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Expertin nimmt Luca-App mit Kritik auseinander: „Hat keine Wirkung mehr“

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Von: Valentin Betz

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QR-Code in der Luca-App auf dem Handy beim Einchecken
Die Luca-App hatte von Beginn an viele Kritiker. Eine Entwicklerin betrachtet die Wirkung der Anwendung als verflogen an. © Thomas Frey/dpa

Die Luca-App sollte die Kontaktverfolgung in der Corona-Pandemie erleichtern. Stattdessen zog sie viel Kritik auf sich - wie aktuell von einer Entwicklerin.

Stuttgart - Gerade zu Beginn der Pandemie war die Kontaktverfolgung ein geflügeltes Stichwort, um auch das Coronavirus in Baden-Württemberg möglichst einzudämmen. Dazu wurden schnell auch digitale Lösungen entwickelt, so zum Beispiel die Corona-Warn-App. Ein Berliner Start-up brachte zudem die Luca-App heraus, die Kontaktverfolgung nach Besuchen in Läden, Restaurants oder Veranstaltungen ermöglichen sollte.

Für die Entwicklung warb unter anderem der Rapper Smudo von den Fantastischen Vier aus Stuttgart. Die Anwendung hatte aber einen überaus holprigen Start, von Beginn an war die Luca-App in Baden-Württemberg umstritten. Ein Problem waren unter anderem Sicherheitslücken. Eine Entwicklerin hat im Rahmen eines Vortrags auf dem Chaos-Computer-Club-Kongress RC3 weiter Kritik an der Luca-App geübt. Die Sicherheitslücken waren dabei nur ein Teilaspekt.

Kritik an Luca-App: Anwendung hat Sicherheitslücken - und kaum noch Nutzen in der Corona-Pandemie

Auf die Sicherheitslücken der Anwendung machten dabei nicht nur Experten aufmerksam. Auch medial wurden die Probleme der App ausgeschlachtet. Satiriker Jan Böhmermann trickste die Luca-App aus und bekam dafür Kritik aus Baden-Württemberg. Entwicklerin und Expertin Bianca Kastl hatte schon früh eine Sicherheitslücke im QR-Code-System der Luca-App ausgemacht. „Luca war einfach nicht der Weisheit letzter Schluss. Das wurde schon im März 2021 fachlich festgestellt“, erklärte sie laut Stern.

Das eigentliche Problem mit der Luca-App sieht die Entwicklerin aber in einem ganz anderen Bereich. „Ich wüsste jetzt nicht, was die noch für einen Nutzen haben soll“, so Kastl. Auf die Frage, ob die App nun tot sei, antwortet sie: „Technologisch ja, in der Wirkung auch.“ Tatsächlich liege das weniger an der Technik, als am Nutzen für die Gesundheitsämter. Diese müssten die Daten extra anfragen, was sie angesichts der aktuell enormen Arbeitslast durch hohe Corona-Infektionszahlen gar nicht leisten könnten.

Alles in allem ergebe dies laut Entwicklerin Bianca Kastl eine Gemengelage, „dass man sagen kann: Sie hat keine Wirkung mehr.“ Der Nutzen der Luca-App könnte durch die rasche Verbreitung der Omikron-Variante sogar noch weiter zurückgehen.

Luca-App: Anwendung hat laut Expertin großen Vorteil für Gesundheitsämter verspielt

Dabei hatte die Luca-App gegenüber der Corona-Warn-App vor allem für Gesundheitsämter zunächst einen entscheidenden Vorteil. Während letztere Kontakte ganz ohne die Beteiligung von Behörden verfolgt, überlässt Luca zumindest scheinbar den Gesundheitsämtern die Kontrolle über die Daten - was bei diesen besser ankam.

Entscheidend für das letztliche Scheitern der Luca-App sei aber, dass Software-Entwickler und Corona-Experten aneinander vorbei arbeiteten. Während Entwickler oft die fachliche Dimension nicht verstünden, hätten Corona-Experten eben oft kein ausreichendes Wissen über die Digitalisierung. Bianca Kastl wünscht sich laut Stern deshalb, dass beide Seiten besser kooperierten und dabei stärker an den Nutzer denken. „Luca wurde an der Realität vorbei entwickelt“, lautet deshalb ihr Fazit „Wir haben schon zu Anfang der Pandemie gesagt, dass wir das kaum nutzen werden. Man hat uns das nicht geglaubt, sondern erst einmal ein paar Millionen ausgegeben“, so Kastl.

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