Maskenpflicht und Co.

„Ich war entsetzt“: Schulleiter wegen Corona-Maßnahmen mit Hassmails überflutet

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Schulen müssen sich wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg an strenge Maßnahmen halten. Lehrer werden deshalb immer häufiger extrem angefeindet.

Rottenburg - Die Kritik an den Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zieht sich durch die komplette Pandemie und ist seit Beginn nicht abgeflaut. Gegner von Maskenpflicht, Abstandsregeln und Co. erheben immer wieder ihre Stimme. Besonders Schulen geraten dabei immer wieder in den Blickpunkt, weil Kinder in der Regel weniger durch das Coronavirus gefährdet sind, sich aber trotzdem an die Maßnahmen halten müssen. Erst Anfang Mai hatten im Kreis Esslingen Eltern gegen die Maskenpflicht für Kinder protestiert.

Dabei ist verbaler Protest noch eine milde Form des Gegenwinds, dem Schulen und Lehrkräfte in Baden-Württemberg ausgesetzt sind. Der Verband Bildung und Erziehung hat am Dienstag das Ergebnis einer Forsa-Umfrage zum Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte im Zusammenhang mit der Durchsetzung von Corona-Schutzmaßnahmen“ veröffentlicht. Der baden-württembergische Landeschef der Schulleitervereinigung, Werner Weber, berichtete in diesem Zusammenhang der Deutschen Presseagentur von teils massiven Anfeindungen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Schulleiter erhält Flut von Hassmails wegen Maßnahmen

Werner Weber ist selbst Schulleiter an einer Gemeinschaftsschule in Heidenheim und bekannte sich als Landeschef der Schulleitervereinigung in Baden-Württemberg im März zur Maskenpflicht an Grundschulen. In der Folge erhielt er 40 bis 50 Mails in denen ihm unter anderem mangelhaftes Verantwortungsbewusstsein für die Kinder vorgeworfen und rechtliche Schritte angedroht wurden, berichtet er der Deutschen Presseagentur.

Corona-Maßnahmen an Schulen wie die Maskenpflicht stoßen auf massiven Widerstand. Lehrer und Schulleiter sind deshalb oft Zielscheibe für Hassmails (Symbolbild).

Die Maßnahmen riefen viele besorgte Eltern auf den Plan, und auch Ende März wehrten sich Tausende Eltern gegen die Maskenpflicht bei Kindern. Der Protest traf auch Werner Weber, Schulleiter einer Gemeinschaftsschule in Heidenheim. „Ich habe Reaktionen erwartet, aber nicht mit dieser Wucht - das geht einen emotional an“, sagte er der Deutschen Presseagentur. „Ich war entsetzt, auf welchem Niveau manche Äußerungen waren.“ Zu körperlicher Gewalt sei es aber nicht gekommen, so der Landeschef des Schulleiterverbands mit Sitz in Rottenburg.

Hassmails wegen Corona-Maßnahmen: Schulleiter - „falscher Adressat für Protest“

Die Mails an Schulleiter Werner Weber kamen demnach nicht aus seinem eigenen schulischen Umfeld. Die Absender gaben sich darin als Eltern oder Großeltern aus, mitunter bekam er dieselben Texte von verschiedenen Mailadressen. Der Landeschef des Schulleiterverbands Baden-Württemberg berichtet gegenüber der Deutschen Presseagentur, dass auch andere Kollegen hart angegangen worden seien, etwa beim Durchsetzen der Testpflicht an Schulen.

Werner Weber verteidigt die Maßnahmen trotzdem weiterhin, für ihn bilden sie einen unverzichtbaren Schutz der Schüler, Lehrkräfte und Familien. Allerdings seien die Schulleiter ohnehin der falsche Adressat für Anfeindungen und Protest. Die Corona-Maßnahmen seien vom Land angeordnet und könnten von den Schulen gar nicht eigenmächtig außer Kraft gesetzt werden.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft betonte, Anfeindungen von Lehrkräften und deren Ursachen seien ein Dauerthema, das man im Blick behalten müsse. Lehrerinnen und Lehrer, Kinder und Jugendliche sowie Eltern seien durch die Corona-Situation am Limit, sagte ein Sprecher der Deutschen Presseagentur. Zur Entspannung könne der Einsatz von Lehramtsstudierenden sowie pädagogischen Assistenten und mehr Schulsozialarbeitern und -psychologen beitragen.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa

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