Aufruhr ohne Grund

Stuttgart: Anwohner rufen Polizei, weil eine Familie mit Mund-Nasenschutz spazieren geht

Passanten sitzen auf dem Suttgarter Schlossplatz mit Mund-Nasen-Bedeckung auf einer Bank.
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Im Corona-Lockdown gelten strenge Regeln. Der Mund- und Nasenschutz gehört fast schon zum Stadtbild. (Symbolbild)
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Eine vierköpfige Familie weckte offenbar Misstrauen, weil alle gemeinsam spazieren gingen und dabei einen Mund-Nase-Schutz gegen das Coronavirus trugen.

Stuttgart - In der Landeshauptstadt Stuttgart erweckten vier Personen durch das Tragen von Masken und Sonnenbrillen wohl den Anschein, als hätten sie etwas zu verbergen. Bei ihrem Spaziergang durch den Stuttgarter Osten erschienen sie einem Anwohner so ominös, dass dieser die Polizei rief. Die vierköpfige Familie wurde verdächtigt, gegen die Corona-Regeln zu verstoßen, weil die Personengruppe dem Beobachter zu groß erschien.

Schon die kleinsten Verstöße gegen die Regeln im harten Lockdown können zu saftigen Bußgeldern führen. In Ulm trafen sich drei Männer zum Haareschneiden und wurden deshalb von der Polizei belangt.

Bei dem Fall in Stuttgart gehörten jedoch alle vier, also Eltern, Tochter und Sohn, zum selben Haushalt. Dass die Polizei sie beim abendlichen Spazierengehen kontrollierte, können sie nicht fassen. „Wir gehören zu den wenigen, die alle Vorsichtsmaßnahmen zu 100 Prozent befolgen“, sagte die Tochter den Stuttgarter Nachrichten. Alle seien Corona-Risikogruppe, weshalb sie beim Spazierengehen Masken und an nicht allzu grellen Tagen sogar Sonnenbrillen tragen. „Auch die Augen muss man schützen. Jogger, die Ausatmen, Raucher, die den Atem weit ausstoßen, Passenten, die einen anhusten“, erklärt die Tochter der Familie.

Verstoß gegen Corona-Regeln? Polizei Stuttgart kontrolliert Familie beim Spaziergang

Als bei ihrer Runde um den Block plötzlich die Polizei vor ihnen stand und Personalien verlangte, war das ein Schock für alle Familienmitglieder. Warum gerade sie, die penibel auf die Regeln in der Pandemie achten? Die Familie will jetzt zumindest erreichen, dass ihr Name aus den Daten gelöscht wird. Sie vermutet, dass eine Anwohnerin sie als verdächtig gemeldet hatte.

Die Stuttgarter Polizei bestätigte den Verdacht der Familie. Wegen eines Anrufs habe die Polizei sie beim Spazierengehen kontrolliert. „Dass vier Personen bei Einbruch der Dämmerung - es war nach 16 Uhr - mit Maske und Sonnenbrille herumlaufen, das kam jemandem seltsam vor“, sagte ein Polizei-Sprecher den STN. Ein solcher Hinweis sei nicht ungewöhnlich. „Das ist ein ganz normaler Vorgang - und auch unsere oberste Pflicht.“

Polizei Stuttgart: „Wir müssen in solchen Fällen prüfen, wer da unterwegs ist“

Dass die Familie derart geschockt über die Kontrolle ist, kann der Polizei-Sprecher nicht ganz nachvollziehen. „Wir haben ihnen ja überhaupt nichts vorgeworfen. Wir müssen in solchen Fällen nur überprüfen, wer da unterwegs ist.“ Gerade im Winter, wenn es abends früh dunkel wird, ist die Polizei dankbar, wenn auffällige Personen, die in Wohngebieten herumschleichen, gemeldet werden. Sonnenbrillen und Masken könnten natürlich durchaus auch ein Tarnungsmanöver von Einbrechern sein.

Die Bedenken der Familie zum Datenschutz kann der Sprecher der Stuttgarter Polizei ausräumen: „Das Löschen geschieht nach ein paar Monaten automatisch, wenn der Vorgang keine Relevanz hat. Das ist datenschutzrechtlich geregelt.“

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