden unter der Maskenpflicht. „Für Mitarbeiter ist die Maske eine große Belastung“, sagt HBW-Präsident Hermann Hutter. Laut dpa fügte er hinzu, trotz des Coronavirus dürften Mitarbeiter in anderen Bundesländern „teilweise auf die Masken verzichten und nur Kunden müssten Mund und Nase bedecken. Das sei auch eine Idee für Baden-Württemberg.“

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa/picture alliance

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