Coronavirus in Baden-Württemberg

Professorin: 100-Euro-Bonus wäre für viele Menschen Anreiz für eine Coronaimpfung

  • Valentin Betz
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Die Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gehen voran. Doch fallende Inzidenzen könnten das ändern. Eine Forscherin fordert deshalb Belohnungen für Geimpfte.

Karlsruhe - Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg bleiben erfreulicherweise weiterhin rückläufig. Zuletzt lag die 7-Tage-Inzidenz im Südwesten bei 9,1. Der Hohenlohekreis weist sogar einen Wert von gerade einmal 1,8 auf. Der Bevölkerung ist die Erleichterung über zunehmende Lockerungen deutlich anzumerken, es kehrt deutlich mehr Leben in den Alltag zurück.

Doch die aktuell niedrigen Zahlen täuschen über eine Tatsache hinweg: Weniger Neuinfektionen sind nicht gleichbedeutend mit einer Ausrottung des Coronavirus in Baden-Württemberg - geschweige denn im Rest der Welt. Das zeigte zuletzt die Ausbreitung einer Corona-Mutante im Südwesten, besonders im Kreis Heidenheim.

Entsprechend bleibt der Impfstoff die zuverlässigste und sicherste Möglichkeit, die eigene Gesundheit zu schützen und eine Herdenimmunität zu gewährleisten. Allerdings gibt es immer noch Vorbehalte gegenüber der Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Die Impfbereitschaft könnte angesichts der scheinbar abnehmenden Gefahr zudem weiter sinken. Eine Forscherin am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat dagegen ein interessantes Mittel, wie sie den Badischen Neuesten Nachrichten verriet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Impfungen schreiten voran, müssen sich aber steigern

Laut Landesgesundheitsamt (Stand 23. Juni) sind derzeit 49,1 Prozent der Bevölkerung erstmals gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft. 31,7 Prozent haben die zweite Impfung erhalten und gelten damit als vollständig Geimpfte. Allerdings unterscheiden sich alleine die Impfquoten in Baden-Württemberg lokal enorm. Außerdem müssen für eine Herdenimmunität mehr als 80 Prozent der Bevölkerung geimpft oder genesen sein.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Noch zeigt die Bevölkerung eine hohe Impfbereitschaft. Um eine Abnahme zu verhindern, schlägt eine Karlsruher Professorin eine finanzielle Belohnung vor (Symbolbild).

Die Gefahr ist groß, dass durch eine weiter in die Bedeutungslosigkeit schrumpfende 7-Tage-Inzidenz die Impfbereitschaft abnimmt und die Impfkampagne versandet. Nora Szech, Professorin für politische Ökonomie am KIT, hat eine Idee, wie sich das vermeiden ließe. Sie will die Impfung mit einer Belohnung von 100 Euro versüßen. Das würde laut ihrer Erkenntnis die Impfbereitschaft bei den Zögerlichen und Bequemen deutlich erhöhen.

Belohnung für Impfung gegen das Coronavirus: „100 Euro helfen bereits“

Die Professorin des KIT weiß, dass viele Arbeitgeber in den USA bereits Anreize für eine Impfung ihrer Angestellten anbieten. Nora Szech hält das auch in Deutschland für eine gute Möglichkeit, Zweifler zu überzeugen. „Unsere Daten zeigen, dass 100 Euro Kompensation bereits helfen“, erklärt sie den Badischen Neuesten Nachrichten. „500 Euro bringen erwartungsgemäß noch mehr“, so Szech.

Allerdings müsse nicht nur am Anreiz für eine Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gearbeitet werden. Nora Szech will auch an der Vergabe der Impftermine etwas ändern. „Hier müssen wir dringend nachbessern“, erklärt die Professorin für politische Ökonomie am KIT. In einem von ihr begleiteten Online-Experiment war die Impfbereitschaft mit 70 Prozent grundsätzlich bereits ordentlich.

Bot man den Teilnehmern jedoch Termine für eine Impfung an, ohne dass diese selbst etwas für die Organisation unternehmen musste, stieg die Bereitschaft bereits auf 76 Prozent. Laut Nora Szech ist die beste Variante allerdings eine Kombination aus einfacher Terminvereinbarung und finanziellem Anreiz. In dem Online-Experiment käme die Impfbereitschaft dadurch „nah an die 90 Prozent“.

Anreiz für Corona-Impfung: Genauer Betrag ist entscheidend für höhere Bereitschaft

Die finanzielle Belohnung für die Impfung gegen das Coronavirus hilft laut Nora Szech allerdings auch erst ab einem bestimmten Betrag. „Zehn oder zwanzig Euro können zu geringschätzend wirken“, so die Professorin am KIT. Eine Ausnahme seien andere Belohnungen in Form von Essensgutscheinen, Tickets oder Lotterielosen.

Die Professorin für politische Ökonomie würde im Übrigen auch alle bereits Geimpften rückwirkend kompensieren. Volkswirtschaftlich lasse sich eine solche Ausgabe rechtfertigen, da jeder Geimpfte laut Berechnungen des ifo-Instituts 1.500 Euro zum Gemeinwohl beiträgt. Der Vorschlag von Nora Szech, die Impfbereitschaft finanziell zu belohnen, wird indes nicht durchgehend befürwortet.

Laut den Badischen Neuesten Nachrichten sieht das Sozialministerium Baden-Württembergs für diese Maßnahme angesichts der noch hohen Nachfrage nach Impfterminen dafür keinen Anlass. „Solche Überlegungen haben wir nicht“, heißt es.

Rubriklistenbild: © Gregor Fischer/dpa

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