Kontrollen durch Polizei

Maskenpflicht in Bahn und Bus: Mehr als 34.000 Verstöße und 900 Anzeigen in anderthalb Monaten

  • Lisa Schönhaar
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Trotz schnellerer Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg nehmen die Verstöße gegen die Maskenpflicht in Bahnen und Bussen zu: In nur anderthalb Monaten wurden 34.400 gemeldet.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) schränkt das Leben in nahezu allen Bereichen ein und hat einen gravierenden Einfluss auf den Alltag der Bürger im Land. Um die Gefahr einer Verbreitung von Covid-19 zu minimieren, traten zu Beginn der Corona-Pandemie zahlreiche Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus* in Kraft - darunter auch die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr*.

Als Reaktion auf die sinkenden Infektionszahlen im Frühsommer setzte die Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann* zahlreiche Lockerungen der Einschränkungen durch. Die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung in Bahnen und Bussen gilt jedoch noch immer. Obwohl die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* derzeit wieder rapide ansteigt, werden immer mehr Verstöße durch Maskenverweigerer gemeldet.

Seit dem 31. August hat die Polizei wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg 39 Schwerpunktkontrollen im öffentlichen Nahverkehr durchgeführt, um die Einhaltung der Maskenpflicht zu überprüfen. Dabei seien mehr als 2.800 Polizeibeamte im Einsatz gewesen, wie aus einem Bericht des Innenministers Thomas Strobl von Mitte Oktober hervorgeht. Im Zuge der Kontrollen, die ein Zeitfenster von etwa anderthalb Monaten umfassten, seien 34.400 Verstöße gegen die Maskenpflicht festgestellt worden, von denen man 912 Verstöße zur Anzeige gebracht habe, so der Bericht.

Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich schneller - trotzdem viele Verstöße gegen Maskenpflicht

Erst kürzlich gab der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) bekannt, mit Maskenverweigerern künftig kurzen Prozess* zu machen - als einer der ersten Verkehrsbetriebe in Deutschland. Der KVV hat die Maskenpflicht in seine Beförderungsbedingungen aufgenommen und kann Maskenmuffel ab dem 23. Oktober ohne das Hinzuziehen der Polizei aus Bahnen und Bussen verweisen. Auch Bußgelder kann der Verbund dann eigenmächtig verhängen: Wer ohne Mund-Nase-Bedeckung angetroffen wird, muss dann mit einer Vertragsstrafe von bis zu 100 Euro rechnen.

„Die Lage ist ernst, sehr ernst sogar“, schreibt Minister Thomas Strobl in seinem Bericht. „Die Corona-Pandemie ist die schwerste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs, sie stellt alle Teile der Gesellschaft vor größte Herausforderungen.“ Den meisten Menschen im Land sei der Ernst der Lage offenbar bewusst und sie handelten verantwortungsvoll gegenüber ihren Mitmenschen. Der Maskenpflicht wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sei die Mehrheit der Fahrgäste nachgekommen, wenn auch viele Menschen an Bahn- und Bushaltestellen daran erinnert hätten werden müssen.

Doch die Polizei habe es auch mit renitenten Maskenverweigerern zu tun gehabt, heißt es in dem Bericht. „Diese Fälle wurden konsequent angezeigt“, so Strobl. Vereinzelt hätten die Beamten auch unmittelbaren Zwang anwenden müssen. „Beispielsweise musste im Präsidiumsbereich Ravensburg eine Person aus einem Linienbus getragen werden, die sich vehement weigerte, eine Mund-Nasen-Bedeckung ordnungsgemäß zu tragen und den ausgesprochenen Platzverweis mehrfach missachtete“, schreibt der Minister. Insgesamt habe es zudem 42 Beleidigungsdelikte gegenüber Polizeibeamten gegeben.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Zahl der Neuinfektionen nimmt rasant zu, Auflagen im Land verschärft

Schon Mitte September führten Polizei, städtisches Ordnungsamt und der KVV eine Kontrolle zur Einhaltung der Maskenpflicht in Bahnen in Karlsruhe durch. Bei ihrer Jagd auf Maskenverweigerer in Bahnen und Bussen in Karlsruhe wurden innerhalb von sechs Stunden fast 700 Verstöße* festgestellt.

Aktuell steigt die Zahl der Neuinfektionen im gesamten Land wieder massiv an. Auch die Landeshauptstadt Stuttgart* ist stark betroffen. Am heutigen Dienstag liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 80,65 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von einer Woche - Stuttgart hat deshalb bereits strengere Corona-Regeln durchgesetzt*. 

Am vergangenen Montag hat die Landesregierung die dritte Pandemiestufe ausgerufen*, durch die im gesamten Bundesland schärfere Beschränkungen in Kraft getreten sind. Laut neuer Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg gilt die Maskenpflicht seit Montag in allen Fußgängerzonen, auf Marktplätzen und an öffentlichen Einrichtungen - auch Schüler ab der 5. Klasse müssen nun im Unterricht eine Maske tragen. Zudem ist das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung überall dort Pflicht, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow

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