Studie am Klinikum Stuttgart

Radiologen in Stuttgart gehen entscheidenden Schritt im Kampf gegen Covid-19

Götz Martin Richter, Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Stuttgart, steht vor den Lungenaufnahmen eines Coronavirus-Patienten.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Götz Martin Richter vom Klinikum Stuttgart erforscht die Behandlungsmöglichkeiten von Covid-19.
  • Lisa Schönhaar
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Weil sich das Coronavirus in Baden-Württemberg immer weiter ausbreitet, haben Radiologen des Klinikums Stuttgart eine Studie zur Erforschung von Behandlungsmöglichkeiten beantragt.

  • In Baden-Württemberg steigt die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus weiter an.
  • Radiologen des Klinikums Stuttgart haben nun eine Studie beantragt, um die Behandlungsmöglichkeiten und Langzeitfolgen von Covid-19 zu erforschen.
  • Für die Studie sollen Hunderte Daten von Coronavirus-Infizierten in Baden-Württemberg herangezogen werden.

Stuttgart - Radiologen des Klinikums Stuttgart haben aufgrund der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg eine Studie zur Erforschung von Behandlungsmöglichkeiten von Covid-19 beantragt. Götz Martin Richter, Ärztlicher Leiter des Zentrums für Radiologie im Klinikum Stuttgart, stellte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) einen Forschungsantrag bei der Ethikkommission der Ärztekammer. Grundlage der Studie sollen Computertomographie-Aufnahmen von mindestens 250 Covid-19-Patienten aller Altersgruppen sein.

Das Klinikum Stuttgart hat früh auf das Coronavirus reagiert, eine Fieber-Ambulanz eingerichtet und die Zahl der Intensivbetten aufgestockt. Stuttgarter Radiologen erhoffen sich nun, durch ihre Studie die Verläufe von Covid-19-Erkrankungen besser einschätzen zu können. Zudem könne eine Datenbank mit Hunderten Lungen-Aufnahmen von Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, auch bei der Erforschung der Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion helfen, wie das Klinikum Stuttgart der dpa mitteilte.

Radiologen nutzen Daten von Covid-19-Patienten, die sich mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert haben

Für ihre Studie stehen den Radiologen in Stuttgart Daten von Covid-19-Patienten zwischen 21 und 89 Jahren zur Verfügung, die sich mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert haben. „Dem Virus ist das Alter egal“, sagte Richter zur dpa. Insbesondere von jüngeren Menschen werde das Risiko leider noch immer unterschätzt.

Bereits Anfang April hatte das Gesundheitsamt Stuttgart die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in Baden-Württemberg genauer untersucht und festgestellt, dass nicht Senioren, sondern Menschen mittleren Alters am stärksten betroffen sind. Die Analysen zeigten außerdem, dass vor allem junge Menschen das Coronavirus in Baden-Württemberg übertragen. Durch ihr Freizeitverhalten tragen sie in hohem Maße zur Verbreitung von Covid-19 bei.

Der Unterschied zwischen einer gesunden Lunge und der eines Covid-19-Erkrankten ist auf CT-Aufnahmen deutlich erkennbar. Während die Lunge eines gesunden Menschen schwarz aussieht, weil sie mit Luft gefüllt ist, weist das Organ von Infizierten mit dem Coronavirus weiße, wolkige Schlieren auf. Sie werden von Ärzten als „Milchglas" bezeichnet und entstehen, weil das Coronavirus die Zwischenräume der Lunge zerstört und sich diese mit Eiter und Wasser füllen.

Die Schlieren können sich innerhalb weniger Tage massiv ausbreiten und dazu führen, dass in den betroffenen Bereichen der Lunge kein Sauerstoff mehr ausgetauscht wird und Covid-19-Patienten Schwierigkeiten beim Atmen haben - im schlimmsten Fall droht der Tod durch Ersticken.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Klinikum Stuttgart könnte für Covid-19-Studie mit anderen Städten zusammenarbeiten

Die Studie der Radiologen des Klinikums Stuttgart soll auf mindestens anderthalb Jahre angelegt sein. Dafür hoffen die Ärzte auf eine möglichst umfassende Datenbank von Menschen, die sich mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert haben. Je mehr Daten zur Verfügung stünden, desto besser könnten Ärzte und Wissenschaftler geeignete Medikamente für Covid-19 finden, sagte Richter zur dpa.

An der Coronavirus-Forschung könnten sich deshalb auch Ulm, Tübingen und Freiburg beteiligen. „Wir wollen den Verlauf einer Infektion bei den Patienten erfassen und aus der Summe der Bilddaten und der Laborwerte ermitteln, wie sich eine Infektion entwickeln und wie man sie behandeln könnte“, so Richter.

Anfang April hatte das Klinikum Stuttgart bekanntgegeben, sich als Reaktion auf die schnelle Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg nur noch auf schwer erkrankte Covid-19-Patienten und Risikogruppen zu konzentrieren und alle anderen Erkrankten nicht mehr zu testen. Bereits am 28. Februar hatte die zentrale Corona-Ambulanz im Klinikum Stuttgart den Betrieb aufgenommen - drei Tage, nachdem der erste Fall einer Coronavirus-Infektion in Baden-Württemberg bekannt geworden war.

Mit Material der dpa

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