Grundimmunität bis Sommer möglich

„Irrationale Ängste“: Kretschmann fordert Bürger zu Corona-Impfung auf

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht während der Sondersitzung des Landtags von Baden-Württemberg zu den Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern.
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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann plädiert fürs Impfen.
  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
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Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen weiter an. Der Impfstoff ist ein Hoffnungsschimmer. Ministerpräsident Winfried Kretschmann macht nun deutliche Ansagen.

Stuttgart - Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* kennen weiterhin nur eine Richtung: nach oben. In dem Bundesland liegt die 7-Tage-Inzidenz, die angibt, wie viele Einwohner gerechnet auf 100.000 sich in den vergangenen sieben Tagen infiziert haben, inzwischen bei 160. Am Mittwoch sind weitere 4.044 Fälle in Baden-Württemberg hinzugekommen. In der Landeshauptstadt Stuttgart* liegt die Inzidenz derzeit bei 129,1.

Der Teil-Lockdown mit radikalen Maßnahmen ab November sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Zahlen sinken. Bisher tun sie das allerdings nicht. Nun könnte sogar noch vor Weihnachten ein harter Lockdown drohen. Für eine solche Maßnahme haben sich mehrere Wissenschaftler und Mediziner bereits ausgesprochen. Die Situationen in den Krankenhäusern wird zunehmend bedrohlicher. Das Pflegepersonal gerät an seine Grenzen. Die Kapazitäten werden knapp. Die Händler schlagen angesichts eines harten Lockdowns allerdings schon Alarm: Es gehe ums Überleben.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Impfung gegen das Virus soll Lage normalisieren

Die aktuelle Lage zum Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es in unserem Corona-Ticker.

Eine Entspannung der Situation ist bisher nicht in Sicht. Eine große Hoffnung ruht nun allerdings auf dem Impfstoff gegen das Coronavirus. Ab Ende Dezember soll mit den Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg begonnen werden. Es wurde bereits ein Plan veröffentlicht, wie die Menschen gegen Corona geimpft werden sollen*.

In Impfzentren in den Messen Freiburg, Ulm, Offenburg und Karlsruhe sowie am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart sollen jeweils täglich rund 1.500 Menschen geimpft werden können. Auch mobile Impfteams sollen zusätzlich zum Einsatz kommen. In Baden-Württemberg stehen nach Angaben der Deutschen Presseagentur Anfangs rund 600.000 Dosen des Impfstoffs von Pfizer und Biontech zur Verfügung. Dieser geht zunächst vor allem an Ältere und Hochrisikiogruppen.

Eine schnelle Rettung bringe der Corona-Impfstoff dennoch nicht*, warnte kürzlich ein Freiburger Virologe. Es kann noch eine ganze Weile dauern, bis in der Bevölkerung eine Grundimmunität. Ein schnelles Ende der Lockdowns sei daher ebenfalls nicht zu erwarten, dämpfte der Medizinier die Hoffnungen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann ruft zum Impfen auf

Ministerpräsident Winfried Kretschmann* spricht dennoch schon einmal Klartext: Die Menschen sollen sich impfen lassen. „Ich werbe sehr dafür und rufe dazu auf. Nur wenn sich genügend Bürger impfen lassen, bekommen wir eine Herdenimmunität“, sagte Kretschmann nun in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung. Rund 70 Prozent der Bürger müssten sich impfen lassen.

Ganz einfach dürfte das allerdings nicht werden, denn die Skepsis in Bezug auf die Impfung gegen das Coronavirus ist bei vielen Menschen derzeit groß. Erst kürzlich zeigte eine Umfrage: Jeder vierte Baden-Württemberger will sich nicht gegen Corona impfen lassen*. Vor allem aus Angst vor Nebenwirkungen und Langzeitfolgen.

Was die Art des Impfstoffs angeht, bestehen „irrationale Ängste“, sagt Winfried Kretschmann im Interview weiter. Die Impfstoffe könnten das Erbgut definitiv nicht verändern, erklärt er. „Ich halte da jede Angst vor unbegründet.“ Impfstoffe könnten natürlich Nebenwirkungen haben, die seien aber „sehr selten“, so Kretschmann und zieht den Vergleich zu Beipackzetteln von anderen Medikamenten. Gesundheitsminister Manfred Lucha habe zudem betont: Kein Medikament wird so gut geprüft wie ein Impfstoff.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Bis zum Sommer könnte Großteil geimpft sein

Ministerpräsident Winfried Kretschmann bezeichnet sich selbst als „ausgesprochenen Impfbefürworter“. „Zum Beispiel habe ich mich gegen Grippe impfen lassen, auch gegen Pneumokokken. Das Impfen ist eine wunderbare Erfindung der Menschheit“, so Kretschmann im Interview.

Der Ministerpräsident glaubt zudem, dass bis zum Sommer genug Bürger gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft sein könnten, um wieder ein Stück weit Normalität einkehren lassen zu können. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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