Angst vor steigenden Covid-19-Zahlen

Baden-Württemberg startet als einziges deutsches Bundesland Coronavirus-Massentests

Ein Arzt in Schutzkleidung nimmt mit einem Abstrichstäbchen für einen Corona-Test eine Probe aus dem Mundraum einer Frau.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Anzahl der Corona-Tests soll mehr als verdoppelt werden
  • Lisa Schönhaar
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Um zu kontrollieren, ob sich durch die Lockerungen wieder mehr Menschen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infizieren, plant die Landesregierung mehr als 160.000 Covid-19-Tests pro Woche.

  • Trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg hat die Landesregierung einige Lockerungen der Maßnahmen beschlossen.
  • Um die Verbreitung von Covid-19 besser kontrollieren zu können, sollen jedoch mehr als doppelt so viele Corona-Tests wie bisher durchgeführt werden.
  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte, man müsse unbedingt verhindern, dass die Infektionszahlen mit dem Coronavirus wieder massiv ansteigen.

Stuttgart - Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zeigen Wirkung. Mitte April lag die Zahl der von Covid-19 Genesenen erstmals höher als die Zahl der noch Erkrankten. Daraufhin wurden einige Lockerungen der Beschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg beschlossen - wie etwa die Öffnung von Geschäften und Friseuren.

Normalität ist angesichts der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg aber dennoch nicht eingekehrt, denn nach wie vor steigt die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten im Land. Die Landeregierung hat deshalb eine erweiterte Test-Strategie beschlossen, die bislang einmalig in Deutschland ist.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Auch Menschen ohne Symptome sollen auf Covid-19 getestet werden

Zuletzt wurden wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg knapp 80.000 Tests pro Woche durchgeführt – künftig könnten es insgesamt mehr als 160.000 Tests pro Woche sein. „Wir müssen unbedingt verhindern, dass die Fallzahlen wieder massiv ansteigen. Also heißt es für uns: testen, testen, testen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am vergangenen Sonntag in Stuttgart. Darum unterstützt die Landesregierung die Entwicklung von Coronatests auch finanziell. 6 Millionen Euro gingen an Forscher aus Freiburg, die einen bereits existierenden Schnelltest auf das Coronavirus umrüsten konnten.

Winfried Kretschmann betonte nochmals, wie wichtig die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg sei. Dazu zähle auch die am heutigen Montag gestartete Maskenpflicht zum Schutz vor Covid-19 beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Nun soll auch eine deutliche Ausweitung der Corona-Tests hinzukommen, um die das Coronavirus in Baden-Württemberg unter Kontrolle zu halten. „Deshalb haben wir uns entschieden, künftig noch mal deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger als bisher auf das neuartige Virus testen zu lassen“, sagte Kretschmann.

Neu sei, so Gesundheitsminister Manne Lucha, dass angesichts der weiteren Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg künftig nicht nur Personen mit Symptomen getestet werden sollen. Auch Menschen ohne Symptome, die aber in engem Kontakt zu Infizierten stehen oder zuletzt gestanden sind, sollen sich einem Corona-Test unterziehen.

Ärzte und Pfleger in Baden-Württemberg sollen vermehrt auf das Coronavirus getestet werden

Ein deutlicher Schwerpunkt der Tests auf Covid-19 werde auf Personen gesetzt, die in Krankenhäusern oder der stationären Pflege arbeiten. „Damit schützten wir auch die vulnerablen Gruppen“, sagte Lucha. Auch bei der Häufung von Covid-19-Erkrankungen im persönlichen und beruflichen Umfeld solle künftig über die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts hinaus breit getestet werden.

Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist für Ärzte und Pfleger in den Kliniken des Landes besonders hoch, da sie durch den Kontakt zu Patienten auch häufig in Kontakt mit der Lungenkrankheit Covid-19 kommen. Gerade sie sind zum Schutz vor dem Coronavirus auf ausreichend Tests und eine entsprechende Ausrüstung angewiesen - auch durch kreative Einfälle. So hat beispielsweise das schwäbische Start-up Hellstern Medical für das Klinikum Stuttgart Gesichts-Schutzschilde entwickelt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Durch Lockerung der Maßnahmen könnten Covid-19-Fälle wieder zunehmen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat bereits wiederholt davor gewarnt, trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg zu große Lockerungen der Maßnahmen zu fordern. Er sagte, das Coronavirus sei ein „übermächtiger Gegner“ und es könne eine zweite Infektionswelle geben, wenn wir zu sorglos handelten. Die erweiterte Test-Strategie soll nun dabei helfen, Covid-19 besser kontrollieren zu können.

„Wir müssen alles erdenklich Mögliche dafür tun, um eine zweite Welle, also einen erneuten exponentiellen Anstieg der Corona-Erkrankungen, zu verhindern“, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha am Sonntag in Stuttgart. „Wir dürfen nicht vergessen, dass Baden-Württemberg nach Bayern bundesweit noch immer am zweitstärksten vom Coronavirus betroffen ist: Stand jetzt haben wir immer noch 259 Fälle pro 100.000 Einwohnern.“

Durch die bereits begonnene schrittweise Lockerung der Kontaktbeschränkungen könnte es wieder vermehrt zu Covid-19-Fällen kommen. Um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg zu überwachen und ein erneutes starkes Ansteigen der Infizierten-Zahlen in der Bevölkerung zu vermeiden, müssten Erkrankte so früh wie möglich identifiziert und isoliert werden. „Wir müssen schnell und unter Hochdruck die Kontaktpersonen ermitteln, Quarantänemaßnahmen anordnen und auf diese Weise versuchen, die Infektionskette frühzeitig zu unterbrechen“, sagte Minister Lucha.

Apell an die Bürger: Bevölkerung in Baden-Württemberg muss Maßnahmen unterstützen

Die Präsidentin den Landesgesundheitsamts, Karlin Stark, sagte, die Erweiterung der Test-Strategie würde die Übersicht der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg verbessern. „Um ein starkes Ansteigen der Infektionen zu vermeiden, müssen uns aber nach wie vor alle Bürgerinnen und Bürger durch die Einhaltung der empfohlenen und angeordneten Maßnahmen unterstützen“ sagte Stark. Mit diesen Maßnahmen gegen Covid-19 könnten wir es gemeinsam schaffen.

Wie lange sich die Menschen in Baden-Württemberg noch an das Kontaktverbot halten werden, ist fraglich. Die Corona-Studie der Universität Mannheim hat bereits gezeigt, dass die Akzeptanz strikter Einschränkungen wie Ausgangssperren in der Bevölkerung sinkt. Zudem treffen sich immer mehr Menschen trotz geltenden Kontaktverbots wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg wieder mit Freunden und Familie.

Ein Klinikchef aus der Region kritisierte nun den Umgang mit dem Coronavirus - er sieht die Covid-19-Pandemie nicht als vorübergehende Krise, sondern als Dauerzustand, in dem eine Rückkehr zum Alltag möglich sein muss.

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