Verhalten bei Covid-19

Bei Corona-Verdacht in Baden-Württemberg solltet ihr diese Regeln befolgen

  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Tausende Menschen haben sich in Baden-Württemberg bereits mit dem Coronavirus infiziert. Bei Corona-Verdacht sollten Betroffene nicht sofort zum Arzt gehen, sondern einige Regeln befolgen.

  • Das Coronavirus hat sich in ganz Baden-Württemberg verbreitet - und das innerhalb weniger Wochen
  • Bei Corona-Verdacht sollten Erkrankte auf keinen Fall sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen
  • Landkreise und Städte bitten Betroffene in Zeiten von Covid-19 bestimmte Regeln zu befolgen

Stuttgart - Die Zahl der Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg steigt von Tag zu Tag. Viele Menschen aus der Region haben Angst, ebenfalls an der Lungenkrankheit Covid-19 zu erkranken. Sie fragen sich, wie sie sich bei Corona-Verdacht in Baden-Württemberg verhalten sollen: Zum Arzt gehen? Einen Corona-Test machen? Oder lieber zuhause bleiben?

Das Coronavirus überträgt sich meist über die sogenannte Tröpfcheninfektion - ähnlich wie die Grippe. Wer mit dem Virus infiziert ist, trägt ihn in den Atemwegssekreten in sich und kann ihn zum Beispiel durch Niesen und Husten verteilen. Wenn andere Menschen dann an Augen, Nase oder Mund damit Kontakt kommen, können sie ebenfalls an der Lungenkrankheit Covid-19 erkranken. Auf diese Weise breitete sich das Coronavirus in Baden-Württemberg rasant aus. Die ersten Infektionen in dem Bundesland wurden Ende Februar bekannt - vier Wochen später gibt es bereits mehr als 7.000 Fälle.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Bei diesen Symptomen besteht Verdacht

Bei Corona-Verdacht in Baden-Württemberg werden in den Ambulanzen Abstriche getestet - wie hier am Klinikum Stuttgart

Symptome des Coronavirus ähneln denen einer Grippe oder einer Erkältung. Gerade in der kalten Jahreszeit ist es für Betroffene deshalb schwer, diese Erkrankungen zu unterscheiden. Die typischen Symptome sind Husten und Fieber.

„Es ist meist ein trockener Husten in Verbindung mit Fieber, seltener Schnupfen. Einer neuen Studie zufolge, die im besonders betroffenen Kreis Heinsberg an eher leicht erkrankten Menschen durchgeführt wurde, verliert ein Großteil der Patienten für einige Tage den Ge­ruchs- und Ge­schmacks­sinn“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Klinikums Stuttgart, Jan Steffen Jürgensen im Interview mit der Stadt Stuttgart. Seit sich das Coronavirus in Baden-Württemberg ausgebreitet hat, hat das Klinikum Stuttgart eine Corona-Ambulanz eingerichtet, in der Verdachtsfälle getestet werden.

Weil es so schwierig ist, eine Coronavirus-Infektion von einer Erkältung zu unterscheiden sind einige Regeln zu beachten. Von einem Corona-Verdachtsfall spricht das Robert-Koch-Insitut (RKI) nur unter folgenden Bedingungen:

  • Ein Patient hat typische Symptome wie trockenen Husten und Fieber und er hatte in den vergangenen 14 Tagen Kontakt zu einem Coronavirus-Infizierten
  • Ein Patient hat die typischen Symptome und er war kürzlich in einem ausländischen Risikogebiet wie Italien, Iran, Ägypten, bestimmte Regionen in Frankreich, Spanien, China oder den USA.

Wer in Baden-Württemberg den Verdacht hat, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, sollte auf keinen Fall direkt zum Arzt oder in eine Klinik gehen. Die Corona-Ambulanzen in der Region nehmen nur Patienten auf, die von einem niedergelassenen Arzt bei begründetem Verdacht überwiesen werden - ausgenommen sind Notfälle.

Damit wollen die Kliniken, Krankenhäuser und Arztpraxen in Baden-Württemberg einerseits vermeiden, dass die Einrichtungen überfüllt sind mit besorgten Einwohnern, die womöglich nur eine einfache Erkältung haben. Andererseits müssen tatsächlich mit dem Coronavirus infizierte Patienten in den Praxen und Ambulanzen streng isoliert werden, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Betroffene sollten sich immer zuerst telefonisch bei den zuständigen Stellen erkundigen. Informationen und Telefonnummern finden sie auf den Internetseiten der Landkreise und Städte in Baden-Württemberg.

Bei Corona-Verdacht in Baden-Württemberg sind das die ersten Ansprechpartner für Betroffene:

  • Hausarzt
  • Gesundheitsamt des Landkreises oder der Stadt
  • Bürgertelefon oder Corona-Hotline des Landkreises oder der Stadt
  • Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

In Absprache mit dem Gesundheitsamt entscheidet der Hausarzt, ob Coronavirus-Verdachtsfälle zum Test in eine Corona-Ambulanz gehen müssen. Weil sich das Coronavirus in Baden-Württemberg so rasant ausgebreitet hat, werden in einigen Regionen oft nur noch Angehörige der Risikogruppe oder besonders schwer Erkrankte getestet.

Das Klinikum Stuttgart führt den Corona-Test hauptsächlich nur noch bei älteren oder gesundheitlich schwachen Menschen durch. Klinikum-Leiter Jan Steffen Jürgensen sagte zur Stadt Stuttgart: „Für alle anderen gilt: Bitte auskurieren, Hygieneregeln beachten und konsequent Kontakte minimieren. Sie können einen großen Beitrag leisten, die Verbreitung zu verlangsamen und mittelfristig einzudämmen.“

Nur Coronavirus-Fälle mit schweren Verläufen werden in Baden-Württemberg stationär behandelt. Bei sehr wenigen Patienten ist eine Behandlung auf der Intensivstation nötig. Über die stationäre Aufnahme entscheiden die Ärzte in den Corona-Ambulanzen der Kliniken.

Schnelltests bei Corona-Verdacht könnten die Lage in Baden-Württemberg verbessern

Forscher arbeiten bereits an Corona-Schnelltests, den Erkrankte zuhause durchführen können. „Bis man einen Test vor Ort ausführen kann, ähnlich einem Schwangerschaftstest, das wird sicherlich noch einige Zeit dauern, sagt der Virologe Stefan Brockmann vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. „Es gibt erste Tests, die in der Anwendung sind. Wir wissen bisher nicht, wie sicher die Tests sind, wieviele falsch positive oder falsch negative Ergebnisse es gibt.“

Der erste Coronavirus-Schnelltest, der derzeit Schlagzeilen macht, kommt aus Baden-Württemberg: Der Konzern Bosch hat einen Test entwickelt, der laut eigenen Angaben nach zweieinhalb Stunden eine Diagnose liefern kann. Für zu Hause eignet sich der Schnelltest allerdings nicht. Es handelt sich dabei um ein Analysegerät, das die Proben vollautomatisiert auswertet und beispielsweise in Arztpraxen eingesetzt werden kann. Der Corona-Test ist zu 95 Prozent genau und soll nach seiner Zulassung im April verfügbar sein.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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