„Nicht in falscher Sicherheit wiegen“

Heidelberger Virologe warnt: „Es besteht die Möglichkeit, dass wir auf die 3. Welle zusteuern“

Medizinisches Personal versorgt eine Corona-Patientin auf der Intensivstation des regionalen Krankenhauses.
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Ärzte und Pfleger auf den Intensivstationen in Deutschland hatten in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg hat sich deutlich entspannt. Auch erste Lockerungen treten in Kraft - ein Virologe aus Heidelberg sieht jedoch die Gefahr einer dritten Welle.

Heidelberg/Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich aktuell deutlich langsamer als noch vor ein paar Wochen. Bund und Länder beschlossen zwar eine Lockdown-Verlängerung bis zum 7. März, inzwischen treten jedoch nach und nach Lockerungen bei den Maßnahmen zum Infektionsschutz in Kraft. So sollen beispielsweise Friseure ab März wieder öffnen dürfen und auch Blumenhändler dürfen ihre Ware voraussichtlich wieder vor Ort verkaufen. Am gestrigen Montag, dem 22. Februar, kehrten zumindest die Kleinsten auch wieder in die Grundschulen und Kitas im Südwesten zurück. Über weitere Lockerungen wird bereits diskutiert, aber die entdeckten Virus-Mutationen in Baden-Württemberg sind noch immer ein Grund zur Sorge.

Bei der aktuellen Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg könnte man im schlimmsten Fall ein Deja-Vu-Erlebnis befürchten. Schließlich besserte sich die Situation auch im vergangenen Frühjahr immer weiter und ab dem 1. Juli war sogar fast alles wieder erlaubt. Dennoch beruhigte sich die Pandemie-Lage nicht vollständig, sondern ging Ende Herbst in eine bereits im Vorfeld befürchtete zweite Welle über.

Die bereits im Dezember in Baden-Württemberg gestarteten Corona-Impfungen bieten nun eine Grundlage, dass eine Wiederholung dieser Entwicklung vermieden werden könnte. Laut einem Heidelberger Virologen lässt sich eine dritte Welle aktuell nicht genau voraussagen, er schließt ein solches Szenario jedoch nicht aus, wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Infektionszahlen stagnieren - Übergang in die dritte Welle?

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gingen in den vergangenen Tagen immer weiter zurück. Dementsprechend sank auch die 7-Tage-Inzidenz im Landesdurchschnitt weiter und näherte sich immer mehr der 35-Marke an. Sollte dieser Wert über eine längere Zeit konstant bleiben, kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) weitreichende Lockerungen an. Beispielsweise nannte er in diesem Zusammenhang einen konkreten Zeitpunkt für die Öffnung des Handels. Inzwischen scheint der Wert jedoch über der 35-Marke zu stagnieren und liegt derzeit bei 44,8 (Stand: 22. Februar, 16:00 Uhr). Grund dafür ist möglicherweise auch das ungewöhnlich warme Wochenende, das auch in der Landeshauptstadt Stuttgart viele Menschen ins Freie zog.

Die aktuelle Stagnation der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg verleitete einige Virologen laut dem SWR bereits dazu, von einem direkten Übergang in die dritte Welle zu sprechen. Laut Andreas Welker, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis, ist die Lage jedoch nicht so eindeutig. „Wir haben in der letzten Zeit einen deutlichen Rückgang der Zahlen gesehen“, sagte er. „Allerdings hat sich dieser Rückgang jetzt abgeschwächt und eher in eine Seitwärts- oder vielleicht sogar eine leichte Aufwärtsbewegung umgewandelt.“ Deshalb werde die Infektionslage im Südwesten und in der Region beim Gesundheitsamt aktuell genau beobachtet. Bislang sei die Vorhersage einer dritten Welle jedoch „ein bisschen Glaskugel-Leserei“, sagte Welker. „Aber ja, es besteht natürlich durchaus die Möglichkeit, dass wir auf eine dritte Welle zusteuern.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Virologe optimistisch bei Schulöffnungen und Test-Strategie

Im schlimmsten Fall könnte die Öffnung der Schulen wieder zu einem Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg führen. Virologe Andreas Welker sieht eine solche Gefahr aktuell jedoch nicht. „Die Einrichtungen haben sehr gute Hygienekonzepte erarbeitet“, sagte er dem SWR. „Ich persönlich sage jetzt: Ich bin optimistisch, dass dann auch eine Öffnung gelingen kann.“ Eine gewisse Gefahr räumt der Experte jedoch auch beim Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen ein. „Das heißt nicht, dass es nicht vereinzelt auch zu Infektionen kommen wird“, so Welker. „Allerdings haben die bisherigen Studiendaten ja auch ergeben, dass diese Einrichtungen nicht zwingend zu den Treibern der Pandemie gezählt werden.“

Zeitgleich mit den Schulöffnungen am gestrigen Montag verkündete die Landesregierung auch eine Änderung der Impfreihenfolge in Baden-Württemberg. Demnach können Lehrer und Erzieher seit gestern einen Termin vereinbaren. Daneben entwickelte das Kultusministerium eine Test-Strategie an den Einrichtungen, die jedoch auf freiwilliger Basis beruht. Lehrkräfte und Erzieher sollen zweimal pro Woche einen Antigen-Schnelltest machen. „Die Schnellteststrategie per se finde ich sehr gut, da beim frühen Testen einfach die Möglichkeit besteht, recht frühzeitig Infektionsketten zu unterbinden“, sagte Andreas Welker dem SWR. Ein gewisses Risiko bleibe jedoch. „Es werden auch weiterhin durch Tests Fälle übersehen“, so der Heidelberger Virologe. „Man darf sich nicht in falscher Sicherheit wiegen.“

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