RKI untersucht Corona-Hotspot

Eine kleine Gemeinde im Hohenlohekreis soll zeigen, wie sich das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet

Ein Arzt in Schutzkleidung nimmt mit einem Abstrichstäbchen für einen Corona-Test eine Probe aus dem Mundraum einer Frau.
+
Das Robert-Koch-Institut will bei den rund 2.000 Studienteilnehmern in Kupferzell nicht nur Rachenabstriche machen, sondern auch Blut abnehmen.
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat sich in vielen Orten sehr schnell verbreitet. Auch in Kupferzell im Hohenlohekreis gab es innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Covid-19-Erkrankungen. Das Robert-Koch-Institut will nun herausfinden, warum.

  • Die Forschung ist nach wie vor dabei, die Verbreitung des Coronavirus nachzuvollziehen.
  • In vielen Orten in Baden-Württemberg und ganz Deutschland hat sich Covid-19 schnell verbreitet.
  • In Kupferzell im Hohenlohekreis will das Robert-Koch-Institut die Verbreitung des Coronavirus jetzt untersuchen.

Kupferzell - Die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg ging rasend schnell - und hält immer noch an. Einer der Corona-Hotspots ist der Hohenlohekreis. Dort gab es bis heute laut Robert-Koch-Institut 756 Infektionen mit dem Coronavirus, 44 Menschen sind an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

In Kupferzell im Hohenlohekreis gab es im März laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) besonders viele Neuinfektionen innerhalb kurzer Zeit. Aufgrund dieses sprunghaften Anstiegs interessiert sich das Robert-Koch-Institut (RKI) nun für die Gemeinde. Kupferzell sei außerdem besonders für eine Untersuchung geeignet, weil der Ort auf dem Land liege und relativ isoliert sei. Lange Zeit habe es im Hohenlohekreis die meisten Infizierten pro 100.000 Einwohner in ganz Baden-Württemberg gegeben, teilte das RKI bei einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag mit. Im Rahmen der Studie „Corona-Monitoring lokal“ will das Institut die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg und in ganz Deutschlands besser verstehen.

Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg: Fast ein Drittel der Einwohner von Kupferzell soll untersucht werden

Das Robert-Koch-Institut will deshalb rund 2.000 zufällig ausgewählte Erwachsene der Gemeinde Kupferzell im Hohenlohekreis zur Teilnahme an der Studie einladen. Alle Eingeladenen seien zudem mindestens 18 Jahre alt, sagte Claudia Santos-Hövener, Leiterin der Studie, bei der Pressekonferenz. Das wäre fast ein Drittel der Bevölkerung der kleinen Gemeinde. Gerade einmal 6.255 Menschen leben hier. In den vergangenen sieben Tagen hatte es in Kupferzell nur noch 9,8 Infektionen je 100.000 Einwohner gegeben, auch hier scheinen die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg also Wirkung gezeigt zu haben.

Die Forscher des Robert Koch-Instituts interessiert vor allem, bei wie vielen Menschen in Kupferzell sich bereits Antikörper gegen das Coronavirus nachweisen lassen. Außerdem wollen sie untersuchen, wie hoch der Anteil von Infektionen ist, die ohne Krankheitssymptome verlaufen. Das Robert-Koch-Institut untersucht dabei auch, welche Personengruppen häufiger betroffen sind und wie viele Covid-19-Erkrankungen einen schweren Verlauf haben. Vor allem die Risikogruppe ist durch das Coronavirus in Baden-Württemberg gefährdet, weshalb Schutzmaßnahmen wie der Mindestabstand unbedingt eingehalten werden sollten. Außerdem gilt zum Schutz vor Covid-19 seit dem 27. April eine Maskenpflicht beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. 

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kupferzell einer von vier besonders betroffenen Orte

Die Teilnahme an der Studie ist zwar freiwillig, der Hohenlohekreis und die Gemeinde Kupferzell riefen alle Eingeladenen aber zur Beteiligung auf, so die dpa. Für die Untersuchung wird den Probanden Blut abgenommen, ein Rachenabstrich gemacht und Fragen zu Vorerkrankungen gestellt. Mit den Ergebnissen können die Probanden aus Kupferzell in rund sechs Wochen rechnen, sagte RKI-Studienleiterin Santos-Hövener während der Pressekonferenz.

Neben dem Corona-Hotspot Kupferzell im Hohenlohekreis will das Robert-Koch-Institut außerdem noch drei weitere Orte untersuchen, wo sich das Coronavirus besonders schnell verbreiten konnte und die deshalb besonders stark von der Covid-19-Pandemie betroffen waren. In welchen Bundesländern diese Orte liegen, gab das Robert-Koch-Institut zunächst nicht bekannt. Die Untersuchung sei jedoch nicht auf die Gesamtsituation in Deutschland übertragbar, sagte Thomas Lampert vom RKI bei der Pressekonferenz. Um die Lage in ganz Deutschland besser verstehen zu können, werde gerade eine bundesweite Studie geplant.

Da sich das Coronavirus in Baden-Württemberg langsamer verbreitet als noch vor einigen Wochen, hat die Landesregierung weitreichende Lockerungen für viele Bereiche des Alltags beschlossen. So dürfen ab dem heutigen 18. Mai unter anderem Restaurants wieder öffnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare