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Wenn das Coronavirus als Ausrede für miserablen Service missbraucht wird

Frau mit Mundschutz läuft an Zettel mit der Aufschrift: „Nur ein Kunde“ vorbei
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Gilt das Coronavirus in Baden-Württemberg oft nur als Ausrede, um Kosten und Aufwand zu sparen?
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat das tägliche Leben verändert. Auch in Stuttgart scheinen manche die aktuelle Lage als Ausrede für schlechten Service zu verwenden. Hinterfragt wird das nur selten, aber wie lange geht das noch gut?

  • Seit dem Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg haben sich einige Dinge grundsätzlich verändert.  
  • Obwohl es inzwischen ruhiger ist und viele Maßnahmen gelockert wurden, bestehen noch immer Einschränkungen.  
  • Mancherorts gehen die Einschränkungen möglicherweise zu weit. Handelt es sich bei schlechtem Service um ein Mittel zum Infektionsschutz, oder nur um eine Ausrede?  

Stuttgart -  Das Coronavirus in Baden-Württemberg führte zu weitreichenden Einschränkungen des täglichen Lebens. Schlangen vor Supermärkten und Geschäften, schlechter Service, lange Wartezeiten und verkürzte Öffnungszeiten gehörten für lange Zeit zum Alltag. Inzwischen ist die Lage wieder entspannter geworden - zahlreichen Corona-Lockerungen in Baden-Württemberg sei Dank.

Ich glaube aber, dass viele Betriebe und Einrichtungen das Virus als Ausrede nutzen - auch in der Landeshauptstadt Stuttgart. Schlechter Service und mangelnde Kommunikation stoßen bei Kunden normalerweise auf Unmut. Und das zu Recht. Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg zeigen sich viele Bürger jedoch tolerant und nachsichtig. Wir befinden uns eben in einer Krisensituation. Die Frage ist nur, wie lange die Ausrede „wegen Corona“ noch zieht. Können sich Unternehmen, Dienstleister und Geschäfte auch nach den weitreichenden Lockerungen noch hinter dem Infektionsschutz verstecken?  

Coronavirus in Baden-Württemberg: Ausrede für schlechten Service?

„Corona muss mittlerweile für jedes Versäumnis herhalten“, schrieb eine Autorin der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und regte damit auch mich zum Nachdenken an. Auch in Stuttgart stößt man auf Situationen, die vielleicht dem Infektionsschutz dienen - möglicherweise aber auch nur Ausreden sind. Wenn ich mit 20 weiteren Personen vor einer Postfiliale in der Schlange stehe, sehe ich noch keinen Grund zur Beanstandung. Es leuchtet mir ein, dass wegen der aktuellen Lage nur eine bestimmte Zahl an Personen gleichzeitig die Filiale betreten darf. Was ich sehe, wenn ich dann doch endlich an der Reihe bin: Von vier Schaltern ist nur ein einziger besetzt, dem Mitarbeiter sieht man den Stress schon von Weitem an.

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg gelten in vielen Post-Filialen offenbar noch immer verkürzte Arbeitszeiten. In Supermärkten dagegen sind doch auch mehrere Kassen auf und es funktioniert. Bei der Post beschwert sich jedoch niemand in der Schlange vor oder hinter mir. Alle warten brav, mit ausgesetzter Maske bis sie an der Reihe sind.

Ein weiteres Beispiel: Zahlreiche Geschäfte, Tankstellen und öffentliche Einrichtungen haben ihre Toiletten geschlossen - und nie wieder geöffnet. In einem großen Luxus-Kaufhaus mit mehreren Stockwerken in Stuttgart ist beispielsweise keine einzige Toilette benutzbar. Warum? Na „wegen Corona“. Die Corona-Verordnung der Landesregierung hat jedoch zu keinem Zeitpunkt angeordnet, dass Toiletten nicht betrieben werden dürfen.

Öffentliche Toiletten sind zwar Risikoorte für eine Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg, was auch das Portal aerzteblatt.de bestätigt. Doch es ist trotzdem möglich, sie zu betreiben. Es ist sicherlich mit einem großen Aufwand verbunden, sanitäre Einrichtungen regelmäßig und umfassend zu reinigen und zu desinfizieren. Aber werden öffentliche Toiletten nicht normalerweise auch mehrmals am Tag gereinigt? Da scheint es praktisch und bequem, die Anlagen einfach geschlossen zu halten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Lunchpakete statt Buffet und sporadische Reinigung

Bekannte erzählten mir vor einigen Tagen von ihrem Hotelbesuch in Stuttgart. Das Zimmer hatten sie online gebucht, was auch ohne Probleme funktionierte. Bei der Anreise dann der Schock: Das Hotel hatte wegen dem Coronavirus in Baden-Württemberg geschlossen - bis zum Tag nach dem Anreisetag. Aber halb so wild, das Hotel hatte sie bereits in eine andere Unterkunft umgebucht. Dort an der Rezeption hieß es dann aber, ein Frühstücksbuffet sei nicht möglich, die Gäste bekämen aber ein Lunchpaket. Und die Zimmer würden auch nicht jeden Tag gereinigt werden, sondern nur zwei Mal die Woche. Am Preis änderten diese Einschränkungen jedoch nichts. Das Lunchpaket bestand im Übrigen nur aus abgepacktem Brot, jeweils einer Scheibe Käse und Wurst, einem Joghurt und einem Apfel. Klingt nicht schlecht? Ja, aber man bezahlt schließlich 20 Euro für ein Frühstücksbuffet. Auch in diesem Fall beschweren sich wohl nur die wenigsten Gäste.

Auch bei Lieferungen dient das Coronavirus als Rechtfertigung für eingeschränkten Service. Der Postbote oder Pizzalieferant klingelt an der Tür. In der Sprechanlage heißt es „Bestellung ist da“. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir, der Mann sitzt schon wieder in seinem Fahrzeug und lässt den Motor an. Und was ist mit meiner Bestellung? Die steht vor dem Haus. Manchmal sind die Boten dann so gnädig, sie ins Haus zu stellen.

Als ich einmal nachfragte, ob ich die Bestellung auch bis vor die Wohnungstür geliefert bekomme, hieß es: Nein, das ginge wegen Corona nicht. Ist Infektionsschutz der einzige Grund für diese Maßnahme? Natürlich geht es deutlich schneller, wenn die Boten die Bestellungen nur vor das Haus legen - aber guter Service ist das nicht.

Zugegeben, das sind wohl alles verschmerzbare Einschränkungen und bekannt ist auch, welche fatalen Auswirkungen das Coronavirus in Baden-Württemberg auf die Wirtschaft hatte. Dennoch habe ich den Eindruck, dass viele findige Betriebe das Coronavirus ein bisschen zu offensichtlich als Gelegenheit nutzen, Kosten und Mühe zu sparen.

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