Wegen großer Trauerfeier

Kritischer Wert nach Corona-Ausbruch in Schwäbisch Gmünd erreicht - Überwachung und Massentests

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Die Zahl der mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg Infizierten steigt weiter an. In Schwäbisch Gmünd kam es nach einer Trauerfeier zu einem Corona-Ausbruch mit Dutzenden Infizierten.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitete sich in den vergangenen Wochen weniger schnell als zu Beginn und die Zahl der Neuinfektionen nahm stetig ab.
  • Aktuellen Zahlen des Sozialministeriums zufolge steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus derzeit aber wieder an.
  • Nach einer Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd wurden 84 Neuinfektionen gemeldet - der Landkreis ist alarmiert und leitet Maßnahmen ein.

Schwäbisch Gmünd - Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich inzwischen langsamer als zu Beginn der Corona-Pandemie, es stellt jedoch noch immer eine Bedrohung für die Gesundheit dar. Die Landesregierung lockerte die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus immer weiter

Seit dem 1. Juli ist trotz Coronavirus nahezu alles wieder erlaubt, darunter auch Gottesdienste und Trauerfeiern - wenn auch unter bestimmten Hygieneauflagen, um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg kontrollieren zu können. Seitdem kam es bereits mehrfach zu Neuinfektionen, viele davon an Schulen im Land - in der Landeshauptstadt Stuttgart waren mindestens fünf Schulen und zwei Kitas betroffen, in einem Hochhauskomplex in Stuttgart mussten kürzlich 400 Corona-Tests durchgeführt werden, nachdem es zu Neuinfektionen von Kindern in zwei Familien kam.

Am Hauptbahnhof hat eine Corona-Teststation aufgemacht. Im Bild eine ehrenamtliche Helferin.

Experten warnen vor einer zweiten Infektionswelle: Nachdem die Zahlen in den vergangenen Monaten immer weiter sanken, kommt es nun wieder vermehrt zu Neuansteckungen. Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen aktuell immer weiter an - das liegt auch an Corona-Ausbrüchen in einzelnen Gemeinden und Landkreisen. So haben sich bei einer größeren Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis Mitte Juli dutzende Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die türkisch-deutsche Trauerfeier für einen jungen Mann fand am 14. Juli an der Ditib-​Moschee und am gleichen Tag auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof statt.

Coronavirus in Baden-Württemberg breitet sich weiter aus: Ausbruch in Schwäbisch Gmünd erfordert Maßnahmen

Bei der Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis hatten sich sehr viele türkische und deutsche Verwandte, Freunde und Kollegen eingefunden. Seit dem 23. Juli treten nun immer mehr Corona-​Fälle unter Teilnehmern der Feier auf. Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg, die auf die Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd zurückzuführen sind, hatte die Fallzahlen im Ostalbkreis innerhalb von 48 Stunden vervierfacht. Zunächst wurden 45 Neuinfektionen gemeldet, mittlerweile liegt die Zahl bei mindestens 84.

Einer Pressemitteilung des Landrats und der Stadt Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis zufolge, sind 24 Personen wieder von ihrer Erkrankung mit Covid-19 genesen und konnten aus der häuslichen Isolation entlassen werden. Von dem Corona-​Ausbruch nach der Trauerfeier sind nun offenbar auch mehrere Nachbarkreise betroffen, weshalb im Ostalbkreis die Sorge vor steigenden Infektionszahlen zunimmt. Ein Führungsstab unter Leitung von Landrat Klaus Pavel hat deshalb erste zusätzliche Maßnahmen für die Städte Schwäbisch Gmünd und Heubach getroffen, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen. Die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen hatten sich sehr stark der vom Ostalbkreis selbst definierten „Vorwarnmarke“ von 78,5 Fällen binnen sieben Tagen angenähert.

Gemeinsam mit den Städten Schwäbisch Gmünd und Heubach habe man abgestimmt, dass die Einhaltung der behördlich angeordneten häuslichen Isolation zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg vor Ort durch die Kommunen persönlich kontrolliert und bei Verstößen mit deutlichen Bußgeldern geahndet werde, wird Landrat Klaus Pavel in der Pressemitteilung zitiert. Ziel sei es, den Betroffenen deutlich zu machen, dass die Einhaltung der Quarantänemaßnahmen zur Eindämmung des aktuellen Corona-Ausbruchs unerlässlich ist. „Die Stadt Schwäbisch Gmünd hat bereits erklärt, dass sie in Abhängigkeit von der Teilnehmerzahl bei Bestattungsfeiern die erforderlichen Maßnahmen, wie etwa Maskenpflicht oder das Führen von Teilnehmerlisten, verbindlich festlegen will“, so Pavel. Die Stadt Schwäbisch Gmünd werde deshalb eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Massentests nach Corona-Ausbruch in Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis

Um eine weitere Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg nach der Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd im Ostalbkreis zu verhindern, wurden vom Gesundheitsamt unter anderem acht Schulklassen an sieben Schulen in den Städten Schwäbisch Gmünd und Heubach getestet. Im Zuge der Nachverfolgung möglicher Kontaktpersonen der Trauergäste, hat das Gesundheitsamt bereits mehr als 500 Tests durchgeführt. Etwa 100 Personen — vor allem an Schulen — wurden doppelt getestet. Auch aus den Nachbarlandkreisen Rems-​Murr-​Kreis und Göppingen sowie aus Reutlingen stammen Besucher der Trauerfeier, die dortigen Gesundheitsämter führen deshalb ebenfalls Kontaktpersonenverfolgungen durch. 

Ein Faktor der steigenden Infektionszahlen könnte auch die Öffnung der Schulen sein. Zum 29. Juni wurde das Ende der Schulschließungen in Baden-Württemberg beschlossen. Seitdem kam es bereits mehrfach zu neuen Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Eine Grundschule in Göppingen musste nach positiven Testergebnissen vorübergehend wieder geschlossen werden. An fünf weiteren Schulen im Landkreis Göppingen mussten Schüler und Lehrer in Quarantäne geschickt werden, nachdem es zu einem erneuten Corona-Ausbruch gekommen war. Auch in Bretten im Kreis Karlsruhe wurden an einer Schule neue Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen, weshalb auf Präsenzunterricht zunächst verzichtet wurde.

Rubriklistenbild: © Achim Schmidt

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