Kritische Lage wegen Covid-19

Kliniken in Baden-Württemberg sollen wegen des Coronavirus keine Patienten aus dem Ausland mehr aufnehmen

Ein an Beatmungsgeräte angeschlossener Coronavirus-Patient aus Frankreich wird ins Bundeswehrkrankenhaus in Ulm transportiert
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Einige Kliniken in Baden-Württemberg haben Coronavirus-Patienten aus Frankreich aufgenommen - wie hier in Ulm
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen steigt auch in Baden-Württemberg weiter an. Kliniken sollen nun keine Patienten aus dem Ausland mehr behandeln.

  • Wegen der steigenden Zahl der Coronavirus-Infektionen in Baden-Württemberg sollen Kliniken keine Patienten aus dem Ausland mehr aufnehmen.
  • In einem Schreiben aus dem Sozialministerium an die Krankenhäuser wird auf die aktuelle Lageeinschätzung zu Covid-19 hingewiesen, die keine weiteren Aufnahmen zulasse.
  • Zuvor hatte die Landesregierung von Baden-Württemberg noch angeboten, schwer an der Lungenkrankheit erkrankte Patienten aus dem Elsass aufzunehmen.

Stuttgart - Trotz Maßnahmen wie Kontaktverbot und Mindestabstand, die zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg beitragen sollen, gibt es immer mehr Infizierte im Bundesland. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg meldete am Mittwoch weitere 1.267 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus.

Damit erhöht sich die Zahl der Infektionsfälle in Baden-Württemberg auf 14.580. Einem offiziellen Schreiben zufolge sollen Kliniken in Bundesland deshalb keine weiteren Patienten aus dem Ausland aufnehmen. Das Schreiben aus dem Sozialministerium an die Kliniken ist auf den 24. März datiert und liegt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Aufnahmestopp in Kliniken für Patienten aus dem Ausland

Darin heißt es: „Aufgrund der dynamischen Lageentwicklung in Baden-Württemberg bitten wir Sie, derzeit von weiteren Aufnahmen aus dem Ausland abzusehen. Die aktuelle Lageeinschätzung lässt derzeit keine weiteren Aufnahmen aus dem Ausland zu. Sollte sich die Lage bei uns wieder entspannen, werden wir erneut auf Sie zukommen.“

Vor allem die Kliniken, in denen schwer erkrankte Menschen behandelt werden, kann ein massiver Zustrom an Patienten schnell an die Belastungsgrenzen bringen. Eine der größten Kliniken in Baden-Württemberg ist das Klinikum Stuttgart, das früh auf das Coronavirus reagiert hat. Die Zahl der Intensivbetten kann dort wegen Covid-19 auf 150 aufgestockt werden. Trotzdem appellierte der Vorstandsvorsitzende des Klinikum Stuttgart, Jan Steffen Jürgensen, an die Bürger, sich an das Coronavirus-Kontaktverbot zu halten. „Die Eindämmung und zeitliche Streckung ist entscheidend, sonst überfordern wir auch die leistungsfähigsten Maximalversorger in Stuttgart“, sagte er im Interview mit der Stadt Stuttgart.

Zwar kommt es meist nur bei älteren und gesundheitlich vorbelasteten Menschen zu schweren Verläufe der Lungenkrankheit. Doch es sind vor allem junge Menschen, die das Coronavirus in Baden-Württemberg übertragen, weil sie sich trotz Kontaktverbot weiter in der Öffentlichkeit bewegen.

Coronavirus: Keine Entwarnung in Baden-Württemberg — Maßnahmen bleiben in Kraft

Mitte März, kurz bevor das Schreiben den Kliniken zuging, hatte Baden-Württemberg noch angeboten, 23 Patienten aus Frankreich zu behandeln. Die Betroffenen aus dem südlichen Elsass galten als schwerkrank. Um die mit dem Coronavirus Infizierten aufnehmen zu können, hatte das Gesundheitsministerium die Kliniken im Südwesten um Meldung gebeten, sollten freie Beatmungsbetten zur Verfügung stehen. Momentan seien im Südwesten rund 2.300 Beatmungsplätze für Covid-19-Patienten verfügbar, wie die dpa berichtet.

Laut aktueller Zahlen der Johns Hopkins University sind in Frankreich mehr als 57.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das an Baden-Württemberg angrenzende Elsass ist besonders stark von der Covid-19-Pandemie betroffen und die Lage wird immer angespannter — die Kliniken in der Region sind überlastet, es fehlt an Beatmungsgeräten und Schutzkleidung für Beschäftigte. Außerdem werden Patienten über 80 nicht mehr beatmet.

Experten gehen nicht von einer baldigen Lockerung des Kontaktverbots im Rahmen des Coronavirus in Baden-Württemberg aus. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte am Mittwoch, es gebe es keinen Grund zur Entwarnung. Über ein Ende der Maßnahmen zu sprechen sei derzeit nicht angebracht. „Die Lage ist unverändert ernst“, wird Kretschmann von der dpa zitiert. In den kommenden Tagen würden sehr viele schwer erkrankte Menschen in den Krankenhäusern in Baden-Württemberg erwartet.

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