Nutzungsmix statt Monostrukturen

Wegen Corona: Innenstädten in Baden-Württemberg droht gefährliche Abwärtsspirale

  • Valentin Betz
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit aus. Die Folgen für die Wirtschaft könnten ganze Städte nachhaltig verändern.

Mannheim - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat das Leben der Menschen radikal verändert. Die Hoffnung ist groß, dass vieles zur Normalität zurückkehrt, sobald die Corona-Pandemie überwunden ist. Allerdings könnten viele Veränderungen auch zu einem nachhaltigen Wandel beitragen - sowohl im positiven, wie auch im negativen Sinne.

Ein Beispiel hierfür sind die Innenstädte in Baden-Württemberg. Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie sahen Experten eine regelrechte Einzelhandels-Apokalypse voraus, weil das Coronavirus zum Aussterben der Innenstädte beitragen könnte.

Tatsächlich kämpften Geschäfte in den Innenstädten bereits vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg ums Überleben. Deshalb wirkte das Coronavirus und der damit verbunden Lockdown in Baden-Württemberg als „Brandbeschleuniger“. Das sieht auch Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz so. Er ist gleichzeitig Baden-Württembergs Städtetagspräsident und erklärte jetzt gegenüber der Deutschen Presseagentur, wie der Niedergang der Innenstädte verhindert werden könnte - und welche Chancen im Verschwinden einzelner Geschäfte liegen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Probleme der Innenstädte schon vor der Pandemie vorhanden

„Corona beschleunigt die Diskussion um Probleme, die schon vorher in der Luft lagen, wie die Monostrukturen in den Kernen mit den immer gleichen Filialgeschäften und Burgerbratern“, so Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz zur Deutschen Presseagentur. Um die Innenstädte vor dem Aussterben zu retten, fordert der Präsident des baden-württembergischen Städtetags Programme zu deren Sicherung.

Gähnende Leere: Das Coronavirus in Baden-Württemberg bedroht die Innenstädte. Mehr Vielfalt und Hilfsprogramme sind laut Experten die Lösung.

Darüber hinaus verlangt Peter Kurz, dass Vermieter „überzogene Mieten überdenken“, da Nutzer abseits der großen Ketten sich diese nicht leisten könnten. Denn gerade alternative Nutzer seien laut des Städtetagspräsidenten wichtig für eine gesunde Innenstadt. Peter Kurz wünscht sich einen „Nutzungsmix aus Einzelhandel, kulturellen und gastronomischen Angeboten, Dienstleistern und Start-ups“.

Der Oberbürgermeister von Mannheim kann sich auch Nutzungskombinationen wie Cafés mit Co-Working und einem Haushaltswarenangebot vorstellen. Besonders fatal für die Innenstädte seien indes Leerstände, wie sie das Coronavirus in Baden-Württemberg momentan begünstige. Dadurch bestehe „die Gefahr eines Trading-Down-Effekts, wenn keine Nutzer oder auch Zwischennutzer gefunden werden“, so Peter Kurz zur Deutschen Presseagentur. Der Effekt setzt ein, wenn sich längere Leerstände auf das Image der Innenstadt auswirken: Gebäude verfallen, hochwertige Angebote weichen Billiganbietern, Kunden bleiben aus - und eine Negativspirale beginnt. Eine gefährliche Entwicklung, in die die Corona-Pandemie viele Innenstädte stoßen könnte. Denn der Weg zurück wird schwierig.

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Innenstädte: Digitalisierung betrifft auch den Handel

Dabei haben nicht nur Großstädte wie Mannheim oder Stuttgart Probleme in ihren Zentren. Das Sterben der Innenstädte trifft auch Kleinstädte in Baden-Württemberg. Neben Hilfsprogrammen und einer Diversifizierung der Geschäfte sieht der Städtetagspräsident Baden-Württembergs, Peter Kurz, auch die Digitalisierung als wichtiges Standbein für die Rettung der Innenstädte.

Der Online-Auftritt von Geschäften sei notwendig für ihr Überleben, betonte der Oberbürgermeister Mannheims. „Man braucht heute zwei Standbeine: Präsenz und Internet - das erwarten die Kunden.“ Andererseits müsse der Flut von Paketen wegen Verpackungsmüll und Lieferverkehr Einhalt geboten werden, etwa durch eine Online-Steuer, von der lokale Einzelhändler durch hohe Bagatell-Grenzen ausgenommen werden könnten.

Peter Kurz plädierte darüber hinaus für mehr Aufenthaltsqualität in den Innenstädten. „Die Mediterranisierung des Lebens verlangt den Kommunen ab, insbesondere Verkehrsflächen neu zu verteilen.“ Mehr und attraktivere Plätze, Grünflächen und Möblierung könnten wieder mehr Menschen in die Innenstädte locken. „Da ist noch Luft nach oben.“

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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