Gegen Lauterbachs Appell

„Es reicht jetzt“: Boris Palmer fordert Lockdown-Ende

  • Sina Alonso Garcia
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer setzt sich für ein Ende der strikten Corona-Maßnahmen ein - ab Februar will er kontrolliert öffnen.

Tübingen - In Tübingen, unweit der Landeshauptstadt Stuttgart, geht man einen besonderen Weg im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) legte von Anfang an seinen Fokus auf den Schutz älterer Menschen. Die Strategie der Tübinger sieht vor, kostenlose Schnelltests an die Risikogruppen auszugeben und vorrangig in Pflege- und Altenheimen zu testen.

Während die Test-Strategie in Tübingen viel Beachtung und Lob findet, macht Boris Palmer auch regelmäßig mit Äußerungen zu den Corona-Maßnahmen von sich Reden. So forderte er beispielsweise, mit der Corona-Warn-App auf mehr Handydaten zuzugreifen. Mit dem Corona-Lockdown ging er hart ins Gericht und sprach von „mittelalterlichen Methoden“. Jetzt fordert Palmer ein schnelles Ende des Lockdowns.

Tübingens OB Boris Palmer argumentiert gegen SPD-Politiker Karl Lauterbach

„Wir können uns einfach nicht mehr abverlangen als wir uns jetzt schon abverlangen“, sagte Boris Palmer in einer Sendung der Bild. „In meinem Umfeld ist jetzt Schluss. Schärfer geht nicht mehr, die Leute sagen: Ich mache da nicht mehr mit.“ Ebenfalls zugeschaltet war Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD), dessen Forderung, erst bei einer 7-Tage-Inzidenz von unter 50 Geschäfte und Co. wieder zu öffnen, von Palmer scharf kritisiert wurde. Anfang Februar müsse kontrolliert wieder geöffnet werden, appellierte der Tübinger Oberbürgermeistere: „Es reicht jetzt.“

Karl Lauterbach ist bekannt für die Forderung nach strengen Corona-Regeln. Er plädierte dafür, abzuwarten, bis die Zahl der Neuinfektionen auf unter 50 pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gesunken ist. Boris Palmer fürchtet jedoch, dass der Lockdown unter diesen Umständen noch mehrere Monate dauern könnte. Sein Gegenvorschlag zu Lauterbach: „Ab Anfang Februar müssen wir kontrolliert wieder aufmachen - mit Hygienekonzepten selbstverständlich.“ Palmer betonte, dass die Schäden an der Wirtschaft und der Gesellschaft derzeit beunruhigend steigen.

Boris Palmer: Tübinger OB fürchtet Lockdown bis Ende April

Auf seiner Facebook-Seite schreibt Boris Palmer außerdem: „Wer an einer Inzidenz unter 50 festhält, plädiert in Wahrheit für einen Lockdown bis der Frühling uns rettet. Wenn es läuft wie letztes Jahr, heißt das: bis Ende April.“ Das will der Tübinger OB unbedingt verhindern. „Der Spielraum für kontrollierte Öffnungen vor allem im Bildungswesen ist da. Er wird durch die Impfungen der Risikogruppe jeden Tag größer.“ Man dürfe nicht länger warten als unbedingt erforderlich, so Palmer.

Auch Händler in Baden-Württemberg sträuben sich vermehrt gegen die Maßnahmen und Verbote der Politik. Innerhalb einer Telegram-Gruppe schlossen sich Unternehmer zur Initiative „Wir machen auf“ zusammen. Sie kündigten an, den verlängerten Lockdown „nicht zu akzeptieren“ und trotz einschlägiger Corona-Verbote am 11. Januar zu öffnen.

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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