„Verantwortungslos“

Coronavirus: Winfried Kretschmann will jedem 3.000 Euro zahlen, der jetzt ein Auto kauft - und erntet heftige Kritik

  • Lisa Schönhaar
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Angesichts der Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg fordert Ministerpräsident Winfried Kretschmann eine Autokauf-Prämie. Von den Grünen erntet er dafür starke Kritik.

  • Die Automobilwirtschaft leidet unter den Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg.
  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann fordert deshalb eine Autokauf-Prämie von bis zu 4.000 Euro für die Anschaffung von Neu- und Jahreswagen.
  • Von den Grünen wird er dafür heftig kritisiert - eine staatliche Förderung von Verbrennern zu fordern sei verantwortungslos.

Stuttgart - Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, erntet von seiner Partei derzeit deutliche Kritik. Wegen der Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg für die Automobilwirtschaft, sprach sich Kretschmann für eine Autokauf-Prämie aus.

Innerhalb seiner Partei stößt Winfried Kretschmanns Forderung nach einer Prämie für den Kauf eines neuen Autos auf Ablehnung. Die Gründe Jugend im Südwesten bezeichnete den Vorstoß des Ministerpräsidenten nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) als verantwortungslos. Kretschmann hingegen verweist auf die Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg für die Wirtschaft des Landes und verteidigt sich. In Stuttgart sagte er, dass er solchen Maßnahmen zwar skeptisch gegenüber stehe, wir uns aber durch die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg in einer schweren Krise befänden. „Die Automobilwirtschaft spielt da eine große Rolle“, sagte Kretschmann.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann steht wegen seiner Forderung nach einer Autokauf-Prämie in der Kritik.

Laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann handelt es sich dabei um eine Schlüsselbranche mit vielen Zulieferern. Um diese vor den negativen Konsequenzen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg zu schützen, sei „die Einführung einer schnellen, niederschwelligen, zeitlich begrenzten Innovationsprämie für die Anschaffung von Neu- und Jahreswagen unserer Ansicht nach angesagt“, so Kretschmann.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Automobilbranche leidet unter den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie

Gemeinsam mit den Ländern Niedersachsen und Bayern hatte Baden-Württemberg aufgrund der Corona-Krise am Montag 3.000 Euro Kauf-Prämie für moderne Benziner und Dieselautos ab Schadstoffklasse 6d-Temp gefordert. 4.000 Euro Zuschuss zusätzlich soll es für Plug-in-Hybride, Elektro- und Wasserstoffautos geben. Damit soll der durch das Coronavirus in Baden-Württemberg angeschlagenen Automobilwirtschaft geholfen werden. Für Daimler beispielsweise gab es Ende April bereits eine Schockvorhersage - das Coronavirus trifft den Konzern mit voller Wucht: Der Gewinn der Daimler AG vor Zinsen und Steuern ist im ersten Quartal 2020 um fast 78 Prozent eingebrochen.

Winfried Kretschmann verteidigte die Forderung angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg. Die Prämien seien immerhin gestaffelt, sagte Kretschmann. Für den Kauf eines klimafreundlichen oder gar emissionsfreien Autos bekomme man mehr Geld als für einen Verbrenner. Ein Blick auf die Flotten, die bundesweit durchschnittlich zehn Jahre alt seien, lohne sich ebenfalls. Würden sie mit modernen Autos ausgetauscht, könne man beträchtliche Mengen CO2 einsparen. „Das heißt, dass diese Förderung ökologisch vertretbar ist“, sagte der Ministerpräsident.

Den Autoherstellern am Wirtschaftsstandort Stuttgart dürfte die geforderte Prämie zur Abmilderung der wirtschaftlichen Folgen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg gelegen kommen. Der Sportwagenhersteller Porsche aus Stuttgart-Zuffenhausen hatte sich bereits mit einer drastischen Forderung an die Politik gewandt: Porsche hat aufgrund des Coronavirus sogenannte Corona-Bonds für besonders betroffene Staaten in Europa gefordert - obwohl der Konzern im Vergleich eigentlich gut da steht.

Coronavirus in Baden-Württemberg hat fatale Folgen für die Wirtschaft

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft. Dennoch halten die Grünen eine Autokauf-Prämie für den falschen weg. Die Grüne Jugend im Südwesten kritisiert die Forderung von Winfried Kretschmann deshalb heftig. „Wir erwarten von unserem grünen Ministerpräsidenten, dass er einer Kaufprämie für klimaverpestende Verbrennungsmotoren eine klare Absage erteilt“, sagten die Sprecher laut Angaben der dpa. Dass Kretschmann stattdessen sogar vorpresche und die staatliche Förderung dieser Technologie von vorgestern fordere, sei verantwortungslos.

Grüne im Bundestag stellten sich ebenfalls gegen Kretschmann. Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte laut dpa, sie sei anderer Auffassung als der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Am vergangenen Samstag hatten die Grünen auf einem Parteitag „ökologische Kaufanreize“ gefordert. Die Förderung von Verbrennungsmototen hat die Partei trotz wirtschaftlicher Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg per Beschluss für “klimapolitisch und industriepolitisch kontraproduktiv“ erklärt. Die Klimabewegung Fridays for Future äußerte sich auf Twitter ebenfalls kritisch zur Forderung Kretschmanns nach einer Prämie für den Kauf von Neu- und Jahreswagen mit Verbrennungsmotor.

Auch der Technologiekonzern Bosch stellt sich wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg auf ein schwieriges laufendes Jahr ein. Dennoch kämpft der Konzern mit einigen Strategien gegen die Coronavirus-Pandemie und produziert selbst Schutzmasken und Covid-19-Schnelltests.

Rubriklistenbild: ©  Sebastian Kahnert/dpa

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