Coronavirus in Baden-Württemberg

Corona-Zahlen schießen in die Höhe: Diese Regionen nehmen jetzt Lockerungen zurück

Geschlossene Geschäfte sind in der Einkaufsmeile Königstraße zu sehen.
+
In einigen Regionen in Baden-Württemberg müssen Läden wieder schließen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
    schließen

Nachdem in ganz Baden-Württemberg vergangene Woche der Corona-Lockdown gelockert wurde, müssen nun viele Landkreise wieder verschärfte Regeln in Kauf nehmen: In vielen Regionen ist der Inzidenzwert drastisch angestiegen.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt für jede Menge Durcheinander. Die Lockerungen zum 8. März ermöglichten es vielen Einzelhändlern und Museen, ihre Türen wieder für die Menschen zu öffnen. Auch Zoos in Baden-Württemberg durften nach langer Zeit wieder Besucher empfangen. Die Lockerungen im Ländle haben nun aber womöglich auch zu steigenden Inzidenzen geführt.

Das bedeutet, dass in vielen Regionen wieder ein Schritt zurückgegangen werden muss. In welchen Städten und Landkreisen die Lockdown-Lockerungen zurückgenommen werden, erklären wir in diesem Artikel. Alle Werte entsprechen dem Stand vom 15. März, 11 Uhr, wie sie das Land Baden-Württemberg auf seiner Internetseite angibt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Was passiert ab einem Inzidenzwert von 100?

Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) breitet sich das Coronavirus in Baden-Württemberg immer weiter aus: So liegt der Inzidenzwert am heutigen Montag im ganzen Bundesland bei 76,3, in der Landeshauptstadt Stuttgart liegt der Wert bei 71,6. Experten sagen für Stuttgart sogar eine Inzidenz von 200 voraus. Einzelne Lockerungen müssen laut der aktuellen Corona-Verordnung des Landes wieder zurückgenommen werden, wenn an drei Tagen in Folge die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Stadt oder einem Kreis bei über 100 liegt. Statt mit fünf Personen aus zwei Haushalten darf man sich hier dann wieder nur mit einer weiteren Person aus einem fremden Haushalt treffen. Kinder unter 14 Jahren zählen weiterhin nicht dazu.

Auch der Einzelhandel ist von den dann wieder verschärften Regeln wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg betroffen: Statt "Click & Meet" dürfen die Geschäfte dann nur noch "Click & Collect" anbieten. Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten sowie Gedenkstätten werden für den Publikumsverkehr wieder geschlossen. Sportanlagen für den Amateur- und individuellen Freizeitsport werden ebenfalls geschlossen. Friseursalons dürfen jedoch weiterhin geöffnet bleiben. Beim Öffnungschaos in Baden-Württemberg kann durchaus auch die Warn-App Nina helfen: Die App zeigt die aktuelle Corona-Lage je nach Stadt an.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Diese Kreise haben die Inzidenz von 100 überschritten

Wegen steigender Inzidenzen des Coronavirus in Baden-Württemberg müssen die ersten Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg Corona-Lockerungen wieder zurücknehmen. Dazu zählt der Kreis Schwäbisch Hall. Dieser ist mit einer Inzidenz von 217,0 (Stand 14. März) besonders betroffen und weist mit Abstand den höchsten Wert in Baden-Württemberg auf. Kein anderer Landkreis im Land liegt derzeit bei einem Inzidenzwert von über 200. Der hohe Wert des Landkreises lässt sich auf die Stadt Crailsheim zurückführen: Diese hat sich zu einem bundesweiten Hotspot entwickelt. Nach Informationen des SWR gab es in Crailsheim am Freitag Corona-Ausbrüche in verschiedenen Betrieben, was die Inzidenz auf 500,1 anhob. Auf der Internetseite der Stadt wird am heutigen Montag ein Wert von 425,4 angegeben. Die Stadt Crailsheim machte erst vor kurzem auch auf sich aufmerksam, als dort ein Hund bei einem Autounfall im Kühlergrill stecken blieb.

Neben dem Landkreis Schwäbisch Hall sind in zehn weiteren Stadt- und Landkreisen die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg zu spüren und es drohen Rücknahmen der Lockerungen. Der Landkreis Rastatt hat einen Inzidenzwert von 131,8 erreicht, der Alb-Donau-Kreis liegt bei 109,1, der Landkreis Emmendingen bei 104,6, der Landkreis Esslingen weist einen Inzidenzwert von 107,7 auf. Der Landkreis Freudenstadt zählte vergangene Woche noch zu einem der Kreise, in denen der Inzidenzwert besonders niedrig war. Deswegen öffneten die Geschäfte in Freudenstadt und Tübingen wieder komplett. Diese Woche liegt der Wert hier bei 116,7. Im Landkreis Göppingen liegt der Wert bei 115,8, im Hohenlohekreis bei 106,5 und im Landkreis Sigmaringen bei 110,1. Die Stadtkreise Karlsruhe und Mannheim weisen jeweils einen Inzidenzwert von 103,8 beziehungsweise von 109,1 auf. Im Landkreis Freudenstadt will man die Geschäfte vorerst nicht schließen

Trotz Coronavirus in Baden-Württemberg: Freudenstadt will weiter Läden offen halten

Dem SWR sagte Freudenstadts Landrat Michael Rückert (CDU), dass man die Geschäfte trotz erhöhtem Inzidenzwert bis mindestens Dienstag, 16. März, geöffnet lassen werde. Mehr als die Hälfte der registrierten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg, seien im Landkreis Freudenstadt auf einen Ausbruch in einem Kindergarten in Horb zurückzuführen. Daher sei dies eine machbare Entscheidung, so Rückert. Die Infizierten seien isoliert und deren Kontaktpersonen befänden sich in Quarantäne. Ohne dieses Cluster bewege sich die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Freudenstadt weiter unter 50. Das erlaubt die weitere Öffnung der Geschäfte, begründet Landrat Rückert seine Entscheidung.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Diese Kreise liegen bei einer Inzidenz von unter 50

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat aktuell für einen Inzidenzwert von unter 50 in acht Stadt- und Landkreisen gesorgt. Der Enzkreis liegt bei einem Wert von 48,6, im Landkreis Heidenheim ist die Inzidenz bei 43,7, im Neckar-Odenwald-Kreis bei 45,3, im Rems-Murr-Kreis bei 47,5 und im Zollernalbkreis bei 40,7.

Boris Palmer, Bürgermeister von Tübingen, hatte vergangene Woche das Einkaufen in Tübingen für Auswärtige mit einem negativen Coronatest ermöglicht. Der Landkreis Tübingen galt lange als einer mit einer Inzident von unter 35. Nun liegt der Kreis jedoch wieder bei 41,1. Auch die Stadtkreise Freiburg im Breisgau (43,3) und Heidelberg (44,0) liegen nur knapp unter einem Wert von 50.

Im Rems-Murr-Kreis hatte das Landratsamt zum Start der Ladenöffnungen am vergangenen Montag Kontrolleure in fast jede Gemeinde geschickt, um sicherzugehen, dass die geltenden Hygienemaßnahmen eingehalten werden, berichtet der SWR. Es habe keine Verstöße gegeben, erklärten die Verantwortlichen des Landratsamts. Dennoch könne man nicht ausschließen, dass es zu erneuten Schließungen kommen wird. Im Februar gab es bei der Firma Kärcher einen massiven Corona-Ausbruch, welcher den Inzidenzwert des Kreises in die Höhe trieb.

Inzidenzwerte des Coronavirus in Baden-Württemberg steigen: Schließungen im Landkreis Heilbronn und im Ostalbkreis

In mehreren Regionen wurden die Inzidenzwerte des Coronavirus in Baden-Württemberg an drei Tagen in Folge überschritten. So wurde im Landkreis Heilbronn die Sieben-Tages-Inzidenz im Landkreis Heilbronn den Wert 50 bis zum Samstag überschritten. Bereits im September fürchtete man, dass Heilbronn den kritischen Corona-Wert jeden Moment reißen könnte. Daher werden nun erst kürzlich eingeführte Lockerungen wieder aufgehoben, teilte das Landratsamt dem SWR mit. Wie Echo24* berichtet, ist die Inzidenz gestiegen und die Lockerungen in Heilbronn sind Geschichte. Aktuell liegt die Inzidenz im Landkreis Heilbronn bei 60,8. Ab Dienstag treten hier neue Beschränkungen in Kraft: Dann darf der Einzelhandel nur nach vorheriger Terminabsprache öffnen, für Museen, Galerien, Gedenkstätten, zoologische und botanische Gärten müssen vorab Termine gebucht werden. Darüber hinaus müssen die Kontaktdaten aller Besucher dokumentiert werden.

Auch im Ostalbkreis lag die Sieben-Tage-Inzidenz des Coronavirus in Baden-Württemberg am Freitag zum dritten Mal über dem Wert 50. "Wir haben das Infektionsgeschehen sehr detailliert analysiert und müssen nun, weil eindeutig eine diffuse Verbreitung der Coronafälle quer durch den Ostalbkreis vorliegt, die Überschreitung der Inzidenz amtlich bestätigen", so Landrat Joachim Bläse (CDU) dem SWR. Damit gelten seit Montag wieder Beschränkungen. Insbesondere muss der Einzelhandel schließen. Sollte das Gesundheitsamt im Rahmen einer regelmäßigen Prüfung feststellen, dass an fünf Tagen in Folge die Sieben-Tage-Inzidenz im Ostalbkreis wieder unter 50 liege, kämen Erleichterungen zum Tragen, so Bläse weiter. Er bedauere den Schritt, da es bewusst sei, dass "insbesondere der Einzelhandel kein Infektionstreiber ist." Im Juli vergangenen Jahres hatte sich der Inzidenzwert im Ostalbkreis vervierfacht, nachdem sich bei einer Trauerfeier in Schwäbisch Gmünd mehrere Menschen mit dem Coronavirus infiziert hatten.

*Echo24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare