Test war für andere Erreger gedacht

Forscher aus Freiburg merken, dass sie den perfekten Coronavirus-Schnelltest schon längst haben

  • Marleen van de Camp
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Ehemalige Mitarbeiter der Uni Freiburg haben mit ihrem Start-up einen Corona-Schnelltest entwickelt, der den Test von Bosch in den Schatten stellt.

  • Als Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg haben ehemalige Doktoranden der Universität Freiburg haben mit ihrem Start-up einen Corona-Schnelltest entwickelt.
  • Dazu haben die Forscher einen bestehenden Schnelltest umgerüstet, an dessen Grundkonzept ihr Doktorvater an der Uni Freiburg schon seit 30 Jahren forscht.
  • Die Landesregierung von Baden-Württemberg glaubt an den Erfolg und unterstützt das Projekt mit 6 Millionen Euro.

Freiburg - Ein Start-up von ehemaligen Mitarbeitern der Uni Freiburg hat einen Coronavirus-Schnelltest entwickelt, der innerhalb von 30 bis 40 Minuten ein eindeutiges Ergebnis liefern soll. Das Land Baden-Württemberg hält den Coronavirus-Schnelltest offensichtlich für erfolgversprechend: Es fördert die Entwicklung mit 6 Millionen Euro.

Tausende Test-Sets sollen im dritten Quartal 2020 auf den Markt kommen, wie die Universität Freiburg auf ihrer Website ankündigt. Das soll innerhalb dieser kurzen Zeit möglich sein, da der Coronavirus-Schnelltest aus Freiburg in Baden-Württemberg auf einem Konzept beruht, das Roland Zengerle, Professor für Anwendungsentwicklung am Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg, schon seit 30 Jahren erforscht. Die Spindiag GmbH, das Start-up, das den Schnelltest herstellt und vertreiben wird, wurde von Mitarbeitern seiner Arbeitsgruppe und des dortigen Hahn-Schickard-Instituts im Jahr 2016 „ausgegründet“. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: 30 Jahre Erfahrung stecken in dem neuen Schnelltest

Ausgründen bedeutet, dass Mitarbeiter eines Forschungsinstituts, unterstützt durch ihre Universität, die Ergebnisse ihrer Forschung in die Praxis umsetzen und dazu eine Gesellschaft gründen, mit der sie die entsprechenden Produkte anbieten. Die Universität unterstützt die Ausgründung durch ihr Know-How und erhält dafür in der Regel Anteile an der Gesellschaft.   

Für den Coronavirus-Schnelltest, der von der Landesregierung in Stuttgart gefördert wird, haben die Forscher aus Baden-Württemberg ein bereits bestehendes Testsystem auf das Virus Sars-CoV-2 umgerüstet. Zuvor wurden Patienten damit auf multiresistente Keime oder andere Erreger getestet. Das Start-up Spindiag musste einige biochemische Details verändern, um auch auf das Coronavirus testen zu können. „Wir konnten bereits zeigen, dass mit unserem Testsystem auch die Sars-CoV-2-Gene nachweisbar sind“, sagt Spindiag-Geschäftsführer Daniel Mark

Für den Coronavirus-Schnelltest haben die Forscher aus Baden-Württemberg einen anderen Test umgerüstet

Das Herzstück des Coronavirus-Schnelltests aus Baden-Württemberg, der innerhalb von ungefähr 35 Minuten ein zuverlässiges Ergebnis liefern soll, ist eine Disk - eine halbmondförmige Scheibe mit einem integrierten Tupfer. Pflegekräfte machen bei Patienten Abstriche aus Nase oder Rachen, schieben den Tupfer in die Disk und legen diese in ein Testgerät. In dem Gerät durchläuft die Probe innerhalb von 30 bis 40 Minuten 30 Testschritte. Das Ergebnis wird angezeigt und automatisch an das Krankenhaus-Informations-System geschickt. Der Coronavirus-Schnelltest von Bosch kann bis zu 2,5 Stunden in Anspruch nehmen.

Coronavirus-Schnelltest aus Freiburg muss vor der Zulassung noch fast 3.000 Tests durchlaufen

Das Freiburger Start-up Spindiag hatte bereits einen Schnelltest, der für Corona umgerüstet werden konnte.

In der Disk befindet sich ein Netz aus leeren Mikrokanälen und Mikrokammern. Sie sind teils mit Mikromengen an chemischen Stoffen gefüllt, die mit der Probe auf verschiedene Arten reagieren. Am Ende steht der eigentliche Coronavirus-Nachweis durch eine Kettenreaktion des Enzyms Polymerase. Die Produktionsstraßen für den Coronavirus-Schnelltest des Start-ups aus Baden-Württemberg stehen schon bereit. Allerdings muss das Testsystem selbst noch 2.000 bis 3.000 Sicherheits- und Zuverlässigkeitstests bestehen, bevor es in Deutschland zugelassen wird. Das ist der Grund, aus dem der Schnelltest erst im dritten Quartal erhältlich sein wird. 

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/picture alliance

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