Intensivstationen überlastet

Alarmzustand: Erste Kliniken in Baden-Württemberg reagieren drastisch auf das Coronavirus

Eine Pflegerin in Schutzausrüstung betreut einen Corona-Patienten auf der Intensivstation.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Erste Kliniken im Land verschieben Operationen (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg breitet sich immer weiter aus. Die Kliniken und Krankenhäuser reagieren - und verschieben Operationen zugunsten von Corona-Behandlungen.

Karlsruhe - In den vergangenen Wochen meldet das Landesgesundheitsamt täglich eine große Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Durch die steigenden Zahlen gerät auch das Personal der Krankenhäuser und Kliniken in Stuttgart und im ganzen Bundesland vermehrt unter Druck.

Die Standorte der Krankenhäuser mit Intensivbetten meldeten eine Belegung von 75 Prozent (Stand 6. November), wie das Land Baden-Württemberg auf seiner Website mitteilte. Um auf eine weitere Verbreitung des Virus und damit auch auf ein erhöhtes Patientenaufkommen wegen Covid-19 vorbereitet zu sein, verschieben nun erste Kliniken im Land Operationen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Klinikum Karlsruhe hofft auf bessere Verteilung der Patienten

Durch die drastisch steigenden neuen Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg kam es wieder zu einschneidenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Am Samstag, dem 10. Oktober, überschritt die Landeshauptstadt Stuttgart die kritische Marke von 50 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner und wurde zum Risikogebiet erklärt.

Wenig später wurde bekannt gegeben, dass in den Innenstädten im Land nun dauerhaft eine Maskenpflicht gelte, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne. Auch in den Krankenhäusern in Baden-Württemberg wurden neue Maßnahmen ergriffen und beispielsweise das Besuchsrecht eingeschränkt.

Derzeit werden am städtischen Klinikum in Karlsruhe sieben Patienten wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg intensivmedizinisch behandelt, wie der SWR am Mittwoch berichtete. Sollten noch drei weitere Patienten dazu kommen, müsste das Krankenhaus die höchste interne Pandemiestufe ausrufen.

Dann müsse die Klinik laut SWR eine eigene Corona-Intensivstation einrichten. Der Personalaufwand sei dabei jedoch so hoch, dass an anderer Stelle Personal abgezogen werden müsse, erklärte Michael Geißler, der medizinische Geschäftsführer des Klinikums Karlsruhe, dem SWR. Dann müssten auch Operationen mit Ausnahme von Notfällen stark eingeschränkt werden.

Bereits Ende Oktober habe es am städtischen Klinikum Karlsruhe Verschiebungen von geplanten Operationen gegeben, wie die Badische Neueste Nachrichten (BNN) berichteten. Laut einer Auskunft der Kliniksprecherin sei dieser Umstand jedoch nicht dem Coronavirus in Baden-Württemberg, sondern dem Streik im öffentlichen Dienst und dem krankheitsbedingten Ausfall von Personal geschuldet gewesen.

„Mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen sind noch keine Reduktionen (‚Reduzierung‘ Anm.d.Red) von geplanten elektiven (‚ausgewählten‘ Anm.d.Red) Eingriffen vorgesehen“, so die Sprecherin gegenüber den BNN Ende Oktober. Inzwischen spitzt sich die Lage jedoch immer weiter zu, Geschäftsführer Geißler hofft auf eine bessere Verteilung der Patienten auf die Kliniken der Region, wie der SWR berichtet.

Erste Kliniken im Land verschieben Operationen wegen Coronavirus in Baden-Württemberg

Während das städtische Klinikum Karlsruhe bislang noch nicht voll ausgelastet ist, mussten die Krankenhäuser in Bretten und Bruchsal (Kreis Karlsruhe) bereits Operationen zugunsten von Corona-Patienten verschieben. „Wir fahren auf Sicht und verschieben mit Augenmaß“, sagt Alexander Tsongas, Sprecher der Regionale Kliniken Holding (RKH), gegenüber den BNN. Auch in anderen Landkreisen begannen Kliniken bereits, planbare Operationen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg zu verschieben - so etwa in Neuenbürg und Mühlacker im Enzkreis.

Tsongas, der neben den Krankenhäusern in Bretten, Bruchsal, Neuenbürg und Mühlacker auch als Sprecher für die Kliniken in Bietigheim, Markgröningen und Ludwigsburg verantwortlich ist, befürchtet, dass die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg in der nächsten Zeit weiter steigen werden.  „Dafür müssen wir Betten und Personal bereithalten“, sagte er den BNN. Zu der Vorbereitung gehöre auch, Operationen zu verschieben. „Wenn wir alle geplanten Operationen durchführen würden, hätten wir ja volle Häuser“.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Vor allem Krebspatienten in Sorge

Durch die schnelle Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg wurde das Besuchsrecht an vielen sozialen Einrichtungen massiv eingeschränkt. Beispielsweise dürfen am Klinikum in Langensteinbach (Kreis Karlsruhe) nur noch wirklich schwer Kranke besucht werden, wie die BNN berichteten. Laut dem Portal machen sich vor allem Krebspatienten Sorgen. „Wir spüren ein deutlich gestiegenes Beratungsbedürfnis“, erklärte Elke Rottenberg-Enghofer von der Beratungsstelle für Krebskranke in Karlsruhe. „Die Menschen machen sich Sorgen um ihre Behandlung, aber auch um die Ansteckungsgefahr“.

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