Weihnachtseinkauf im Lockdown

Angst vor den Deutschen: Schweiz wappnet sich gegen Einkaufstouristen

Mehrere Autos fahren in Konstanz (Baden-Württemberg) zum Grenzübergang, der nach Kreuzlingen in der Schweiz führt.
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Von Konstanz nach Kreuzlingen sind es nur wenige Schritte - dort haben die Läden noch geöffnet.
  • Julian Baumann
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Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg sind seit Mittwoch, dem 16. Dezember, nahezu alle Geschäfte geschlossen. Das könnte nun zu massivem Einkaufstourismus in der Schweiz führen.

Konstanz - Seit Mittwoch, dem 16. Dezember, befindet sich das ganze Land aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg in einem harten Lockdown. Es ist bereits der zweite Shutdown in diesem Jahr. Im Gegensatz zum Frühjahr kommen die drastischen Einschränkungen im Handel nun jedoch mitten im Weihnachtsrummel. Beim ersten Lockdown kam es auch an der Grenze zwischen der Schweiz und Baden-Württemberg zu Grenzschließungen. Diese Maßnahme wurde Ende Juni aufgehoben, was die Schweizer wieder in Shoppinglaune brachte.

Der zweite Lockdown soll die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg nun eindämmen. Dieses Mal sind die Maßnahmen in Deutschland jedoch deutlich strenger als im Nachbarland. Die Schweiz wappnet sich bereits gegen deutsche Einkaufstouristen, wie watson.ch berichtet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Weihnachtseinkauf in der Schweiz?

Normalerweise kommen viele Schweizer zum Einkaufen in grenznahe Städte wie Konstanz oder Friedrichshafen (Bodenseekreis). In diesem Jahr könnte sich die Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg und des Lockdowns jedoch umdrehen. Seit Mittwoch können die Bürger im Südwesten ihre Weihnachtseinkäufe nur noch online tätigen. Discounter wie Lidl und Co. befürchten bereits erneute Hamsterkäufe und eine Verlagerung des Weihnachtstummels in ihre Filialen. In der Schweiz sind die Geschäfte und Läden bislang jedoch noch geöffnet.

Für die Städte an der Grenze zu Baden-Württemberg ist die erwartete Shoppingwelle aus Deutschland ein „zweischneidiges Schwert“, wie Thomas Niederberger, Stadtpräsident von Kreuzlingen gegenüber watson.ch sagte. Die Stadt Kreuzlingen liegt nicht nur unmittelbar an der Grenze, sondern teilt sich sogar urbanen Raum mit Konstanz.

Auf der einen Seite freue sich der Handel und das lokale Gewerbe über zusätzliche Kundschaft aus Deutschland, andererseits gelte es derzeit, die Kontakte aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg und der Schweiz einzuschränken.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Schweizer Händler bereiten sich vor

Laut watson.ch dürfte das Ziel der deutschen Kunden, die wegen des Coronavirus nicht mehr in den eigenen Städten einkaufen können, etwa das Einkaufszentrum Karussell in Kreuzlingen sein. Neben dem Hauptmieter Coop, einem der größten Detailhandels- und Großhandelsunternehmen der Schweiz, sind dort auch Esprit, H&M oder Ochsner Sport mit Filialen vertreten.

Die Schweizer kommen normalerweise zum Einkaufen nach Deutschland, weil die Preise hier deutlich niedriger sind und die Kunden auch die Mehrwertsteuer an der Grenze zurückbekommen. Um ihre Weihnachtsgeschäfte im Nachbarland zu tätigen, müssten Bürger aus Baden-Württemberg demnach höhere Preise in Kauf nehmen.

Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg haben Restaurants bereits seit einigen Wochen geschlossen. Wegen der höheren Preise habe es jedoch keinen Andrang der Deutschen auf die Gastro-Betriebe in der Schweiz gegeben. „Es hat auch im Grenzgebiet keinen Ansturm auf die Schweizer Beizen gegeben“, sagte Ruedi Bartel, Präsident von Gastro Thurgau gegenüber watson.ch. Und wenn, hätten die Gäste aus Deutschland aufgrund der Preise eher Mineralwasser statt Wein bestellt. Die Läden in der Schweiz würden in den kommenden Tagen aufgrund des Weihnachtsgeschäfts jedoch eher überrannt werden als Restaurants, sagte Bartel.

Trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg und dem Lockdown in Deutschland sehen die Behörden an der Schweizer Grenze den kommenden Tagen gelassen entgegen. Der Thurgauer Gesundheitsdirektor Urs Martin (SVP) rechnet in grenznahen Städten wie Kreuzlingen mit einem „leicht erhöhten Besucherstrom aus Deutschland“, wie watson.ch berichtet. Angesichts der aktuellen Lage seien große Reisetätigkeiten jedoch nicht zu begrüßen.

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