Klinikum Ludwigshafen

„Falscher Ansatz“: Klinikchef kritisiert Umgang mit Coronavirus und fordert Rückkehr zum Alltag

Mitarbeiter am Klinikum Ludwigshafen halten Schilder hoch, auf denen sie Bürger bitten, wegen Corona zu Hause zu bleiben
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Ärzte und Pfleger am Klinikum Ludwigshafen bitten Bürger, sich an das Kontaktverbot zu halten
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Hat die Politik in Baden-Württemberg falsch auf das Coronavirus reagiert? Ein Klinikchef kritisiert den Umgang mit Covid-19 und fordert ein Umdenken.

  • Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zeigen Wirkung
  • Dennoch warnen Experten vor einer zweiten Welle an Infektionen in der Covid-19-Pandemie
  • Der Direktor des Klinikums Ludwigshafen kritisiert nun den Umgang mit dem Coronavirus

Ludwigshafen - Innerhalb weniger Wochen hat sich das Coronavirus in Baden-Württemberg ausgebreitet. Mittlerweile ist die Zahl der Neuinfektionen gesunken - die erste Welle der Covid-19-Pandemie scheint überstanden zu sein. Doch Experten und Politiker wie der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, warnen vor einer zweiten Corona-Welle.

Die Landesregierung von Baden-Württemberg will das Kontaktverbot im Rahmen des Coronavirus deshalb nur sehr vorsichtig und schrittweise lockern. Es soll keinen zweiten plötzlichen Anstieg der Covid-19-Infektionen geben. Ein Klinikchef aus dem Südwesten meldete sich nun zu Wort und sagt viel Schlimmeres vorher als eine zweite Corona-Welle.  

Coronavirus in Baden-Württemberg: Klinikchef fordert „Rückkehr zum normalen Leben“

„Jeder redet von der zweiten Corona-Welle. Ich persönlich bin überzeugt davon, dass wir auch eine dritte, vierte oder fünfte Welle erleben werden“, sagte Günter Layer, Ärztlicher Direktor am Klinikum Ludwigshafen, zum SWR. Der Klinikchef fordert jedoch keine erneute Verschärfung des Corona-Kontaktverbots in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Im Gegenteil. Günter Layer befürwortet weitere Lockerungen und eine Rückkehr zum Alltag.

Es könne lange dauern, bis eine Impfung oder Medikamente gegen das Coronavirus entwickelt würden, möglicherweise sogar jahrelang, sagte der Klinikchef zum SWR. „Deshalb brauchen wir beides: Die Rückkehr zum normalen Leben und gleichzeitig müssen wir lernen, mit Covid zu leben.“ Einige der Beschränkungen werden laut Günter Layer wahrscheinlich dauerhaft gelten - in Schulen, Restaurants und anderen Einrichtungen.

Coronavirus: Beschränkungen in Baden-Württemberg könnten dauerhaft gelten

Wie diese Beschränkungen aussehen können, zeigt sich an den derzeitigen Lockerungen in Baden-Württemberg: Wegen des Coronavirus dürfen Geschäfte nur eine begrenzte Anzahl an Kunden gleichzeitig in den Laden lassen. Eisdielen und Cafés dürfen zwar wieder öffnen - aber nur für den Straßenverkauf. Außerdem herrscht in Baden-Württemberg Maskenpflicht wegen des Coronavirus.

Der Chef des Klinikums Ludwigshafen glaubt, dass die Politik Fehler im Umgang mit dem Coronavirus begangen hat. Es ist seiner Ansicht nach falsch, die Covid-19 Pandemie als vorübergehenden Ausnahmezustand zu sehen. „Wir sind in den ersten Wochen mit Corona so umgegangen: Das ist eine Krise und die müssen wir bewältigen. Ich glaube, das ist der falsche Ansatz“, sagte Günter Layer dem SWR. „Wir haben ein neues Krankheitsbild und wir müssen lernen, damit umzugehen.“ Es gehe nicht darum, wer den besten Krisenmodus habe, sondern um langfristige Strategien.

Coronavirus „potenziell gefährlich“: Klinikchef schildert dramatische Fälle in Baden-Württemberg

Harmlos ist das Coronavirus nach Meinung von Günter Layer jedoch nicht. Es sei nicht mit der Grippe vergleichbar, sagte der Ärztliche Direktor des Klinikums Ludwigshafen dem SWR. Das Coronavirus sei potenziell gefährlich und habe einen plötzlichen Verlauf. Der Klinikchef berichtet von Erkrankten, denen es in einem Moment noch gut ging und die Stunden später auf der Intensivstation versorgt werden mussten. Außerdem wird am Klinikum Ludwigshafen ein 39-Jähriger behandelt, der keine Vorerkrankungen hatte und der fast an Covid-19 gestorben wäre.

Auch das Klinikum Stuttgart hat früh auf das Coronavirus reagiert und die Zahl der Intensivbetten aufgestockt. Bis zu 1.500 Intensivplätze könnten im Falle einer erneuten Infektionswelle am Klinikum Stuttgart geschaffen werden, sagte der Vorstandsvorsitzende Jan Steffen Jürgensen.

Ärzte und MItarbeiter am Klinikum Stuttgart nutzen spezielle Corona-Schutzschilde, um sich vor einer Infektion zu schützen. Die Erfindung stammt von einem Start-up aus Reutlingen. Am Universitätsklinikum Heidelberg helfen Hunderte freiwillige Studenten mit einer klugen Idee, den Klinik-Kollaps zu verhindern.

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