Urlaub in Risikogebiet

Fünf Jahre Haft, 25.000 Euro Bußgeld: Familie droht nach Urlaub im Risikogebiet harte Strafe

Schüler mit Maske
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Nach den Sommerferien soll in Schulen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg Regelbetrieb herrschen.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Trotz Coronavirus in Baden-Württemberg soll nach den Sommerferien wieder ein regulärer Schulbetrieb im Ländle stattfinden. In Nachbarland Rheinland-Pfalz ist das jetzt bereits der Fall - mit weitreichenden Folgen. In Worms müssen nun 50 Personen in Quarantäne, weil Eltern gegen die Corona-Auflagen verstoßen haben.

  • Die Schulen sollen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg nach den Sommerferien wieder in den Regelbetrieb übergehen.
  • In Rheinland-Pfalz gehen Schüler bereits seit etwa anderthalb Wochen wieder zur Schule - seitdem gab es schon viele Verdachtsfälle im Bezug auf Covid-19.
  • In Worms an der Grenze zum Rhein-Neckar-Kreis wurden nun zwei Schülerinnen positiv auf das Coronavirus getestet. Obwohl sie in einem Risikogebiet Urlaub gemacht haben, waren sie nicht in Quarantäne.

Rhein-Neckar-Kreis - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hatte während des Lockdowns erhebliche Eingriffe in den Alltag vieler Menschen zur Folge. Die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz, um eine fortlaufende Ausbreitung von Covid-19 im Südwesten zu verhindern, reichten von der Einführung einer Maskenpflicht in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln über Kontaktverbote bis hin zur Schließung von Kindergärten und Schulen.

Weil die Zahlen von Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg zwischenzeitlich zurückgegangen sind, dürfen Kinder bereits seit Ende Juni wieder in Grundschulen und Kitas gehen - allerdings nur unter Einhaltung bestimmter Hygieneregeln. Trotz derer gab es im Südwesten aufgrund von sorglosem Verhalten immer wieder Meldungen von Neuinfektionen, die zu umfangreichen Tests bei Schülern führten. Die Infektionen gehen zu einem großen Teil auf Reiserückkehrer zurück. Urlaubsländer wie Kroatien wurden daraufhin zum Risikogebiet erklärt. An Schulen in der Landeshauptstadt Stuttgart kam es beispielsweise zu einem Corona-Ausbruch, der womöglich auf eine Großfamilie zurückzuführen war.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Nachbarland hat Schulen bereits geöffnet - viele Verdachtsfälle

Seitdem die Schulen wieder geöffnet haben zeigt sich, welch verheerenden Schaden die Corona-Krise bei Kindern hinterlassen hat. Bei vielen besteht ein deutlicher Nachholbedarf. Nach den Corona-Lockerungen vom 1. Juli plant die Landesregierung daher, dass ab 14. September trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg ein weitestgehend regulärer Unterricht an allen Schulen stattfinden soll - dies jedoch nur unter Einhaltung bestimmter Maßnahmen.

Erste Erfahrungen wie sich ein regulärer Schulbetrieb auf die Entwicklung des Coronavirus in Baden-Württemberg auswirken könnte, sammelt bereits das Nachbarbundesland Rheinland-Pfalz. Dort sind bereits seit dem 17. August alle Schulen wieder geöffnet - nach nur einer Woche gab es bereits mehr als hundert Verdachtsfälle bei Schülern und Lehrern. Aktuell wurde ein Fall von zwei Schülerinnen in Worms direkt im Grenzgebiet des Rhein-Neckar-Kreises bekannt. Die beiden sollen sich mit Covid-19 infiziert haben, weshalb jetzt mehr als 50 Personen in Quarantäne müssen. Betroffen sind eine Realschule und eine Grundschule.

Ein großer Risikofaktor scheinen vor allem Schüler zu sein, die während der Sommerferien in einem Risikogebiet Urlaub gemacht haben. Auch das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich vor allem aufgrund von Reiserückkehrern wieder schneller. Die beiden positiv getesteten Schülerinnen in Worms stehen laut eines Berichts des SWR unter Verdacht, in einem Risikogebiet gewesen zu sein. Ob es sich bei den Mädchen um Schwestern handelt, teilte die Kreisverwaltung Alzey-Worms nicht mit. Dasselbe gilt für Informationen zum Risikogebiet, in dem sie sich aufgehalten haben sollen.

Viele Fälle des Coronavirus in Baden-Württemberg sind auf Reiserückkehrer aus Serbien zurückzuführen. Auch für die Türkei bestehen für Urlauber harte Einreise-Bedingungen. Nach dem Infektionsschutzgesetz müssen Urlauber, die aus Risikoländern zurückkehren, auch in Rheinland-Pfalz so lange zu Hause bleiben, bis ein negativer Test auf Covid-19 vorliegt.

Die beiden Schülerinnen in Worms sind eine Woche lang zur Schule gegangen, ehe sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Das hat erhebliche Konsequenzen: Selbst bei Schülern, die nicht in Quarantäne müssen, fällt der Unterricht aus - weil Lehrer fehlen. Für die Eltern der beiden Mädchen könnte der Verstoß gegen die Corona-Vorschriften weitreichende Folgen haben - bis zu 25.000 Euro könnten laut Corona-Verordnung als Geldstrafe fällig werden.

Corona-Verstoß: Eltern drohen harte Strafen, weil Töchter nach Urlaub nicht in Quarantäne waren

Wie eine Sprecherin der Kreisverwaltung Alzey-Worms dem SWR gegenüber erklärt, werde gegen die Eltern der beiden Mädchen Strafanzeige erstattet: „Wir können nicht beurteilen, was letztlich dabei herauskommt, weil das eine Sache ist, die die Staatsanwälte und die Gerichte entscheiden.“ Möglich sei laut Sprecherin jedoch eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Auch im südlichen Nachbarland von Rheinland-Pfalz gehen die Behörden immer härter gegen Covid-19-Sünder vor. Die Maßnahmen soll helfen, eine erneute Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg zu unterbinden.

In Stuttgart wurden beispielsweise die Mindeststrafen für Menschen, die ohne Maske erwischt werden, verdreifacht. Dennoch weigern sich immer mehr Personen, in öffentlichen Verkehrsmitteln Masken zu tragen. Der Verkehrsminister kündigte zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg daher mehr Kontrollen und härtere Strafen bei Verstößen an.

Aktuell beschäftigt die Polizei in Stuttgart ein Fall, bei dem der Verstoß gegen die Auflagen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg nur einen kuriosen Teilaspekt der ganzen Geschichte darstellt. Als ein Lastwagenfahrer aus Rumänien einen Zwischenstopp in Stuttgart einlegte, entdeckte er unter einer Plane fünf Flüchtlinge. Vier Polizisten müssen deshalb zum Schutz in Quarantäne - die Männer waren zuvor in einem Corona-Risikogebiet gewesen.

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