Coronavirus in Baden-Württemberg

Wegen 2G: Händler von Impfgegnern attackiert - „werden als Nazis beschimpft“

Zettel an einem Schaufenster verweist auf 2G-Regel im Einzelhandel.
+
Im Kreis Emmendingen setzte der Inhaber eines Schuhgeschäfts mit einer deutlichen Botschaft die 2G-Regel durch. Dafür bekam er einen Shitstorm. (Symbolbild)
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
    schließen

Im Kreis Emmendingen haben zwei Geschäftsinhaber ihre Wut über Impfgegner geäußert. Im Netz ergießt sich seitdem ein Shitstorm über sie.

Emmendingen - In der Vielzahl an Meinungen zum Coronavirus in Baden-Württemberg Ausgeglichenheit zu finden, ist nicht einfach. Insbesondere die Schutzmaßnahmen und die Impfung spalten die Bevölkerung weit über den Südwesten hinaus. Zum unrühmlichen Trend seit Beginn der Corona-Pandemie gehören dabei auch Faschismusvergleiche in sämtlichen Varianten.

Querdenker und Impfgegner stilisieren sich damit wahlweise als Opfer oder Helden, Befürworter von Corona-Maßnahmen und Impfungen sind in ihren Augen schnell „Nazis“. Das wohl bekannteste Beispiel aus Baden-Württemberg ist die 11-Jährige, die sich auf einer Corona-Demo mit Anne Frank verglich. Auch Politiker werden mit ihren Aussagen zur Zielscheibe für Kritiker. Das bekam unter anderem der Oberbürgermeister von Tübingen während des dortigen Modellprojekts zu spüren. Facebook-Nutzer verglichen das von Boris Palmer erdachte Tages-Ticket mit Judensternen.

Nicht nur Boris Palmer wehrt sich allerdings gegen Kritiker und derlei Vergleiche. Wie die Badische Zeitung (BZ) berichtet, ärgerten sich unlängst zwei Geschäftsinhaber aus dem Kreis Emmendingen öffentlich über Impfgegner. Seitdem sind sie zur Zielscheibe eines Shitstorms inklusive Nazivergleichen geworden.

Händler kritisiert Impfgegner - und erntet einen Shitstorm

Michael Vogels hatte am 17. November ein Schild ins Schaufenster seines Schuhgeschäfts gehängt. Darauf zu lesen: „Impfverweigerer haben wir zu verdanken, dass wir sie ab heute nach ihrem Impfstatus und Genesen fragen müssen!“, heißt es darauf in Großbuchstaben. „Ich bedaure dies sehr und erteile zum Schutz meiner Mitarbeiter ein Verbot für Ungeimpfte!“

Seitdem rufen Querdenker und Impfgegner regelmäßig im Geschäft an. „Wir werden als Nazis und Faschisten beschimpft“, so Michael Vogels zur BZ. Auch im Internet wird der Shitstorm gegen ihn geführt. Bei Google werden die Öffnungszeiten seines Schuhgeschäfts mit 19.33 bis 19.45 Uhr angegeben - ebenfalls eine Anspielung an den Nationalsozialismus. Instagram-Posts von ihm werden mit dem Hashtag #1933 versehen. Seine Wortwahl bereut Michael Vogel inzwischen, den Inhalt aber nicht. „Ich setze nur das um, was die Gesetzgeber in Stuttgart mir vorgegeben haben“, sagt er.

Veranstalter sagt Weihnachtsmarkt ab und beschuldigt Impfgegner - auch er bekommt Shitstorm ab

Dabei ist der Geschäftsinhaber mit seinem Unverständnis gegenüber Impfgegnern nicht allein. Schon im Sommer zog ein Wirt aus Stuttgart den Hass von Impfgegnern auf sich, als die Maßnahmen noch weitaus milder waren. Der aktuellen Kritik schloss sich im Kreis Emmendingen auch Philipp Ulmer an, der ebenfalls ein Geschäft betreibt und den Weihnachtsmarkt der Gemeinde Herbolzheim veranstaltet.

Im Zuge von dessen Absage bezeichnete Ulmer Impfgegner als „egoistisch und unsozial“. Das Ergebnis: „Ich habe den Shitstorm meines Lebens kassiert für diese Aussage“, so Philipp Ulmer zur BZ. In Facebook-Kommentaren wurden ihm Hetze, Spaltung und Diskriminierung vorgeworfen. Er erhielt auch private Nachrichten und wurde persönlich angesprochen. Sein Geschäft kassierte auf Google zahlreiche negative Bewertungen.

Beide Geschäftsinhaber berichteten zwar auch von positiven und aufbauenden Reaktionen nach ihrer Impfgegner-Kritik. Besonders Michael Vogt bereitet die Entwicklung aber Kopfzerbrechen. Er sieht darin kein gutes Zeichen für die Demokratie. Trotzdem verteidigte er die Maßnahmen gegen das Coronavirus. „Wir haben hier halt Regeln. Ich kann auch nicht morgens um 10 Uhr zum Edeka fahren, um dort meinen Ölwechsel zu machen“, erklärte er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare