Impfung gegen Coronavirus

Impfstoff gegen Coronavirus: Firma aus Tübingen meldet Erfolg - doch das ist noch kein Grund zum Jubeln

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
    schließen

Das Biotech-Unternehmen Curevac aus Tübingen arbeitet an einer Impfung gegen das Coronavirus und meldet einen Teilerfolg. Doch das bedeutet nicht, dass es bald einen Impfstoff geben wird.

  • Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und auf der ganzen Welt wird unter Hochdruck an einem Impfstoff geforscht.
  • Das Biotechnologie-Unternehmen Curevac aus Tübingen hat nun erste Erfolge bei Tierversuchen gemeldet.
  • Ein Impfstoff gegen das Coronavirus muss mehrere Phasen durchlaufen und es kann Monate dauern, bis er für die breite Masse verfügbar ist.

Tübingen - Während sich das Coronavirus in Baden-Württemberg und auf der ganzen Welt weiterhin verbreitet, arbeiten Forscher mit Hochdruck an einem Impfstoff. Das Biotechnologie-Unternehmen Curevac aus Tübingen hat einen ersten Teilerfolg erzielt und vielversprechende Ergebnisse eines potenziellen Impfstoffs bei Tierversuchen gemeldet. Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten eine marktreife Impfung gegen das Coronavirus für die breite Masse verfügbar ist.

Um das Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, wird vor allem auf Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Hygieneauflagen gesetzt. Experten aus der Wissenschaft sind sich jedoch einig, dass die Covid-19-Pandemie letztendlich nur mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus aufgehalten werden kann. Die Biotech-Firma Curevac aus Tübingen ist nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) eines von acht Unternehmen in Deutschland, das an einem Corona-Impfstoff arbeitet.

Curevac aus Tübingen forscht an neuartigem Impfstoff gegen das Coronavirus

Coronavirus in Baden-Württemberg: Curevac aus Tübingen forscht an Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus.

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ruht auch die Hoffnung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf einem Impfstoff. In einer Regierungserklärung Ende April hatte Kretschmann gesagt, eine schnelle Rückkehr zur Normalität werde es erst mit einem Impfstoff geben, was noch viele Monate dauern könne. Curevac aus Tübingen hat nun erste Daten des Impfstoff-Projekts veröffentlicht und teilte in einer Pressemitteilung mit, es habe bei einer präklinischen - also an Tieren durchgeführten - Studie eine ausgewogene Immunantwort gegeben.

Das Coronavirus scheint demnach erfolgreich bekämpft zu werden. Außerdem seien bei einer nur niedrigen Dosierung eine hohe Anzahl von Stoffen und Zellen gebildet worden, die das Coronavirus neutralisierten. Man habe bereits damit begonnen, große Mengen der Impfung herzustellen.

Trotz des Zwischenerfolgs des Biotech-Unternehmens Curevac aus Tübingen wird es vermutlich noch Monate dauern, bis der Impfstoff gegen das Coronavirus auf den Markt kommt. Viele Unternehmen, darunter auch Curevac, versuchen angesichts der Covid-19-Pandemie neuartige Impfstoffe zu entwickeln, um den Prozess zu beschleunigen. Bei herkömmlichen Impfungen muss das Virus zunächst vermehrt werden, um es in einer abgeschwächten Form oder als zerstörte Reste verabreichen zu können - das dauert mehrere Monate.

Coronavirus: Neuer Impfstoff kann von Curevac schnell und in großen Mengen hergestellt werden

Die Impfung gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 enthält dagegen sogenannte virale messenger RNA (mRNA), eine Art Bauplan des Coronavirus. Wird dieses Virus-Erbgut geimpft, kann der menschliche Körper anhand des Bauplans das Oberflächenprotein des Virus selbst herstellen. Das Immunsystem erkennt und bekämpft es folglich. Dieser kleine Teil des Erbguts ist ungefährlich, was mögliche Nebenwirkungen reduziert. Ein weiterer Vorteil ist, dass Unternehmen wie Curevac in Tübingen den Impfstoff schnell in großen Mengen herstellen können.

Die neue Art von Impfstoff gegen das Coronavirus, die das Biotechnologie-Unternehmen Curevac in Tübingen herstellt, muss jedoch exakt dasselbe Verfahren durchlaufen wie gewöhnliche Impfstoffe.

Ein Impfstoff gegen das Coronavirus muss sechs Phasen durchlaufen

Die sechs Etappen, die jeder neue Impfstoff durchlaufen mussZweck der Phase
Analyse des VirusErforschung, was an dem Virus Immunreaktionen hervorruft
Design des ImpfstoffsErforschung, welche Teile des Virus und welche Zusatzstoffe enthalten sein sollen
Erprobung mit TierenTest auf Wirksamkeit und Verträglichkeit
Erprobung mit FreiwilligenTest auf Wirksamkeit und Verträglichkeit beim Menschen, wird in mehreren Phasen durchgeführt
ZulassungsverfahrenUmfassendes Zulassungsverfahren, national durch das PEI oder oder unter Mitwirkung des PEI bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA
MassenproduktionHerstellung des Impfstoffs in großen Mengen für die Bevölkerung

Nach den sogenannten präklinischen Studien - den Tests an Tieren - wie sie das Tübinger Unternehmen Curevac zur Herstellung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus nun durchgeführt hat, folgen die klinischen Studien (am Menschen). Diese sind in drei eigene Phasen unterteilt. Phase eins, die erste Studie am Menschen, kann innerhalb von drei Monaten ein Ergebnis liefern. Sie muss klären, ob auch Menschen den neuen Impfstoff gut vertragen. Phase zwei und drei einer Studie soll erneut bestätigen, dass der Impfstoff unschädlich ist, aber gleichzeitig eine Immunreaktion im Körper auslöst. Mehrere hundert bis zu tausend Probanden nehmen an mehreren Testläufen teil - darunter eventuell auch schon Risikogruppen.

Für die klinischen Studienphasen zur Erprobung eines neuen Impfstoffs ist keine genaue Dauer festgelegt. Angesichts der aktuellen Coronavirus-Pandemie versuchen Unternehmen wie Curevac aus Tübingen aber, die Phasen möglichst kurz zu halten, um schnell eine Impfung gegen das Coronavirus auf den Markt bringen zu können. Zum Vergleich: Bei der Entwicklung der Ebola-Impfung dauerten die klinischen Phasen zwischen drei und zwölf Monaten.

Bis zur Marktreife des Coronavirus-Impfstoffs von Curevac aus Tübingen könnte es noch Monate dauern

Experten erwarten einen großflächigen Einsatz der Impfung gegen das Coronavirus frühestens im kommenden Jahr. Doch auch dann noch nicht als zugelassener Impfstoff für die breite Masse, sondern im Rahmen einer klinischen Studie in Phase drei: Mehrere tausend bis zehntausend Probanden, vermutlich aus der Risikogruppe, würden dann mit dem neuen Impfstoff gegen das Coronavirus geimpft.

Für gewöhnlich wird in dieser Phase die neue Impfung einem vergleichbaren Stoff gegenübergestellt, um zu testen, welches Präparat besser wirkt. Dieses Vorgehen ist im Fall des Coronavirus allerdings nicht möglich, da noch kein Impfstoff existiert. Im Schnitt dauert diese Phase ein Jahr. Zum Vergleich: Bei der Entwicklung des Ebola-Impfstoffs wurden mehrere klinische Studien in Phase drei mit unterschiedlicher Dauer gleichzeitig durchgeführt. Bis zur Zulassung sind jedoch anschließend mehr als zwei Jahre vergangen.

Die Zulassung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus vor dem Jahr 2022 ist zwar nicht vollkommen ausgeschlossen - noch nie wurden so schnell potenzielle Impfstoffe entdeckt und entwickelt. Basierend auf Erfahrungswerten scheint eine frühere marktreife Impfung gegen das Coronavirus aber eher unrealistisch zu sein. Eine weiterer Unsicherheitsfaktor ist, dass mRNA-Impfungen, wie sie Curevac in Tübingen herstellt, trotz jahrelanger Forschung bisher noch nie zugelassen und auf den Markt gebracht wurden.

Auch Covid-19-Tests sind eine wichtige Waffe im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. So haben ehemalige Doktoranden der Universität Freiburg mit ihrem Start-up einen Corona-Schnelltest entwickelt. Dazu haben die Forscher einen bestehenden Schnelltest umgerüstet, an dessen Grundkonzept ihr Doktorvater an der Uni Freiburg schon seit 30 Jahren forscht. Die Landesregierung von Baden-Württemberg glaubt an den Erfolg und unterstützt das Projekt mit 6 Millionen Euro.

Impfstoff gegen Covid-19: Tübinger Immunologe entwickelt erfolgreiches Mittel

Auch der Tübinger Immunologe Hans-Georg Rammensee hat einen Covid-19-Impfstoff entwickelt. Er hat das Biotech-Unternehmen Curevac mitgegründet und sitzt heute noch im wissenschaftlichen Beirat. Bei dem Verfahren von Hans-Georg Rammensee werden virusspezifische Peptide mit einem Zusatzstoff kombiniert. Dadurch werden die T-Zellen des Immunsystems alarmiert, die zur Produktion von Antikörpern gegen das Coronavirus anregen. Die Nachricht hatte für Aufsehen gesorgt, weil der Tübinger Immunologe den Corona-Impfstoff an sich selbst testete. Eine klinische Studie soll jetzt klären, ob der Impfstoff massentauglich ist.

Die Bundesrepublik unterstützt die Forschung von CureVac mit einer Investition von 300 Millionen Euro. Das gaben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Dietmar Hobbs, Mitgründer des Softwarekonzerns SAP am 15. Juni bekannt. Auch von Tesla-Chef Elon Musk bekommt CureVac unverhoffte Unterstützung. Das Biotech-Unternehmen soll jedoch unabhängig bleiben.

Neben dem Geld von Bund un Investoren plant CureVac jetzt auch Einnahmen durch die US-Börse. Der Börsengang soll CureVac 209 Millionen Euro bringen.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare