Ende in Sicht

Plan steht: Gastronomie wird stufenweise geöffnet - für Getestete und Geimpfte

Eine Frau läuft an einem Gasthaus vorbei, dessen Außenbereich geschlossen ist.
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Die Gastronomie in Baden-Württemberg soll wieder öffnen dürfen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat viele Verlierer hervorgebracht: Vor allem die Gastronomie hat es stark getroffen. Nun wird der Branche jedoch die Öffnung in Aussicht gestellt.

Stuttgart - Die Tische und Stühle stehen im Regen. Sie sind aneinander gekettet, sodass niemand daran Platznehmen kann. Die wenigen Menschen auf der Straße gehen an ihnen vorbei, manche von ihnen werfen ihnen traurige Blicke zu, andere ignorieren sie. Es ist ein Bild, dass in vielen Städten in ganz Deutschland herrscht: Restaurants, Kneipen und auch Hotels haben aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg seit Monaten keine Gäste. Höchstens Essen zum Mitnehmen ist erlaubt, aber das kann nicht jeder Gastronom anbieten. Viele von ihnen stehen vor dem finanziellen Ruin.

Ein Lichtblick für die Branche bietet nun das baden-württembergische Gesundheitsministerium. Wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, bereiten das Land konkrete Öffnungsschritte für Hotels und Gastronomie vor. Vertreter der Hotel- und Gaststättenbranche hatten darum gebeten, rechtzeitig Informationen aus der Politik zu erhalten, nachdem in dieser Woche ein Spitzentreffen stattgefunden hat. Eine Öffnung benötige Vorlauf, heißt es. Noch vor Pfingsten soll die Branche darüber informiert werden, welche Betriebe zu welchen Bedingungen öffnen können.

Öffnung von Gastronomie: Bleiben die Zahlen zwei Wochen stabil, können weitere Betriebe öffnen

Für die Öffnung von Gastronomie und Hotels hat Manfred Lucha (Grüne), Sozial- und Gesundheitsminister des Landes, ein dreistufiges Verfahren in Aussicht gestellt. Da die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg in den letzten Wochen aufgrund der bundesweiten Notbremse gesunken sind, soll mit diesem Verfahren die Öffnung von Restaurants und anderen Betrieben ermöglicht werden.

In dem dreistufigen Plan wird zunächst vorgesehen, die Außengastronomie zu öffnen. Dazu zählen beispielsweise Biergärten oder Terrassen von Cafés, aber auch Hotels und der Einzelhandel sollen in Stufe 1 wieder öffnen können. Die schrittweise Öffnung ist jedoch nach wie vor abhängig von der Inzidenz des Coronavirus in Baden-Württemberg. Erst, wenn nach dem ersten Schritt die Zahlen 14 Tage lang stabil niedrig bleiben, können weitere Öffnungen folgen.

Video: Die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg sinken

Coronavirus in Baden-Württemberg: Modellprojekte wie in Tübingen sollen bei Öffnung helfen

Wie die Regierung in der Landeshauptstadt Stuttgart nach Informationen des SWR verkündet hat, können die Öffnungsschritte angegangen werden, wenn in den jeweiligen Stadt- und Landkreisen eine stabil fallende Inzidenz unter 100 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen nachzuweisen ist. Obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Kritik an Modellprojekten wie in Tübingen übte, sollen diese Öffnungsstufen nun durch gezielte Modellprojekte in ausgewählten Bereichen flankiert werden. Dazu sagte Manfred Lucha: „Ziel unserer Öffnung mit Augenmaß ist es, bei sinkenden Inzidenzen für weitgehend alle Branchen Perspektiven zu eröffnen, dabei das Pandemiegeschehen im Griff zu behalten und den Erfolg der Impfungen nicht zu gefährden.“ Daher sehe der Stufenplan eine kontrollierte und schrittweise Öffnung vor.

Das Gesundheitsministerium will bereits in der kommenden Woche die Öffnungsstrategie auch rechtlich ausgearbeitet haben. Es sei nötig, einen gewissen Vorlauf zu haben, um die Regelungen vorzubereiten, sowie der gebeutelten Branche genügend Zeit für wichtige Vorbereitungen zu lassen.

Hotels und Gastronomiebetriebe benötigen Zeit, um Betriebe auf Öffnung vorzubereiten

Wie der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Baden-Württemberg, Fritz Engelhardt, dem SWR sagte, müssen vor einer Öffnung nach dem langen Lockdown durch das Coronavirus in Baden-Württemberg noch einiges geregelt werden: Waren beschaffen, Zimmer reinigen, Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückrufen - all das brauche Vorlauf. „Es ist deshalb extrem wichtig, dass die Landesregierung uns jetzt einen konkreten Termin nennt, ab wann die Lockerungen greifen“, so der Dehoga-Chef.

Um die Öffnungen von Gastronomiebetrieben und Hotels nicht zu gefährden, fordert die Dehoga, dass grundsätzlich alle Gäste getestet, genesen oder geimpft sein müssen. Zudem solle man die Betriebe komplett öffnen. So könne man Probleme vermeiden: „Die Hygienekonzepte der Gastronomie funktionieren außen und innen. Wenn ohnehin nur Geimpfte, Genesene und negativ Getestete Zutritt bekommen, sind aus unserer Sicht beherztere Öffnungsschritte verantwortbar.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Landesregierung ist vorsichtig optimistisch

Die Landesregierung ist noch vorsichtig optimistisch, was die sinkenden Infektionszahlen des Coronavirus in Baden-Württemberg betrifft. Lockerungen in der Gastronomie an Pfingsten hält sie jedoch für möglich. Gesundheitsminister Manfred Lucha möchte weitere Modelle wie in Tübingen untersuchen. Er sagt: „Wenn sich das dann 14 Tage bewährt und die Inzidenz sinkt, dann werden wir weitere Bereiche versuchen mit einzubauen und dann weiter zu öffnen.“ Die Voraussetzung dafür sei aber, dass auch bei gelockerten Auflagen die Ansteckungszahlen zurückgingen.

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