Polizei rechnet bei Mindestabstand nach

Corona-Protest in Heidelberg: Teilnehmern drohen Strafen, weil sie gegen das Kontaktverbot verstoßen haben

Ein Polizeiauto steht vor dem Gebäude der Justiz Heidelberg (Symbolfoto)
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Polizei ermittelt gegen Versammlungsteilnehmer, die gegen das Kontaktverbot verstoßen haben (Symbolfoto)
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Aus Protest gegen den Umgang mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg hatte sich eine Gruppe vor dem Polizeigebäude in Heidelberg versammelt. Nun drohen den Protestierenden Strafen.

  • Um gegen die Schutzmaßnahmen vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu protestieren, hatte sich eine Gruppe von 80 Menschen am 15. April in Heidelberg versammelt
  • Mit dem Protest wollten die Teilnehmer ihre Unterstützung für eine Heidelberger Anwältin zeigen, die zum Widerstand gegen die Corona-Verordnung aufgerufen hatte und in die Psychiatrie eingewiesen wurde
  • Die Polizei hat 32 Teilnehmer der Versammlung identifiziert und ermittelt nun wegen Verstößen gegen das Kontaktverbot

Heidelberg - Die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg spalten die Gemüter. Während sich der Großteil der Bürger an das Kontaktverbot hält, zweifeln andere die Rechtmäßigkeit der Corona-Verordnung an.

Eine Gruppe etwa 80 Menschen hatte sich am 15. April vor dem Polizeigebäude in Heidelberg versammelt, um gegen das Kontaktverbot in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg zu protestieren. Nun drohen den Teilnehmern satte Strafen - weil sie durch ihre Versammlung gegen eben dieses Kontakverbot verstoßen hatten.

Schutzmaßnahmen vor Coronavirus in Baden-Württemberg sorgen für Protest

Die Gruppe hatte sich vor dem Polizeigebäude in Heidelberg getroffen, um gegen die Einweisung einer Heidelberger Anwältin in die Psychiatrie zu protestieren. Die Anwältin für Medizinrecht hatte zuvor im Internet zu Widerstand gegen die Corona-Verordnung aufgerufen, war zu einer Art Leitfigur der Corona-Proteste geworden. Eine Studie zeigte jüngst, dass immer mehr Menschen in Baden-Württemberg gegen das Corona-Kontakverbot verstoßen.

Weil die Anwältin andere Bürger gezielt dazu aufforderte, gegen das Kontaktverbot zu verstoßen, nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Frau auf. Wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete, wurde die Anwältin inzwischen gegen ihren Willen in die Psychiatrie eingewiesen. Sie habe laut Polizeisprechern einen „verwirrten Eindruck“ gemacht.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Heidelberger Anwältin in Psychiatrie eingewiesen

In einer Sprachnachricht, aus der die Bild zitiert, berichtete die Anwältin offenbar von zwei „Killern“, die sie verfolgt hätten. Daraufhin habe sie ein Auto angehalten und die Insassen gebeten, sie ins Fahrzeug zu lassen. Schließlich sei die Polizei angerückt und habe sie festgenommen.

Für einige der Versammlungsteilnehmer wird der Protest vor dem Polizeigebäude in Heidelberg strafrechtliche Konsequenzen haben. Die Polizei gibt an, 32 der Teilnehmer identifiziert zu haben. Außerdem haben Kriminaltechniker den Platz vor dem Polizeigebäude mit einem 3-D-Verfahren vermessen, um nachzuweisen, dass die Protestierenden den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten haben. In ganz Baden-Württemberg darf die Polizei jetzt mit einer umstrittenen Praxis gegen Corona-Infizierte vorgehen - die Ex-Justizministerin warnt davor.

Proteste von Corona-Leugnern in Baden-Württemberg werden jüngst immer lauter. Sie zweifeln die Existenz des Coronavirus an, vermuten gar eine Verschwörung der Staatsgewalt gegen die Bürger. Laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann müssten die Menschen in Baden-Württemberg lernen, für längere Zeit mit dem Coronavirus zu leben. Die Beschränkungen zum Schutz vor Covid-19 werden die Bürger laut Kretschmann noch mehrere Monate begleiten.

Einen Lichtblick gibt es dennoch: Die Landesregierung plant, Restaurants und Hotels in Baden-Württemberg trotz Coronavirus im Mai wieder zu öffnen.

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