„Wir wollen weiter gehen“

Vor Schulöffnungen: Palmer baut in Tübingen eigenes Schnelltest-System auf

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer geht in der Corona-Krise öfter einen eigenen Weg.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Um das Coronavirus in Baden-Württemberg weiter einzudämmen, will Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer Schnelltests eigenständig in Schulen einführen.

Tübingen - In Tübingen, unweit der Landeshauptstadt Stuttgart* (*BW24 berichtete), geht man einen eigenen Weg im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg*. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) legte von Anfang an seinen Fokus auf den Schutz älterer Menschen. Tübingen folgt damit einem Modell der Notärztin Lisa Federle. Dazu gehören beispielsweise Taxifahrten für Risikogruppen sowie die Ausgabe von FFP2-Masken und Schnelltests für alle auf dem Tübinger Marktplatz. Nun planen Federle und Palmer einen neuen Vorstoß in der Stadt. Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, wollen sie an Tübinger Schulen ihr eigenes Schnelltest-System aufbauen.

Die aktuelle 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Tübingen spricht für die Strategie von Palmer und Federle: Mit einem Wert von 32,4 (Stand 4. Februar 2021) nimmt die Stadt eine Vorbildfunktion in Baden-Württemberg ein. Andere Gemeinden haben mit ganz anderen Zahlen zu kämpfen: Erst kürzlich erreichte eine Stadt in Baden-Württemberg eine Inzidenz von 900*, nachdem eine Gruppe von Wanderern das Coronavirus in der gesamten Gemeinde verteilt hatte.

Tübingen hingegen ist offenbar immer einen Schritt voraus und hat wohl bald ein neues Ass im Ärmel: „Unser Ziel sind regelmäßige Schnelltests zwei bis drei Mal pro Woche an allen Kitas und den Abschlussklassen aller Schulen in der Stadt“, sagte Boris Palmer am Mittwoch.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Boris Palmer hält nichts vom Plan des Gesundheitsministers

Laut Boris Palmer stehen rund 100.000 Euro für den Aufbau der neuen Strategie zur Verfügung. Rund 20.000 Tests seien bestellt worden, sagte Federle der dpa. Schon ab nächster Woche wolle man die Aktion starten. Zwar sind die Schulen im Land noch bis 21. Februar geschlossen*, offenbar sollen die Tests an den Tübinger Schulen bereits vor der Öffnung starten. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sei ebenfalls mit im Boot und wolle das Konzept landesweit ausweiten. Auch andere Berufsgruppen wie beispielsweise Polizisten und Verkäufer könnten bald schon davon profitieren, so Federle.

Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hatte bislang einen anderen Plan: Er wollte Schnelltests nur bei Lehrern, Erziehern und Kindern mit Symptomen anwenden. Boris Palmer hält das nicht für ausreichend. „Manfred Lucha lässt die Lücke der symptomfreien Zeit“, sagte er der dpa. „Wir wollen in Tübingen weiter gehen.“ Dadurch könnte die geplante Öffnung von Grundschulen und Kindertagesstätten nach den Faschingsferien mit einer erweiterten Teststrategie begleiten.

Tübingens OB Boris Palmer kann es bei der Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg derzeit nicht schnell genug gehen: So forderte er unlängst, einen Impfstoff aus Tübingen vorzeitig zuzulassen*. Nicht sein einziges kontroverses Statement: Gegen den Appell des Politikers Karl Lauterbach (SDP) forderte Palmer ein rasches Lockdown-Ende*. Für Furore sorgte Palmer auch mit einem Brandbrief an Wirtschaftsminister* Peter Altmaier (CDU), in dem er über „traumatische Erlebnisse“ von Gastronomen und Händlern berichtet. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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