Impfstoff aus Tübingen

Skurril: Curevac-Impfstoff verzögert sich, weil es nicht genug Corona-Kranke gibt

Tübinger Impfstoff-Studie: Ein Arzt führt vor, wie er eine junge Frau gegen Corona impft.
+
Dem Tübinger Impfstoff-Hersteller Curevac fehlen Patienten zum Impfen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
    schließen

Immer mehr Menschen werden gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft. Doch der Tübinger Impfstoff Curevac lässt auf sich warten - aus einem durchaus skurrilen Grund.

Tübingen - Der Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ist in vollem Gange: Knapp zwei Millionen Menschen im Südwesten sind bereits vollständig geimpft, mehr als 4,5 Millionen haben eine Erstimpfung erhalten (Stand: 30. Mai). Die meisten von ihnen wurden mit dem Stoff von Biontech geimpft - und das, obwohl Baden-Württemberg doch sein eigenes Vakzin hat: Doch der Tübinger Impfstoff von Curevac ist noch immer nicht zugelassen und befindet sich noch in Studienphasen.

Dass der Tübinger Impfstoff von Curevac noch nicht gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg eingesetzt werden kann, hat unterschiedliche Gründe. So blockierte die USA Exporte für die Herstellung des Curevac-Impfstoffes im Mai. Außerdem bedrohte eine umstrittene Patent-Forderung der USA Curevac. Doch nun scheint das Unternehmen kurz vor der Zulassung zu stehen. Oder etwa doch nicht?

Video: Die aktuellen Coronazahlen für Stuttgart und Baden-Württemberg

Curevac-Impfstoff gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg: Deutlich geringere Dosis nötig

Der Impfstoff von Curevac hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Biontech: Zum Schutz gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind von dem Präparat deutlich geringere Dosen nötig als bei der Konkurrenz. Dennoch ist das Vakzin noch nicht zugelassen. Wie der Geschäftsführer des Tübinger Unternehmens berichtet, fehlen noch immer Daten zur Wirksamkeit. Franz-Werner Haas versicherte jedoch, dass noch im Juni zumindest mit einem Studienupdate zur Wirksamkeitsanalyse zu rechnen sei.

Der Grund für die Verzögerung scheint zunächst skurril. Denn für die Studien fehlen die Corona-Kranken. Um solch eine Wirksamkeitsanalyse zu erstellen, benötigt es Menschen, die sich impfen lassen möchten und können. In Baden-Württemberg sind zwar momentan geschätzt 16.587 Personen (Stand: 31. Mai) an dem Coronavirus erkrankt, dennoch fehlt es Curevac an Menschen, die an Corona erkrankt sind, um die Wirksamkeit des Impfstoffs abschließend zu prüfen.

Curevac-Impfstoff gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg: Zu wenig Kranke für Studie

Wie das Schwäbische Tagblatt berichtet, kommt es zu aktuellen Verzögerungen rund um die Zulassung des Curevac-Impfstoffes, weil es zu wenig Corona-Erkrankte gibt. Um die Wirksamkeit eines Vakzins zu überprüfen, werden nämlich Infizierte aus Gruppen mit und ohne Impfstoff verglichen.

Bisher hieß es von Unternehmensseiten immer, dass eine Zulassung des Impfstoffes im zweiten Quartal 2021 - also im Juni - angestrebt werde. Die Zulassung verzögert sich aber weiterhin. Sobald alle wichtigen Daten - zu denen auch die Wirksamkeitsstudie zählt - für den Zulassungsantrag bei der europäischen Arzneimittelbehörde vorliegen, werde es weitere ein bis zwei Wochen dauern, bis der Impfstoff zugelassen wird. Erst dann kann Curevac bei der Coronaimpfung in Baden-Württemberg eingesetzt werden.

Kommentare