Nach Einschätzung von Experten

Trotz Impfstoff: Deutsche müssen wohl noch Jahre mit Maskenpflicht und Abstand leben, sagen Experten

  • Lisa Schönhaar
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Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt wieder an. Doch auch mit einem Impfstoff könnte es noch lange dauern, bis Maßnahmen wie die Maskenpflicht aufgehoben werden, sagen Experten.

Ulm - Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich zwar langsamer als zu Beginn der Corona-Pandemie, doch in den vergangenen Wochen nahmen die Infektionszahlen wieder deutlich zu. Die Landesregierung lockerte bereits mehrfach die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus, um der Bevölkerung das Leben mit Covid-19 zu erleichtern. 

Die Sorge wächst derzeit jedoch, dass einige Lockerungen möglicherweise zu früh kamen - aktuell steigt die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg wieder an, was überwiegend auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten und auf private Feiern zurückzuführen ist.

Vor allem für die häufig von schweren Verläufen betroffene Risikogruppe kann das Coronavirus in Baden-Württemberg gefährlich werden. Unter anderem deshalb gelten trotz der vielen Lockerungen weiterhin Corona-Regeln wie die Einhaltung eines Mindestabstands sowie die im Frühjahr eingeführte Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg.

Insbesondere die Risikogruppe ist auf die baldige Entwicklung und Zulassung eines Corona-Impfstoffs angewiesen. Auch das in Tübingen ansässige Biotech-Unternehmen Curevac hat bereits Erfolge erzielt und kündigte an, schon im kommenden Jahr einen Impfstoff auf den Markt bringen zu wollen, wie unter anderem Merkur.de* berichtet. Anfang September besuchte sogar Tesla-Chef Elon Musk den Impfstoffhersteller Curevac.

Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland kann nur mit Impfstoff besiegt werden - doch das kann dauern

Wer darauf hofft, dass sich die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg mit der Marktreife eines Impfstoffs in kürzester Zeit verabschieden, dessen Hoffnungen dürften nun von den Mitgliedern der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts gedämpft werden. In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAZ) warnte das Experten-Team vor zu großen Erwartungen an Corona-Impfungen und mahnte Geduld an.

Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens, Virologe am Universitätsklinikum in Ulm, sagte zur FAZ, dass mindestens 60 Prozent der Deutschen geimpft sein müssten, um den sogenannten Herdeneffekt zu erzielen und das Coronavirus zu besiegen - das könne seiner Meinung nach viele Monate dauern.

Herdenschutz oder auch Herdenimmunität sind Begriffe aus der Epidemiologie. Sie bezeichnen einen indirekten Schutz vor einer ansteckenden Krankheit, der dann entsteht, wenn ein hoher Teil einer Bevölkerung immun gegen den auslösenden Erreger ist - durch Impfung oder Genesung. Die Ausbreitungsrate des Virus verringert sich automatisch und schützt indirekt auch jene Individuen, die nicht immun gegen die Krankheit sind.

Im Falle des Coronavirus in Baden-Württemberg wären bei entsprechend hoher Impfdichte im Land auch Menschen geschützt, die sich nicht impfen lassen können - beispielsweise weil ihr Immunsystem es nicht zulässt oder weil sie zu alt oder jung sind. Eine Studie aus Baden-Württemberg hat im Juli jedoch ergeben, dass sich überraschend wenig Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen wollen.

Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland wird noch lange Teil des Alltags sein - ebenso Maskenpflicht und Mindestabstand

Nach Einschätzung der Experten der Stiko könnten zunächst nur wenige Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen, um das Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland zu bekämpfen. „Eine Zahl, die unter Fachleuten genannt wird, ist fünf Millionen Dosen“, sagte Klaus Überla, Virologe an der Universität Erlangen-Nürnberg, zur FAZ.

Es wird jedoch mehr als eine Dosis pro Geimpftem benötigt. Die meisten Impfstoffe, die im Moment in der Entwicklung seien, bräuchten zwei Dosen, damit sie wirkten. „Um alle Menschen in Deutschland zu impfen, brauchen wir dann mehr als 160 Millionen Dosen“, sagte Fred Zepp, Epidemiologe an der Universität Mainz.

Den Mitgliedern der Impfkommission zufolge wird es dann viele Monate dauern, bis ausreichend viele Bürger geimpft sind, um Corona-Maßnahmen wie die Maskenpflicht oder den Mindestabstand zu anderen Personen aufzuheben, die wegen des Coronavirus auch in Baden-Württemberg gelten.

Ein Kinder- und Jugendmediziner aus München, der ebenfalls der Stiko angehört, schätzte die Zeit bis zur abgeschlossenen großflächigen Impfung auf etwa acht Monate. Bis in Deutschland wieder ein normales Leben möglich sein werde, könnten jedoch anderthalb bis zwei Jahre vergehen, so Martin Terhardt zur FAZ. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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