Schutz gegen Coronavirus

Warum ihr einige Maskenverweigerer lieber nicht auf den Mundschutz ansprechen solltet - laut einem Soziologen

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg herrscht Maskenpflicht. Viele halten sich allerdings nicht daran. Ein Freiburger Soziologe erklärt: Schuld ist ein urmenschliches Verhalten.

  • Ein Freiburger Soziologe hat eine einfache Erklärung dafür, dass sich Menschen gegen die Maskenpflicht wehren.
  • Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg herrscht seit 27. April Maskenpflicht in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Immer wieder setzen sich Menschen über die Verordnung hinweg oder tragen den Mund-Nasen-Schutz falsch.

Stuttgart - Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen wieder. Damit wächst die Angst vor einer zweiten Welle, einige sind sogar überzeugt: Wir befinden uns schon mitten darin. Ein Medizinprofessor aus Freiburg sagt, dass wir uns nicht in einer zweiten Corona-Welle befinden. Ein wirksames Mittel gegen die Ausbreitung des Coronavirus bleibt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Seit dem 27. April herrscht wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg Maskenpflicht in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Doch seit die Maskenpflicht besteht, wehren sich Menschen auch dagegen. Mitte Mai hatte eine Frau Klage gegen die Maskenpflicht in Baden-Württemberg eingereicht. Sie fühlte sich „der Lächerlichkeit preisgegeben.“ Aber nicht nur die gänzliche Verweigerung des Mundschutzes ist ein Problem. Viele wissen offenbar auch nicht, wie man einen Mundschutz richtig anlegt. Eine Studie belegte, dass vor allem Männer einen gefährlichen Fehler beim Tragen der Masken machen.

Maskenpflicht gegen Coronavirus: Am Widerstand ist ein urmenschliches Verhalten schuld

Immer wieder kommt es auch zu Gewaltausbrüchen, wenn sich unbelehrbare Maskenmuffel gegen den Mundschutz wehren. In Freiburg zog sich eine Frau das T-Shirt als Maskenersatz über den Mund. Weil sie so aber ein Lebensmittelgeschäft nicht betreten durfte, randalierte sie, bis die Polizei einschreiten musste.

Aber warum fällt es vielen Menschen offenbar so schwer, sich mit der Maskenpflicht zurechzufinden? Der SWR hat dazu den Freiburger Soziologen Stefan Kaufmann interviewt. Der hat eine einfache und plausible Erklärung für Maskenmuffel.

Gegenüber dem SWR erklärte der Freiburger Soziologe Stefan Kaufmann, dass die Macht der Gewohnheit viele Menschen daran hindert, eine Maske zu tragen. „Das Schwierige ist, unsere Alltagspraktiken zu verändern. Etwas Neues zu integrieren, verursacht immer einen großen Aufwand und dann werden auch schnell Proteste dagegen laut“, so Stefan Kaufmann zum SWR. Der Mensch ist und bleibt also ein Gewohnheitstier.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Eine Frau hat am Gericht in Mannheim Klage gegen die Maskenpflicht eingereicht. (Symbolbild)

„Wenn man sich einzelne Interviews von Maskenverweigerern anhört, ist die Rede davon, dass man sich nicht ‚versklaven‘ lassen wolle“, sagte Stefan Kaufmann dem SWR. Daran würde sichtbar, „dass sich einige Menschen partout in ihren Gewohnheiten nicht umstellen wollen.“ Gesamtgesellschaftlich betrachtet brauche es daher eine Weile, bis sich Gewohnheiten dauerhaft umstellten, so Stefan Kaufmann weiter. Auf einen genauen Zeitraum, den eine Gewohnheitsumstellung benötigt, ging er dabei allerdings nicht ein.

Maskenverweigerer auf Verstoß aufmerksam machen: Im Grunde erlaubt, aber mitunter wenig ratsam

Aus Sicht des Freiburger Soziologen spreche auch nichts dagegen, Maskenmuffel auf ihr Fehlverhalten anzusprechen. Man sollte zu Menschen, die trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg keine Maske tragen, allerdings freundlich sein, nicht autoritär sprechen und nicht besserwisserisch agieren.

Allerdings schränkte Stefan Kaufmann diesen Ratschlag gegenüber dem SWR direkt wieder ein. „Wenn jemand ganz bewusst und herausfordernd keine Maske trägt, sollte man vorsichtig mit Hinweisen sein“, so Stefan Kaufmann zum SWR. Wenn auf freundliche Hinweise auf die Maskenpflicht wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg keine Reaktion käme, solle man Konflikte vermeiden. „Man kann davon ausgehen, dass sich die Person in der Angelegenheit unbelehrbar gibt“, erklärte Stefan Kaufmann. Ein weiterer Schritt wäre dann Ordnungskräfte hinzuzurufen und sich selbst zurückzuziehen.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare