Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge Ellwangen

Explosionsartiger Anstieg von Coronavirus-Infektionen bei Flüchtlingen sorgt für Rätsel

  • Marleen van de Camp
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg gilt derzeit eine Notverordnung. Trotzdem steigen die Infektionen mit Covid-19 in einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Ellwangen rasant.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Behörden von Ellwangen rätseln über den explosionsartigen Anstieg der Infektionen mit Covid-19 in der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge.
  • Um das Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, gilt seit dem 17. März eine Notverordnung.
  • Obwohl die Polizei deren Einhaltung überwacht, steigen die Neuinfektionen mit Covid-19 in einer Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Ellwangen explosionsartig.
  • Die Behörden stehen vor einem Rätsel. Die einzige mögliche Erklärung nennt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums

Stuttgart - Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Behörden von Ellwangen rätseln über den explosionsartigen Anstieg von Infektionen mit der Lungenkrankheit Covid-19 in der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) für Flüchtlinge: von 7 auf 251 Infektionen innerhalb von 13 Tagen, wie die dpa berichtet.

Bereits am Donnerstag, den 9. April, hatte die Kreisregierung einen Tweet veröffentlicht, in dem von einer „größeren Anzahl“ von Infektionen mit dem Coronavirus in der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Baden-Württemberg berichtet wurde.

In der entsprechenden Presseerklärung des Ostalbkreises heißt es, am 2. April seien sieben Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung positiv auf das Coronavirus getestet und isoliert worden. Um die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, habe die Stadt Ellwangen, in der die Flüchtlinge derzeit leben, auf Empfehlung des Landratsamts Ostalbkreis und im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium Stuttgart am 5. April eine Ausgangs- und Kontaktsperre für die Bewohner der LEA angeordnet.

Seitdem werde deren Einhaltung durch die Polizei überwacht. Bereits am 17. März war die Verordnung über Verbote und Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg in Kraft getreten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Masseninfektion unter Flüchtlingen in Ellwangen befürchtet

Am 6. April wurden auf Anraten des Gesundheitsamts des Ostalbkreises alle 567 Bewohner und 204 Beschäftigte auf das Coronavirus getestet. Die LEA Ellwangen ist nach Heidelberg die zweitgrößte Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Baden-Württemberg.

„Leider haben sich heute unsere Befürchtungen bewahrheitet“, so Landrat Klaus Pavel. Von den 204 Beschäftigten wurden 19 positiv auf Covid-19 getestet. Zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg mussten diese 19 Beschäftigten sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben. Von den zu diesem Zeitpunkt ausgewerteten 117 Proben der Bewohner waren bereits 41 positiv auf Covid-19 getestet. Für die mit dem Coronavirus infizierten Flüchtlinge wurde innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Baden-Württemberg ein separater Quarantäne-Bereich eingerichtet. Weil durch herkömmliche Testverfahren wie nun in Ellwangen wertvolle Zeit verloren geht, hat der Konzern Bosch einen Corona-Schnelltest entwickelt, der bald eingesetzt werden kann.

Coronavirus in Baden-Württemberg: 12 Polizisten überwachen rund um die Uhr Einhaltung der Kontaktsperre

„„Die Stadt Ellwangen und der Ostalbkreis haben sich von Anfang an für eine rigorose Ausgangs- und Kontaktsperre sowie eine strenge Überwachung durch eine ausreichende Zahl an Polizeikräften eingesetzt“, hieß es in der Pressemitteilung vom 9. April. Die Polizei überwache die Einhaltung der Kontaktsperre in der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge inzwischen rund um die Uhr mit jeweils 12 Beamten pro Schicht die , um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg zu verhindern.

Trotzdem kam am 14. April der Schock: 251, also fast die Hälfte der 567 Bewohner, und 21 Beschäftigte sind mit der Lungenkrankheit Covid-19 infiziert. Zumal die Flüchtlinge umfassend über Covid-19 informiert und alle Infizierten zur Bekämpfung des Coronavirus in Baden-Württemberg isoliert wurden, haben die Behörden laut dpa keine Erklärung für die weitere Ausbreitung. Bis auf eine.

„Leider kann aufgrund der 14-tägigen Inkubationszeit nicht ausgeschlossen werden, dass sich eine zunächst negativ getestete Person infiziert hatte und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das Virus weitergetragen hat“, sagte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums gegenüber der dpa. Die gute Nachricht: Bei keinem der Infizierten ist der Verlauf von Covid-19 so schwer, dass die Einlieferung in eine Klinik erforderlich ist.

Die Bundeswehr unterstützte die durch das Coronavirus in Baden-Württemberg schwer beeinträchtigte Erstaufnahmeeinrichtung durch medizinische Hilfe und Mitarbeit bei der Versorgung der Flüchtlinge. Durch eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag kam jedoch der schockierende Plan zutage, den das Innenministerium von Baden-Württemberg ursprünglich für die Bundeswehr-Soldaten hatte.

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

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