Kampf gegen Corona

„Schlimmer, als ich befürchtet hatte“: Chef des Weltärztebundes entsetzt über deutsche Corona-Politik

Corona-Patient wird auf einer Intentivstation beamtet
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„Todeszahlen steigen“: Der Chef des Weltärztebundes ist entsetzt über die Corona-Politik in Deutschland
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Das Coronavirus in Deutschland breitet sich weiter aus. Die Landesregierungen beschlossen drastische Maßnahmen ab Montag - das ist dem Chef des Weltärztebundes nicht früh genug.

Baden-Baden - Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland steigen mit alarmierender Geschwindigkeit weiter an. Vor einigen Tagen wurde der Landkreis Esslingen zum Hotspot und zeigte, was dem Rest des Landes drohen könnte. Die Landeshauptstadt Stuttgart wurde nur wenige Tage später zum Risikogebiet erklärt.

Durch die steigenden Zahlen beschloss die Landesregierung weitreichende Maßnahmen. In den Innenstädten gilt nun beispielsweise immer eine Maskenpflicht, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschloss gemeinsam mit den Ministerpräsidenten noch drastischere Schritte. Ab Montag, den 2. November, gilt ein Teil-Lockdown.

Mit der Corona-Politik der Bundesregierung ist der Chef des Weltärztebundes nicht einverstanden. Seiner Meinung nach kommen die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland nicht schnell genug, wie Frank Ulrich Montgomery am Donnerstag in Baden-Baden gegenüber dem SWR sagte.

Coronavirus in Deutschland: „Im Anfluten der zweiten Welle“

Für Frank Ulrich Montgomery, den Vorsitzenden des Weltärztebundes, kommen die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland sehr spät. Die neuen Auflagen wurden am Mittwoch, 28. Oktober, von Kanzlerin Merkel und den Länderchefs besprochen, treten jedoch erst fünf Tage später in Kraft. „Nach meiner Auffassung kommen sie auf den allerletzten Drücker“, sagte Montgomery dem SWR. „Ich frage mich auch, warum wir dem Virus jetzt noch bis Montag Zeit geben müssen“.

Nicht nur die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland steigen weiter an. Auch Krankenhäuser und Kliniken melden immer mehr Patienten auf den Intensivstationen. Nach Einschätzung von Montgomery befinde sich ganz Deutschland „im Anfluten der zweiten Welle“ der Pandemie.

„Inzwischen steigen ja auch wieder die Zahlen auf den Intensivstationen, steigen die Zahlen der Erkrankten in Krankenhäusern, und auch die Todeszahlen steigen wieder an“, sagte der Mediziner dem SWR. „Es ist, so furchtbar das klingt, sogar schlimmer, als ich ursprünglich befürchtet hatte“.

Coronavirus in Deutschland: Anstieg der Zahlen liegt laut Montgomery an den „unvernünftigen“ Menschen

Die große Gefahr durch das Coronavirus in Deutschland geht davon aus, dass es noch immer keine Heilung oder eine Therapiemethode gibt. Um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, muss demnach die Bevölkerung konsequent den Regeln folgen. Das wird laut Montgomery oftmals stark vernachlässigt.

Laut ihm reicht die AHA-Regel (Abstand-Hygienemaßnahmen-Alltagsmaske) im Prinzip aus, er gibt jedoch zu bedenken: „Die Menschen sind zu unvernünftig. Ich frage mich, was noch geschehen muss, damit man manchen Menschen die Lektion beibringt, dass dieses Virus bisher nicht durch eine Therapie behandelt werden kann, dass wir nur durch Prävention, nur durch kluges Verhalten diesem Virus Paroli bieten können“.

Der Mediziner rechnete nach eigenen Angaben mit einer Anzahl von 20.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland pro Tag zum Jahresende. Diese Zahl werde nun bereits schon in der nächsten oder übernächsten Woche erreicht, wie Montgomery vermutet.

Die Politik habe nun die schwierige Aufgabe, zwischen den gesundheitlichen und den sozialen Folgen abzuwägen. Der Teil-Lockdown sieht vor, Restaurants bis zum Monatsende vollständig zu schließen. Das könne Montgomery nach eigenen Angaben nicht ganz nachvollziehen. „Wenn ein Restaurant ein sehr gutes Hygienekonzept hat, dann könnte man das auflassen“, sagte er gegenüber dem SWR.

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