Kundgebung in Erfurt

Mutiger Auftritt: Anwalt aus Baden-Württemberg bringt Corona-Demonstranten aus der Fassung

Screenshot eines Videos auf YouTube. Es zeigt einen mutigen Anwalt aus Baden-Württemberg, der Demonstranten einer Corona-Demo aus der Fassung bringt.
+
Ein Video auf YouTube zeigt einen mutigen Anwalt aus Baden-Württemberg, der Demonstranten einer Corona-Demo in Erfurt aus der Fassung bringt.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
    schließen

Eine Kundgebung von Corona-Skeptikern in Erfurt nahm für deren Teilnehmer eine unerwartete Wendung - ein Anwalt aus Baden-Württemberg sagte ihnen die Meinung.

Offenburg/Erfurt - Aufgrund der strengen Maßnahmen und Verbote zum Infektionsschutz wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg bildete sich bereits im Frühjahr die Bewegung „Querdenken 711“, die ihren Ursprung in Stuttgart hat. Ziel der Initiative ist die Abschaffung sämtlicher Beschränkungen, die insbesondere jetzt, da im Südwesten die höchste Warnstufe gilt, noch einmal verschärft wurden.

Im Laufe der vergangenen Monate formierten sich diverse Ableger von „Querdenken“, die seitdem auch über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus agieren und bei Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus protestieren. Erst am Samstag kam es zu einer solchen Kundgebung in Erfurt. Für deren Teilnehmer nahm diese jedoch eine unerwartete Wendung.

Erfurt: Anwalt aus Baden-Württemberg spricht auf Corona-Demo - er hat eine klare Meinung

Etwa 120 „Querdenker“ hatten sich gegen Samstagnachmittag auf dem Domplatz von Thüringens Landeshauptstadt versammelt, um sich dort unter anderem für die Abschaffung der Maskenpflicht, wie sie auch im Südwesten herrscht, auszusprechen. Einer der Zuschauer: ein Besucher aus Baden-Württemberg, der wohl zufällig Zeuge der Demonstration war - und dem das Gesagte mutmaßlich irgendwann zu viel wurde.

Ein Video auf YouTube zeigt, wie ein Redner die Kundgebung plötzlich unterbricht, um „einen interessanten Bürger“ anzukündigen, der den Anwesenden „gerne etwas sagen würde“. Da es sich um „eine offene Veranstaltung“ handle, wie der Sprecher sagt, würden sie auch mit allen reden. Kurz darauf tritt ein Mann in die Menge, der zum Missfallen der Demonstranten einen Mund-Nasen-Schutz trägt und diesen auch nach Aufforderung eines Teilnehmers nicht abnimmt. „Maske ab“, dröhnt es aus der Menge.

„Meine Maske lasse ich auf, vielen Dank“, kontert der Mann, bei dem es sich um einen Rechtsanwalt aus Offenburg handelt. Mit vorläufigem Verständnis für die Demonstranten spricht er durchs Mikrofon weiter: „Ich habe mir das jetzt hier kurz angehört. Und ich kann es verstehen: Keiner von uns mag die Auflagen, die wir derzeit zu durchleiden haben. Masken nerven. Keine Frage: Die ganzen Auflagen sind nervig“.

Anwalt aus Baden-Württemberg bringt Demonstranten auf Corona-Demo aus der Fassung

Mit seinen folgenden Aussagen zum Coronavirus handelt er sich dann jedoch höhnisches Gelächter, Pfiffe und Buh-Rufe ein: „Wer sich hier hinstellt und den Rücktritt sämtlicher Regierungen fordert, redet Unsinn. Ich habe vor drei Jahren nicht meine Stimme in einer demokratischen Wahl abgegeben, damit hier irgendwelche Leute auflaufen und die gesamte Abschaffung des Systems verlangen. Diejenigen, die den Rücktritt der Regierung und einen kompletten Systemwechsel fordern, müssen sich sagen lassen: Das sind Feinde unserer Demokratie“.

Diese Ansicht scheinen die Corona-Skeptiker jedoch nicht zu teilen. Sie pfeifen den Offenburger aus und werfen ihm laute Zwischenrufe wie „Hör doch auf!“, „Widerwärtig, was der hier erzählt“ oder „Das sind doch alles Verbrecher!“ zu. Von den Beschimpfungen lässt sich der Anwalt aus Baden-Württemberg jedoch nicht aus der Ruhe bringen.

Zwischenzeitliche Parolen gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel kommentiert er gelassen: „Ich bin auch kein großer Freund von Frau Merkel, aber sie ist nun mal die demokratisch gewählte Kanzlerin dieses Landes - ob Ihnen das gefällt oder nicht. Sie haben alle das Recht, im nächsten Herbst jemand anderen zu wählen, aber ich habe große Zweifel daran, dass Sie eine Mehrheit bekommen“.

Seine Worte scheinen für einige der Corona-Demonstranten schwer zu ertragen zu sein. Im Hintergrund ist zu sehen, wie ein junger Mann unruhig hin- und herläuft und die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Ein anderer bedeckt sein Gesicht mit den Händen.

Dann wirft Redner aus Baden-Württemberg einen Blick auf seine Uhr und beendet seinen Auftritt mit den Worten: „Gut, ich muss auf meinen Zug, vielen Dank für die Möglichkeit, hier etwas zu sagen und ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag“.

Corona-Demo in Erfurt: Demonstranten fassungslos nach Rede von Anwalt aus Offenburg

Unter weiteren Pfiffen gibt der Baden-Württemberger das Mikrofon einem Teilnehmer der Demonstration zurück, den man noch sagen hört: „War total sinnlos, was du gesagt hast, also sorry“. Dann verlässt er die Veranstaltung. Ein Sprecher der Corona-Demonstration kommentiert jedoch richtigerweise: „Das müssen wir uns auch anhören. Das ist Demokratie“.

Dann holt er mit einer absurden Theorie jedoch zum Gegenschlag aus: „Aber nicht die Demokratie, die er gerade beschrieben hat. Demokratie habt ihr gerade in Neuseeland gesehen. Die haben den härtesten Lockdown gemacht, aller Zeiten, von der ganzen Welt. Und die Premierministerin ist demokratisch wieder gewählt worden - ja wer glaubt denn so was?“ Dann fügt er noch hinzu: „Und hier ist es auch nicht anders und nächstes Jahr wird es keine Wahlen mehr geben“. Aus welchem Grund das so sein soll, lässt er jedoch offen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare