Zunge färbt sich bei Infektion

Esslinger Start-up entwickelt Kaugummi als Coronatest

Jemand formt mit dem Mund eine weiße Kaugummiblase.
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Die Zunge ist ein sehr sensibles Geschmacksorgan - das machte sich ein Start-up zunutze und entwickelte einen Kaugummi, der bakterielle Infektionen nachweisen kann.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg arbeitet ein Start-up aus dem Kreis Esslingen an einem Kaugummi, der den Erreger feststellen kann.

Frickenhausen - Es klingt surreal, wenn man sich vorstellt, dass bald das Kauen eines Kaugummis einen regulären Coronatest ersetzen könnte. Doch genau an so einem Kaugummi arbeitet derzeit ein Start-up aus Frickenhausen im Landkreis Esslingen* (BW24* berichtete). Die 3a-Diagnostics GmbH ist Teil der „Bioregio Stern“, einem Zusammenschluss von innovativen Firmen und Gründern aus der Region Stuttgart* und Neckaralb.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, sollten mit dem diagnostischen Kaugummi ursprünglich nicht sichtbare Entzündungsherde im Mund erkannt werden. Nun könnte er auch als Test auf das Coronavirus in Baden-Württemberg* zum Einsatz kommen. Schon nach zwei Minuten Kauen sei ein Resultat sichtbar: Beim Kontakt mit Krankheitserregern schmecke der Kaugummi bitter und verfärbe sogar die Zunge.

Coronatest per Kauen: „Bitterer Geschmack wäre ein Anlass, zum Arzt zu gehen“

„Wir entwickeln Kaugummis, die entweder eine Entzündung feststellen oder aber Viren und Bakterien detektieren können“, erklärt Mitarbeiterin Bianca Böpple im Gespräch mit der Start-up-Plattform Boostland. „Wenn sich nach nur wenigen Minuten ein bitterer Geschmack als Warnsignal bildet, kann man das als Anlass nehmen, einen Arzt zu kontaktieren“, fügt Firmengründer Heinrich Jehle hinzu.

3a-Diagnostics entstand als Spin-Off eines Projekts der Universität Würzburg, die bereits viele Jahre an dem Kaugummi geforscht hatte - also schon lange, bevor die Pandemie ausbrach. Für ihre Weiterentwicklung der Arbeit der Uni Würzburg wurde das Team von 3a-Diagnostics beim „CyberOne Hightech Award Baden-Württemberg“ 2020 mit dem zweiten Platz belohnt. Der Kaugummi könnte einen wichtigen Beitrag leisten, um die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg* zu stoppen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kaugummi soll auch andere Entzündungen erkennen

Doch nicht nur Erreger des Coronavirus soll der Kaugummi des Start-ups erkennen. Wie die Esslinger Zeitung berichtete, sollen auch beispielsweise Patienten, denen ein Zahnimplantat eingesetzt wurde, den Kaugummi verwenden, um mögliche Infektionen im Frühstadium zu erkennen. Außerdem können sich die Firmengründer vorstellen, mit dem Kaugummi in Zukunft Parodontitis oder Halsentzündungen wie Scharlach festzustellen - getreu dem Motto: „Taste your health“. Nach seiner Markteinführung solle das Produkt in Apotheken frei verkäuflich sein.

Noch befindet sich die Firma mit ihrem Super-Kaugummi für die Corona-Schnellerkennung offenbar in der Entwicklung. Laut der Stuttgarter Zeitung rechnet man im Unternehmen jedoch im Juni mit ersten Ergebnissen. Aber der Test-Kaugummi ist nicht das einzige Produkt, an dem das Medizin-Unternehmen forscht: Ein PCR-Test, der innerhalb von 25 Minuten die Infektion mit dem Coronavirus nachweist, soll schon bald auf den Markt kommen und auch andere Entwicklungen stehen in der Warteschleife. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.Media.

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