„Das ist kriminell“

Arzt aus Offenburg stellt ohne medizinischen Grund Atteste gegen Maskenpflicht aus - jetzt drohen Konsequenzen

Ein Mann sitzt alleine mit Mundschutz in einer leeren Straßenbahn.
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg gilt auch in Bussen und Bahnen Maskenpflicht - ein Arzt in Offenburg stellt dagegen offenbar Atteste aus.
  • Valentin Betz
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Ein Arzt aus Offenburg stellt offenbar Atteste gegen das Tragen von Masken wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg aus. Er hatte die Corona-Maßnahmen zuvor öffentlich kritisiert.

  • Ein Arzt aus Offenburg stellt ohne medizinischen Grund Atteste gegen das Tragen einer Maske aus.
  • Er ist Teil der Initiative „Ärzte für Aufklärung“, die sich gegen die Corona-Maßnahmen ausspricht.
  • Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg herrscht seit geraumer Zeit Maskenpflicht, beispielsweise in Bussen und Bahnen.

Offenburg - Die Maskenpflicht aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) ist ein Reizthema. Neben den Befürwortern gibt es immer wieder auch kritische Stimmen, welche die Schutzwirkung der Alltagsmasken anzweifeln. In manchen Bundesländern wurde aufgrund der sinkenden Infektionszahlen schon eine Abschaffung der Maskenpflicht diskutiert. Baden-Württemberg will allerdings bei der Maskenpflicht bleiben*. Das Land überlegt sogar, das Tragen von Masken auch auf andere Bereiche auszuweiten. Ministerpräsident Winfried Kretschmann überlegt etwa, die Maskenpflicht für ältere Schüler in Baden-Württemberg einzuführen.*

Immer wieder kommt es trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg zu Verstößen gegen die Maskenpflicht, weil Menschen sich gegen die Verordnung wehren. Anfang Mai drehte ein Mann in Singen durch, weil er ohne Maske nicht im Linienbus mitfahren durfte.* Doch auch wer nicht direkt randaliert, kann offenbar das Tragen einer Maske umgehen. Wie die Badische Zeitung unter Berufung auf Recherchen des ARD-Magazins Report Mainz berichtet, stellt eine Initiative namens „Ärzte für Aufklärung“ Atteste gegen die Maskenpflicht aus - darunter wohl auch ein Kieferchirurg aus Offenburg in Baden-Württemberg.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Arzt aus Offenburg kritisiert öffentlich die Maßnahmen gegen Covid-19

Vertreter der Initiative vermuten laut Report Mainz hinter den Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland eine große Verschwörung - in Videos stuften sie das Virus als nicht besonders gefährlich und eine Maske daher als nicht notwendig ein. Um herauszufinden, ob die Ärzte wirklich Atteste gegen das Tragen eines Mundschutz ausstellen, gaben sich die Reporter des ARD-Magazins Report Mainz als Patienten aus und verlangten Atteste - auch von dem Offenburger Kieferchirurgen Fritz Düker. Das Attest bekamen die Reporter ausgestellt, obwohl sie angaben, keine medizinischen Probleme mit der Maske zu haben, schreibt die Badische Zeitung. Zwei der Ärzte sprachen nicht einmal mit den vermeintlichen Patienten und untersuchten sie auch nicht.

Der Kieferchirurg protestiert laut Badischer Zeitung bereits seit Ende März öffentlich gegen die staatlichen Corona-Verordnungen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Dafür habe er zunächst einen Infotisch vor dem Offenburger Rathaus aufgestellt. Derzeit sei er aber auch Teilnehmer und Mitorganisator der samstäglichen Demonstrationen auf dem Offenburger Platz der Verfassungsfreunde: „Zeig dein Gesicht fürs Grundgesetz“.

Die Reporter von Report Mainz gaben sich nach Erhalt des Attests zu erkennen und stellten den Kieferchirurgen Fritz Düker vor laufender Kamera zur Rede. Dieser rechtfertigte trotzdem sein Handeln. „Sie haben gesagt, dass Sie sich mit einer Maske nicht anfreunden können, da habe ich die Diagnose orale Maskenphobie“, erklärte Fritz Düker den Reportern.

Atteste gegen Mundschutz wegen Coronavirus in Baden-Württemberg - Arzt aus Offenburg droht jetzt Ärger

Das Ausstellen eines Attests ohne medizinischen Grund ist kein leichtes Vergehen. Dem Kieferchirurgen Fritz Düker aus Offenburg droht deshalb jetzt Ärger mit der Landesärztekammer. „Eine Urkunde, die nicht auf ärztlichem Sachverstand fußt, sondern ein Gefälligkeitsattest darstellt, verstößt gegen ärztliches Standesrecht“, erklärt Doris Reinhardt, Fachärztin aus Friesenheim, Vertreterin der Kassenärztlichen Vereinigung Ortenau und im Vorstand der Landesärztekammer der Badischen Zeitung. „Wenn die Kammer davon Kenntnis erlangt, muss sie disziplinarische Schritte einleiten. Ein solches Verhalten schadet dem Ansehen der Ärzte in der Öffentlichkeit.“

Das Ausstellen von Attesten ohne Untersuchung ist auch laut Bundesgesundheitsministerium unzulässig, berichtet die Tagesschau. Das Vergehen kann demnach nicht nur berufsrechtlich, sondern auch strafrechtlich verfolgt werden. Laut Martin Stellpflug, Fachanwalf für Medizinrecht und Professor an der Psychologischen Hochschule Berlin, liegt dabei ein Verstoß gegen Paragraph 278 im Strafgesetzbuch vor, der das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse verbietet.

SPD-Politiker Karl Lauterbach verurteilt das Handeln der Ärzte ebenfalls scharf. „Das ist nichts anderes als dass man die medizinische, die ärztliche Autorität missbraucht, um ein Gesetz auszuhebeln“, so Karl Lauterbach gegenüber der Tagesschau. Die Einschätzung des SPD-Politikers ist deutlich: „Ehrlich gesagt, das ist kriminell.“ *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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