Gefährliche Lage

Kein freies Intensivbett mehr in 8 Landkreisen - Mediziner fordert „wirklich harten Lockdown“

Mitarbeiterinnen der Pflege in Schutzausrüstung betreuen einen Corona-Patienten.
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In acht Kreisen in Baden-Württemberg gibt es derzeit keine freien Intensivbetten mehr (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg müssen einige Menschen in Intensivbetten behandelt werden. Acht Kreise im Südwesten haben aktuell keine freien Betten mehr. In anderen wird es knapp.

Stuttgart - Eine Erkrankung mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche spüren von der Infektion überhaupt nichts, andere kämpfen mit Symptomen des Coronavirus, die jedoch nach einiger Zeit wieder abklingen. Bei schweren Fällen müssen die Patienten jedoch in Krankenhäusern behandelt und im schlimmsten Fall sogar invasiv beatmet werden. Am heutigen Freitag, dem 9. April, meldete das Landesgesundheitsamt 3.661 neue Infektionen mit dem Coronavirus im Südwesten. Die dramatische Lage zeigt sich auch bei der Angabe der Krankenhausstandorte mit Intensivbetten zur Akutbehandlung: Demnach sind die Kapazitäten im Bundesland aktuell zu 90,5 Prozent belegt.

Die Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg spitzt sich in den Krankenhäusern derzeit dramatisch zu. Kliniken verschieben bereits viele OP-Termine. Auch in den Krankenhäusern in Stuttgart sind laut dem Intensivregister nur noch 14 Prozent der verfügbaren Intensivbetten frei. In acht Kreisen im Südwesten ist die Lage jedoch besonders dramatisch, in ihnen gibt es aktuell überhaupt keine freien Betten mehr. Laut Gernot Marx, dem Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), ist die Lage jedoch in ganz Deutschland sehr dramatisch. Er fordert deshalb einen harten Lockdown, wie er im ZDF-Morgenmagazin sagte.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Gefährliche Lage in den Krankenhäusern

Durch die anhaltende Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg sind die Kliniken und Krankenhäuser ganz besonders gefordert. Gernot Marx geht davon aus, dass bis Ende April deutschlandweit rund 5.000 Patienten intensivmedizinisch behandelt werden müssen, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Das sei ein Anstieg von 80 bis 100 neuen Patienten pro Tag. Besonders besorgniserregend sei aktuell die geringe Zahl an freien Intensivbetten im Land. Dort müssten nämlich nicht nur Covid-19-Patienten versorgt werden, sondern auch solche mit einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt. In Baden-Württemberg sind derzeit nur noch etwas mehr als zehn Prozent der belegbaren Betten frei, in den folgenden acht Kreisen sogar keine mehr:

  • Landkreis Biberach
  • Landkreis Calw
  • Landkreis Freudenstadt
  • Landkreis Heidenheim
  • Stadtkreis Heilbronn
  • Hohenlohekreis
  • Landkreis Rastatt
  • Landkreis Waldshut

(Quelle: intensivregister.de)

Aufgrund der hohen Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg kommen auch weitere Kreise im Südwesten nach und nach an ihre Grenzen. Beispielsweise liegt der Anteil an freien Intensivbetten im Alb-Donau-Kreis nur noch bei 6,25 Prozent und im Landkreis Karlsruhe bei 8 Prozent. Der Landkreis Tuttlingen hat im Bundesland noch die meisten Betten frei, doch auch dort sind es nur noch die Hälfte der insgesamt belegbaren.

Mediziner: „Wir brauchen wirklich einen harten Lockdown“

Aufgrund der Lage mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland wollten die Regierungschefs in der kommenden Woche erneut zu einem Corona-Gipfel zusammenkommen. Diese Konferenz wird nun jedoch nicht stattfinden, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin mit.

Gernot Marx hatte sich nach eigenen Angaben erhofft, dass bei diesem Treffen ein harter Lockdown entschieden werde. „Wir brauchen wirklich einen harten Lockdown“, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. Die Intensivmediziner fordern nicht zuletzt aufgrund der dramatischen Lage in den Kliniken und Krankenhäusern seit Wochen eine solche Maßnahme.

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