Kritik an Kontaktbeschränkungen

„Mittelalterliche Methoden“: Boris Palmer geht mit neuem Corona-Lockdown hart ins Gericht

  • Valentin Betz
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat sich wiederholt kritisch zu den Corona-Maßnahmen geäußert. Für den erneuten Lockdown im Dezember findet er drastische Worte.

Tübingen - Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hält mit seiner Meinung selten hinter dem Berg. Gerade zum Coronavirus in Baden-Württemberg äußert sich der Grünen-Politiker regelmäßig. Bereits zu Beginn der Pandemie warnte Boris Palmer davor, Corona-Skeptiker beiseite zu drängen.

Regelmäßig bekommt er dafür auch Kritik. So rechnete Boris Palmer mit einem Quarantäne-Verweigerer ab - hatte sich aber geirrt. Als häufiger TV-Gast haben seine Aussagen dabei eine große Reichweite. Für einen Corona-Witz in einer Talkshow kassierte Boris Palmer deshalb Häme.

Zuletzt empörte Boris Palmer mit einer radikalen Corona-Forderung an Senioren in Tübingen. Jetzt übte der Grünen-Politiker Kritik an den Bund-Ländern-Beschlüssen zur Ausweitung der Kontaktbeschränkungen - und holte direkt zum Rundumschlag gegen die Corona-Strategie aus.

Corona-Beschlüsse: Tübingens OB Boris Palmer kritisiert Vorgehensweise

Dabei ist Boris Palmer alles andere als ein Corona-Leugner. Im Rahmen eines Tests hat sich Boris Palmer sogar gegen das Coronavirus impfen lassen und dafür viel Respekt bekommen. Trotzdem wünschte sich Andreas Schwarz, Fraktionschef der baden-württembergischen Grünen, mehr Zurückhaltung von Boris Palmer. „Das eine oder andere Mal sollte er die Klappe halten“, so Andreas Schwarz gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer äußert sich immer wieder zu den Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg.

Einen Tag später hat sich Boris Palmer nun am Donnerstag zu den Bund-Länder-Beschlüssen zur Ausweitung der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Krise geäußert. Dabei kritisierte er gleich die gesamte Strategie seit Beginn der Corona-Pandemie. Mit dem Lockdown im Dezember geht er hart ins Gericht.

„Ich finde, wir haben bei der Bekämpfung der Pandemie von Anfang an die falsche Strategie gewählt. Wir nutzen die mittelalterliche Methode, Menschen zu meiden wie die Pest“, so Boris Palmer zur Fuldaer Zeitung. „Dass wir so viel wirtschaftlichen Schaden und Freiheitsverlust hinnehmen müssen, finde ich sehr ärgerlich“, erklärte der Oberbürgermeister Tübingens.

Strategie der Bundesregierung: Boris Palmer kann die Planung nicht nachvollziehen

Der Grünen-Politiker unterstellt der Bundesregierung dabei, keine nachvollziehbare und evidenzbasierte Planung zu haben. „Ich finde das Fahren auf Sicht unbefriedigend. Eigentlich sollte man einen Plan haben, bis der Impfstoff greift oder das Frühjahr kommt“, so Boris Palmer.

Stattdessen schlägt der Tübinger Oberbürgermeister einen zweiwöchigen Lockdown in der Weihnachtspause vor, „also wirklich nur die Verwandten zu treffen“.

„Damit wären die Zahlen wahrscheinlich im Januar weit genug gedrückt, dass man sich bis mindestens in den Februar hinein wieder einigermaßen normal verhalten könnte - und dann sollte der Impfstoff seine Wirkung entfalten“, so Boris Palmer.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Tom Weller/dpa

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