Covid-19 bei Kindern

Coronavirus: Studie aus Baden-Württemberg soll Rätsel um Kinder-Infektionen lösen

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
    schließen

Kinder infizieren sich offenbar seltener mit dem Coronavirus oder bemerken die Infektion kaum. Eine Studie aus Baden-Württemberg soll das größte Rätsel um Covid-19 aufklären.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt für einen Ausnahmezustand im Land - das betrifft auch Kitas, Kindergärten und Schulen.
  • Eine Studie aus Baden-Württemberg könnte nun eines der größten Rätsel der Corona-Krise lösen
  • Die Untersuchung unter Leitung des Uniklinikums Heidelberg soll zeigen, ob Kinder immun gegen das Coronavirus sein könnten oder ob sie Covid-19 unbemerkt verbreiten.

Heidelberg - Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind Kitas und Kindergärten nach wie vor geschlossen. Daten zeigen bereits, dass Kinder sich selten mit dem Coronavirus infizieren oder eine Erkrankung mit Covid-19 nahezu unbemerkt verläuft. Unklar ist jedoch, ob Kinder das Coronavirus in Baden-Württemberg dennoch übertragen können - auf Erwachsene und potenziell gefährdete Menschen.

Kinder könnten ein entscheidender Faktor bei der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg sein. Eine Studie unter der Führung des Uniklinikums Heidelberg will nun klären, wie viele Kinder in welchem Alter Covid-19 bekommen und wie viele davon ihre Eltern infizieren. Dafür arbeitet die Uniklinik Heidelberg mit den Unikliniken Freiburg, Tübingen und Ulm zusammen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kinder und ihre Verbindung zu Covid-19 rästelhaft

Die Forscher aus Baden-Württemberg wollen die einzigen zwei Studien zum Coronavirus überprüfen, die bislang auf diesem Gebiet vorliegen: Eine Studie aus Island hatte ergeben, dass Kinder unter zehn Jahren immun gegen das Coronavirus sein könnten. Von 13.000 untersuchten Probanden war kein einziges Kind unter zehn Jahren mit dem Coronavirus infiziert. Eine Studie aus China ergab hingegen, dass Kinder ähnlich häufig an Covid-19 erkranken wie Erwachsene.

Coronavirus: Kinder-Studie aus Baden-Württemberg als Grundlage für Entscheidungen

Coronavirus in Baden-Württemberg: Studie soll klären, welche Rolle Kinder bei der Übertragung spielen - (Kind mit Mundschutz: Archivfoto)

Die gemeinsame Studie der Unikliniken aus Baden-Württemberg zur Untersuchung des Coronavirus bei Kindern startet am heutigen Donnerstag. Beauftragt hatte sie Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer sagte zur Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Bei allen Einschränkungen an persönlichen Freiheiten, die wir der Bevölkerung zumuten müssen, sind Kinder die Hauptbetroffenen“.

Den Kindern nehme man die Kita, die Schule und den Zugang zu ihren Freunden. Ob die Schließungen überhaupt notwendig seien, müsse deshalb wissenschaftlich überprüft werden. Die Studienergebnisse der Unikliniken könnten die Grundlage für Entscheidungen sein, wann und zu welchen Bedingungen Kitas und Grundschulen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg wieder geöffnet werden können.

Daten zum Coronavirus bei Kindern im Alter zwischen einem und zehn Jahren liegen nicht ausreichend vor. Eine Analyse der Infektionszahlen des Gesundheitsamts Stuttgart Anfang April, zeigte lediglich, dass vor allem Menschen mittleren Alters von Covid-19 betroffen sind - nicht Senioren. Die Zahlen zeigten außerdem, dass junge Menschen das Coronavirus und Baden-Württemberg am häufigsten übertragen, was maßgeblich auf ihr Freizeitverhalten zurückzuführen ist.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Teilnehmer für die Heidelberger Studie gesucht

Die Forscher aus Baden-Württemberg wollen herausfinden, wie viele Kinder aktuell mit dem Coronavirus infiziert sind oder eine Infektion womöglich schon hinter sich haben. In Heidelberg sei bislang kein einziges Kind wegen Covid-19 stationär behandelt worden, zitiert die dpa den Chef der Heidelberger Kinderklinik, Georg Hoffmann.

Zusätzlich werde mit je einem Elternteil verglichen, um zu überprüfen, ob Kinder ähnlich häufig mit dem Coronavirus infiziert sind wie Erwachsene oder nicht. Wissenschaftliche Studien spielen für den Umgang mit der Coronavirus-Pandemie eine wesentliche Rolle. Eine weitere wichtige Untersuchung wollen Radiologen aus Stuttgart durchführen: Die Ärzte haben eine Studie zur Untersuchung von Behandlungsmöglichkeiten von Covid-19 beantragt.

Kinder und das Coronavirus: Baden-Württemberg sucht Teilnehmer

Für ihre Studie suchen die Unikliniken noch Teilnehmer. Aus 2.000 Haushalten in Baden-Württemberg soll je ein Elternteil und ein Kind zwischen einem und zehn Jahren auf Covid-19 untersucht werden. Gesucht werden bevorzugt Kinder aus sogenannten Notfallbetreuungen. An der Studie interessierte Familien können sich bei den Kliniken melden. Die Voraussetzung ist, dass sie noch nicht positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Auch eine weitere Studie aus Baden-Württemberg wird von der Bundesregierung für Entscheidungen herangezogen. Eine Untersuchung der Universität Mannheim soll bei der Einschätzung helfen, wie Menschen mit der Krise durch das Coronavirus in Baden-Württemberg umgehen. Die Daten der Mannheimer Corona-Studie zeigten kürzlich, dass immer weniger Menschen eine Ausgangssperre akzeptieren würden und sich trotz Covid-19 vermehrt mit Freunden und Familie treffen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat jedoch wiederholt davor gewarnt, trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg zu große Lockerungen der Maßnahmen zu fordern. „Wenn wir jetzt nachlassen, kann die Pandemie mit aller Macht zurückkommen“, sagte Kretschmann am 23. April nach einem Treffen mit dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder in Ulm. Das Coronavirus sei ein „übermächtiger Gegner“, sagte Kretschmann - würden wir zu sorglos handeln, könnte es eine zweite Infektionswelle geben.

Sich nicht an die Maßnahmen zu halten, die zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg gelten, ist vor allem für die besonders für Covid-19 anfällige Risikogruppe gefährlich. Bei Menschen aus dieser Gruppe ist ein schwerer Verlauf der Lungenkrankheit wahrscheinlich. Eine Studie der Uniklinik Freiburg hat nun ergeben, dass jeder vierte Patient auf der Intensivstation an den Folgen einer Erkrankung mit Covid-19 verstarb.

Am Arbeitsgericht in Freiburg wurde ein konfuser Fall verhandelt. Eine ehemalige Erzieherin behauptete, einen Kollegen mit einem Dreijährigen beobachtet zu haben, sie hegte einen ungeheuerlichen Verdacht. Das Gericht wies die Klage letztendlich ab.

Rubriklistenbild: © HELMUT FOHRINGER/EPA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare