OB verteidigt Impfstoff

Palmer verärgert: Bill Gates‘ Beteiligung hatte für Curevac heftige Konsequenzen

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Der Impfstoff von Curevac ist weniger wirksam, als erhofft. Das sorgt bundesweit für Enttäuschung. Tübingens OB Boris Palmer verteidigte das Unternehmen jetzt - und glaubt weiter an den Erfolg.

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg werden mit der mRNA-Technologie völlig neue Impfstoffe eingesetzt. Der Tübinger Impfstoff von Curevac sollte das schon bestehende Angebot schnellstmöglich erweitern und dabei helfen, möglichst schnell Herdenimmunität zu erreichen.

Doch während die Impfkampagne in Deutschland weiter Fahrt aufnimmt, verzögerte sich die Zulassung des Curevac-Impfstoffs immer weiter. Durch die Verzögerung flog Curevac gar aus der Impfkampagne. Das Vertrauen und die Zuversicht blieb bei den Verantwortlichen des Unternehmens allerdings weiter ungebrochen. Schließlich ist die Corona-Pandemie noch nicht vorbei, trotz großer Impfbereitschaft fehlt es an Impfstoff.

Diese Woche kam dann aber der Schock: Der Curevac Impfstoff hat nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent. Die Aktie des Unternehmens fiel nach dieser Nachricht dramatisch, die Enttäuschung bundesweit ist groß. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) zeigt hingegen eine ganz andere Reaktion. In einem Beitrag auf Facebook äußert sich der Grünen-Politiker durchweg zuversichtlich und verteidigt Curevac gegen die „moderne Empörungsgesellschaft“.

Impfstoff von Curevac: OB Boris Palmer vergleicht Corona- und Grippevirus

Boris Palmer verteidigt den Impfstoff von Curevac, indem er das Grippevirus als Vergleich heranzieht. In seinem Beitrag auf Facebook verweist er auf eine Studie, die der Impfung gegen die Grippe eine Wirksamkeit „von 41 bis 63 Prozent bei älteren Erwachsenen“ bescheinigt. Trotzdem werde dadurch das Risiko, an einer Influenza zu erkranken, im Mittel durch die Impfung in etwa halbiert. „Die vorläufig gemessene Wirksamkeit von 47 Prozent ist ein Ergebnis, das bei einer Influenza als durchschnittlicher Wert gelten würde“, schreibt der OB von Tübingen in Bezug auf den Corona-Impfstoff von Curevac.

Dennoch glaubt auch Boris Palmer, dass der Corona-Impfstoff von Curevac „für die erste Impfrunde in Deutschland keine große Rolle mehr spielt.“ Der Grünen-Politiker befürchtet vielmehr, dass Deutschland wie bei den Grippeviren auch beim Coronavirus jedes Jahr einen neuen Impfstoff einsetzen muss.

Curevac: OB Boris Palmer verteidigt das Unternehmen

Trotz der geringen Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs von nur 47 Prozent kann Tübingens Oberbürgermeister der Nachricht etwas Positives abgewinnen. „Vor einem Jahr wusste niemand, ob das Prinzip der mRNA-Impfstoffe funktioniert. Jetzt ist der Wirkungsnachweis erbracht. Darauf können die Tübinger Forscher wirklich stolz sein“, so Boris Palmer in seinem Facebook-Beitrag.

Zudem kann sich der Grünen-Politiker einen Seitenhieb auf Impfstoff-Kritiker und Verschwörungsmystiker nicht verkneifen. „Weil Bill Gates, Dietmar Hopp, Elon Musk und Donald Trump auf eine oder andere Weise in Verbindung mit Curevac stehen, ist die Firma leider in die typischen Erregungsstürme der modernen Empörungsgesellschaft geraten.“ Das hätten die Mitarbeiter von Curevac nicht verdient, vielmehr könne man dankbar für deren Beitrag zur Entwicklung der mRNA-Technologie sein.

Microsoft-Gründer Bill Gates etwa ist über die „Bill and Melinda Gates Foundation“ seit 2015 an Curevac beteiligt, inzwischen liegt ihr Anteil bei knapp 1,7 Prozent. Erst kürzlich sprachen die Curevac-Gründer zudem darüber, welches Chaos Corona in dem Tübinger Unternehmen anfangs auslösten - unter anderem auch aufgrund von Berichten zu US-Präsident Donald Trump.

Curevac: Boris Palmer fordert weiter Notfallzulassung

Abschließend erneuert Boris Palmer trotz geringer Wirksamkeit seine Forderung nach einer Notfallzulassung von Curevac. „Mit den nun vorliegenden Daten ist der Nutzen des Impfstoffs dramatisch größer als seine Nebenwirkungen. Das ist das Kriterium für eine Notfallzulassung“, schreibt er.

Der Tübinger OB selbst wurde im Rahmen der Impfstoffstudie von Curevac übrigens ein Placebo verabreicht, er ist inzwischen mit Biontech geimpft. „Wäre ich in der Verum-Gruppe, hätte ich mich nun gefreut. Mit 50 Prozent Schutzwirkung ist Corona in meinem Alter keine besonders große Gefahr mehr“, schreibt Palmer.

Rubriklistenbild: © dpa/Collage.

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