Covid-19 bei Kindern

Studie aus Baden-Württemberg zeigt, wie hoch das Corona-Risiko bei Kindern wirklich ist

  • Lisa Schönhaar
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Kinder sollen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg wieder in Kitas und Grundschulen gehen. Die Entscheidung basiert auf einer gemeinsamen Studie von vier Universitätskliniken des Landes.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt für einen Ausnahmezustand im Land - das betrifft auch Kitas, Kindergärten und Schulen.
  • Eine Studie aus Baden-Württemberg hat die Rolle von Kindern in der Corona-Krise untersucht, um herauszufinden ob und wie oft sie sich infizieren.
  • Auf Grundlage der Studie hat die Landesregierung in Baden-Württemberg entschieden, Kitas und Grundschulen ab dem 29. Juni wieder vollständig zu öffnen.

Stuttgart - Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind Kitas und Kindergärten nach wie vor nur eingeschränkt geöffnet oder bieten lediglich eine Notbetreuung von Kindern an (BW24* berichtete). Die Landesregierung hat am heutigen Dienstag gemeinsam mit Vertretern der Universitätskliniken in Ulm und Heidelberg die vorläufigen Ergebnisse einer Studie zur Corona-Infektionsgefahr von Kindern vorgestellt.

Die Studie wurde gespannt erwartet: Die politische Entscheidung, Kitas und Grundschulen Ende Juni trotz Coronavirus in Baden-Württemberg wieder vollständig zu öffnen, fiel bereits Ende Mai auf der Grundlage von Zwischenergebnissen. Erste Daten zeigten bereits, dass Kinder sich seltener mit dem Coronavirus infizieren oder eine Erkrankung mit Covid-19 nahezu unbemerkt verläuft.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kinder sind laut Corona-Studie kein besonderer Treiber der Infektion

Unklar war bislang jedoch, ob Kinder das Coronavirus in Baden-Württemberg* dennoch übertragen können - auf Erwachsene und potenziell gefährdete Menschen. Die Studie der Universitätskliniken Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm spielte deshalb eine wichtige Rolle bei der Entscheidung der Landesregierung zur Schließung von Schulen und Kindergärten wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg*.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kinder sind laut einer Studie von vier Unikliniken des Landes kein Treiber des Infektionsgeschehens.

Kinder könnten ein entscheidender Faktor bei der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg* sein. Eine Studie unter der Führung des Uniklinikums Heidelberg hat nun ein vorläufiges Ergebnis erzielt, das den Schluss zulässt, dass Kinder bei der Übertragung des Coronavirus offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ziel der Untersuchung war es, herauszufinden, wie viele Kinder in welchem Alter Covid-19 bekommen und wie viele davon ihre Eltern infizieren.

Als Basis für die Entscheidung der Landesregierung, alle Schulen und Kitas trotz Coronavirus in Baden-Württemberg vollständig zu öffnen, hatten sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann* und Kultusministerin Susanne Eisenmann bereits vor etwa zwei Wochen auf Zwischenergebnisse der Kinder-Studie zum Coronavirus* berufen. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich schon ab, dass Kinder sich seltener mit dem Coronavirus infizieren als Erwachsene und auch keine besonderen Infektionstreiber sind. Bei der Studie fiel zudem auf, dass das Ausbreitungsrisiko bei Kindern in Notbetreuung nicht erhöht zu sein schien im Vergleich zu den Kindern, die zu Hause betreut wurden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte am Dienstag in Stuttgart, es habe sich bestätigt, dass Kinder kein Treiber des Infektionsgeschehens darstellten. Es sei wichtig gewesen, die Öffnung der Kindergärten und Schulen angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg wissenschaftlich zu untermauern. „Die Ergebnisse der Studie stehen im Einklang mit den Zwischenergebnissen" sagte Kretschmann.

Kinder seien bei Corona - anders als bei anderen Infektionskrankheiten - keine „Virusschleudern“, sagte Klaus-Michael Debatin, Ärztlicher Direktor für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Ulm, in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart*. Sie hätten sich seltener mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg angesteckt als ihre Eltern. Debatin stellte die Ergebnisse der Studie gemeinsam mit dem Virologen Hans-Georg Kräuslich vor, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg.

Coronavirus in Baden-Württemberg wird am häufigsten von jüngeren Menschen übertragen

„Besonders wichtig war und ist mir, dass wir mit den Ergebnissen der Studie unsere politischen Entscheidungen auf die aktuelle wissenschaftliche Expertise stützen können“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu dem Ergebnis. Ansonsten wären Entscheidungen - wie die Öffnung von Kitas trotz Coronavirus in Baden-Württemberg - schlicht willkürlich. Für die Corona-Studie der Universitätskliniken Ulm, Freiburg, Heidelberg und Tübingen wurden etwa 5.000 symptomfreie Menschen auf das Coronavirus und auf Antikörper getestet. Darunter waren 2.500 Kinder unter zehn Jahren und je ein Elternteil. Die Erhebung sei bezüglich der Fallzahlen eine der größten weltweit, sagte Debatin in Stuttgart.

Basierend auf den Ergebnissen der Studie soll ab dem 29. Juni in die vierte Phase der Kita-Öffnungen gestartet und damit die Notbetreuung beendet werden. Dann sollen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg wieder alle Kinder regelmäßig ihre Kitas und Kindertagespflege besuchen können - ein Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen. Es soll keine Abstandsregelung für Kinder untereinander geben, für Erwachsene gilt aber der Mindestabstand von 1,5 Metern. Die Umsetzung soll durch die jeweiligen Träger in eigener Verantwortung erfolgen, strikte Vorgaben gibt es aber dennoch. Betreuungsgruppen dürfen etwa nicht vermischt werden und jede Kita und Tagespflegestelle benötigt ein eigenes Hygienekonzept.

Daten zum Coronavirus bei Kindern im Alter zwischen einem und zehn Jahren lagen bislang nicht ausreichend vor. Eine Analyse der Infektionszahlen des Gesundheitsamts Stuttgart Anfang April zeigte lediglich, dass vor allem Menschen mittleren Alters von Covid-19 betroffen sind - nicht Senioren. Die Zahlen zeigten außerdem, dass junge Menschen das Coronavirus in Baden-Württemberg am häufigsten übertragen*, was maßgeblich auf ihr Freizeitverhalten zurückzuführen ist.

*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Alex Rosemberg/dpa

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