Vorwarnstufe ausgerufen

Heilbronn könnte kritischen Corona-Wert jeden Moment reißen - neuer Lockdown droht

  • Lisa Schönhaar
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Das Coronavirus breitet sich weiterhin in Baden-Württemberg aus. Die Zahl der Infizierten steigt aktuell wieder an - in Heilbronn gilt bereits eine Vorwarnstufe.

  • Die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind noch immer im ganzen Land deutlich spürbar.
  • Aktuellen Zahlen des Sozialministeriums zufolge steigt die Zahl der derzeit mit dem Coronavirus Infizierten immer weiter an.
  • In Heilbronn kamen die Infektionszahlen in den vergangenen Tagen der kritischen Marke gefährlich nahe - aktuell gilt bereits eine Vorwarnstufe.

Heilbronn - Das Coronavirus in Baden-Württemberg beeinträchtigt das Leben in nahezu allen Bereichen und macht weitreichende Einschränkungen und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus notwendig. Da sich das Coronavirus in Baden-Württemberg mit Beginn des Frühsommers nur noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau weiter ausbreitete, beschloss die Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann weitreichende Lockerungen für den Alltag und die Freizeit der Bürger.

Damit sich möglichst wenige Menschen mit der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 anstecken, gelten trotz der vielen Lockerungen nach wie vor Kontaktbeschränkungen und Hygieneauflagen - dazu gehört beispielsweise die Ende April von der Landesregierung eingeführte Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Aktuell häufen sich besorgte Äußerungen, einige Lockerungen könnten möglicherweise zu früh gekommen sein: Derzeit steigt die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg in nahezu allen Landkreisen wieder an.

Polizisten bei einer Maskenkontrolle. (Symbolfoto)

Heilbronn ist besonders stark vom Coronavirus in Baden-Württemberg betroffen: Sie ist aktuell die einzige Stadt im Land, in der die Vorwarnstufe gilt. Seit mehr als einer Woche liegt der Sieben-Tage-Wert in Heilbronn bei mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Kürzlich stieg der Wert sogar auf 45,3. Wird die kritische Marke von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen erreicht, sind strikte Maßnahmen unumgänglich.

Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich weiterhin - Heilbronn nur knapp unter kritischer Marke

Um eine Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg zu verhindern, bereitet sich die Stadt Heilbronn auf den Ernstfall vor: Am gestrigen Dienstag wurde ein Maßnahmenkatalog vorgestellt, der sofort in Kraft treten würde, sollten die Infektionszahlen den kritischen Wert von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche erreichen. Dann kann es weitreichende Einschränkungen geben - bis hin zum Shutdown.

Das müsse vermieden werden, sagte Oberbürgermeister Harry Mergel am Dienstag in einer Pressekonferenz. Wird der kritische Wert zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg überschritten, müssten beispielsweise Reiserückkehrer aus Risikogebieten immer fünf Tage in Quarantäne. Die Teilnehmerzahl bei öffentlichen Veranstaltungen würde auf 250 Personen begrenzt, bei privaten Feien wären 25 Menschen in privaten und maximal 50 Personen in mietbaren Räumen zulässig.

Auch das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen würde auf zusätzliche Bereiche ausgeweitet werden. Die Maskenpflicht könnte dann in Heilbronn auch auf den Laufwegen in Restaurants, Kinos, Kunst- und Kultureinrichtungen und in Kirchen gelten. Auch auf Sportanlagen, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Märkten im Freien würde dann eine Maskenpflicht in Kraft treten, die verschärft kontrolliert werden könnte.

„Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die wir dann ergreifen werden“, sagte Heilbronns Oberbürgermeister Mergel. „Aber ich will auch dazu sagen, natürlich verfolgen wir weiter unsere Linie, mit minimalen Eingriffen eine maximale Gesundheitsvorsorge für die Bevölkerung zu schaffen.“ So solle etwa die Gruppe, die Heilbronn besondere Probleme bereite - die Reiserückkehrer - nochmal besonders ins Auge genommen werden.

Mit diesem Maßnahmenkatalog in der Schublade und den Erfahrungen aus den ersten Monaten der Corona-Pandemie sehe man sich gut vorbereitet, sagte Mergel. „Die Hoffnung bleibt aber natürlich, dass wir die Fünfziger-Marke nie überschreiten und mit den allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen um eine Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen herumkommen.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Steigende Infektionszahlen durch Lockerungen und Reiserückkehrer

Seit Mitte Juni dürfen Deutsche wieder in ausgewählten Ländern Urlaub machen. Seitdem steigt auch die Zahl der Personen, die sich im Ausland anstecken, wieder an. Die steigenden Infektionszahlen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg sind häufig auf Corona-Ausbrüche in einzelnen Gemeinden und Landkreisen zurückzuführen, die immer öfter auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten zurückgehen.

Der Kreis Göppingen etwa war schon mehrfach von Neuinfektionen betroffen. Nach einer Abifahrt nach Kroatien schleppten Teilnehmer das Coronavirus in Baden-Württemberg ein - fast alle der 14 Urlauber hatten sich infiziert. Kurz darauf haben weitere Reiserückkehrer aus Kroatien andere Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Acht Personen hatten sich in Kroatien auf der Insel Pag angesteckt und anschließend eine private Geburtstagsfeier in einem Club in Stuttgart mit rund 40 Gästen besucht. Aufgrund der Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten stoßen Labore bereits an ihre Grenzen: Die massive Zunahme an Corona-Tests bringt Baden-Württemberg in Bedrängnis.

Naheliegend ist zudem, dass auch die weitreichenden Lockerungen der Maßnahmen für einen Anstieg der Neuinfektionen sorgen. Seit dem 1. Juli ist abgesehen von wenigen Ausnahmen wie dem Tanzen in Clubs fast alles wieder erlaubt - wenn auch unter Einhaltung der üblichen Hygieneauflagen. Geschlossene Kneipen gehören mittlerweile ebenso der Vergangenheit an wie die Schulschließungen in Baden-Württemberg. Speisewirtschaften wie Restaurants, Cafés und Eisdielen sind trotz Coronavirus in Baden-Württemberg schon seit dem 18. Mai wieder geöffnet.

Rubriklistenbild: © Nicolas Armer/dpa

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