Corona-Skandal im Regierungsbezirk Stuttgart?

Bürgermeister aus Baden-Württemberg feiert trotz Corona mit 50 Gästen - seine Begründung sorgt für Empörung

Symbolbild: Sektgläser stehen bei einem Sektempfang auf einer Theke.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Rund 50 Mitarbeiter feierten im Rathaus von Lauda-Königshofen den Abschied von Bürgermeister Thomas Maertens (CDU).
  • Marleen van de Camp
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Trotz des Coronavirus veranstaltete ein Bürgermeister aus Baden-Württemberg eine Feier mit rund 50 Gästen im Rathaus. Seine Begründung sorgt für Empörung.

Lauda-Königshofen - Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg sind stark rückläufig. Am 28. März hatte die Infektionswelle ihren Höchststand erreicht – mit 6.294 Neuinfektionen. Am 5. Mai wurden nur noch 88 Neuinfektionen gemeldet. Das verdankt Baden-Württemberg einer Zahl von Verboten und Maßnahmen, die wegen des Coronavirus eingeführt wurden – allen voran dem Kontaktverbot

Viele Menschen haben aber schon länger keine Lust mehr auf das Kontaktverbot und den Mindestabstand von 1,5 Metern wegen des Coronavirus – die Polizei von Baden-Württemberg staunt immer wieder über einen dreisten Verstoß. Der Gipfel der Dreistigkeit ist natürlich erreicht, wenn diejenigen, die gegen die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg verstoßen, Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung sind – also Repräsentanten der politischen Führung, die die Verordnung erlassen hat. Genau das ist gerade im Regierungsbezirk Stuttgart passiert. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Bürgermeister feiert Abschied mit rund 50 Gästen

Thomas Maertens (CDU) war 16 Jahre lang Bürgermeister von Lauda-Königshofen im nördlichen Baden-Württemberg. Seine Amtszeit endete mit dem April. Der scheidende Rathauschef beschloss, sich trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg feierlich von seinen langjährigen Mitarbeitern zu verabschieden – mit Sekt und Häppchen. Die Feier fand am 29. April mit rund 50 Teilnehmern im Rathaus Lauda-Königshofen statt.

Feier eines Bürgermeisters aus Baden-Württemberg: „Corona zum Trotz“ – Schutzmaske optional

Maertens lade „Corona zum Trotz, zu einer kleinen Abschiedsfeier in den Großen Sitzungssaal des Rathauses ein“, zitieren die Fränkischen Nachrichten aus dem Einladungsschreiben. Für Desinfektionsmittel sei gesorgt. Doch den Mitarbeitern sei es „freigestellt“, ob sie „mit Mund-Nasen-Schutz kommen möchten“ – oder eben nicht. Man könnte jetzt argumentieren, dass der Konsum von Sekt und Häppchen wahrscheinlich nicht so gut funktioniert, wenn man wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg eine Schutzmaske trägt. Aber die Rathausmitarbeiter von Lauda-Königshofen werden das sicher hinbekommen und brav ihre Schutzmasken getragen haben – oder?

Viele Bürger des 15.000-Einwohner-Städtchens im Main-Tauber-Kreis sind jedenfalls empört. Schließlich heißt es in der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg: „Außerhalb des öffentlichen Raums sind Veranstaltungen und sonstige Ansammlungen von jeweils mehr als fünf Personen verboten.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Empörung über Rechtfertigung des Ex-Bürgermeistes

Eine entsprechende Nachfrage der Fränkischen Nachrichten beantwortete Ex-Bürgermeister Maertens mit der Erklärung, nach 16 Jahren könnte man sich nicht „einfach sang- und klanglos aus dem Staub machen“. Eine Abschiedsfeier für die Mitarbeiter sei „ein Gebot der Menschlichkeit“. Offenbar auch in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg.

Mit diesem Statement gelang es dem CDU-Politiker jedoch nicht, die Wogen zu glätten – im Gegenteil. Bei den Fränkischen Nachrichten gingen wütende Leserbiefe ein: „Wenn es ‚ein Gebot der Menschlichkeit‘ ist, sich nicht ‚einfach sang- und klanglos aus dem Staub zu machen‘, „was bitteschön erklären Sie, Herr Maertens, dann langjährigen Weggefährten, Nachbarn, Enkeln, die nicht an der Beerdigung des Opas oder der Oma teilnehmen dürfen und auf eine Abschiedszeremonie verzichten müssen?“, fragt eine Frau aus Lauda-Königshofen

Coronavirus in Baden-Württemberg: Landratsamt hält die Feier trotz Covid-19 für legal

Einer weiteren Erklärung des Ex-Bürgermeisters, es sei eine „dienstliche interne Veranstaltung“ gewesen, die seiner Ansicht nach nicht unter das Kontaktverbot gemäß der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg falle, hat das zuständige Landratsamt Tauberbischofsheim übrigens mittlerweile zugestimmt. 

„Es handelte sich um eine dienstliche Veranstaltung, die von der Corona-Verordnung gedeckt war“, erklärte ein Sprecher des Landratsamts gegenüber dem SWR. Doch viele Bürger von Lauda-Königshofen sind der Ansicht, dass gerade ein Bürgermeister sich an die Verordnung halten muss, die seine Landesregierung wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg erlassen hat. 

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