Einigung bis Ende Mai?

Chefvirologe will mehr Freiheiten für Geimpfte - „faires Vorgehen“

Eine Ärztin übergibt einem Mann im Impfzentrum des Klinikums Stuttgart in der Liederhalle nach einer Impfung seine Impfbescheinigung.
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Geimpfte und Genesene könnten mehr Freiheiten in der Corona-Pandemie bekommen.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Personen, die gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft sind, sollen mehr Freiheiten haben. Das führte bereits zu deutlicher Kritik - der Heidelberger Chefvirologe befürwortet eine solche Maßnahme.

Heidelberg - Die Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) schritten seit dem Beginn im Dezember 2020 nur langsam voran. Inzwischen wird im Südwesten jedoch nicht nur in den jeweiligen Kreisimpfzentren geimpft, sondern auch Hausärzte impfen in Baden-Württemberg*. Bis zum 1. Mai erhielten bislang rund 2,4 Millionen Bürger im Südwesten die Erstimpfung und rund 823.000 Menschen wurden bereits zum zweiten Mal geimpft. Laut den Kassenärzten in Baden-Württemberg könnten bis Juli sogar alle Erwachsenen geimpft sein*.

Ob Menschen, die vollständig gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft sind, tatsächlich mehr Freiheiten erlangen werden, ist bislang noch nicht beschlossen. Chefvirologe Hans-Georg Kräusslich von der Universitätsklinik in Heidelberg würde eine solche Lockerung für Geimpfte jedoch begrüßen, sagte er im Podcast der Rhein-Neckar-Zeitung. Bislang gab es starke Kritik daran, Geimpfte zu bevorzugen, da nicht alle Bürger überhaupt impfberechtigt sind. Kräusslich sprach sich deshalb auch dafür aus, Genesene und solche mit einem negativen Testergebnis mit geimpften Personen gleichzustellen, berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa).

Coronavirus in Baden-Württemberg: Freiheiten für Geimpfte sei ein „faires Vorgehen“

Aufgrund der weiterhin ernsten Lage durch das Coronavirus in Baden-Württemberg gilt in vielen Landkreisen nach wie vor die Notbremse, Lockerungen sind in naher Zukunft eher nicht zu erwarten. Vollständig geimpfte Menschen und auch von einer Covid-Erkrankung Genesene könnten jedoch bald mehr Freiheiten bekommen. „Ich würde dazu raten, Personen, die eine vollständige Impfung haben – das sind derzeit zumeist Ältere – mit Personen, die eine Erkrankung durchgemacht und Antikörper entwickelt haben, und mit Personen, die einen aktuell negativen validen Schnelltest vorweisen, gleichzustellen“, sagte Hans-Georg Kräusslich der Rhein-Neckar-Zeitung am Freitag.

Am vergangenen Donnerstag sandte das Bundesjustizministerium einen Verordnungsentwurf an die anderen Ressorts. Laut dem Entwurf sollten Geimpfte und Genesene sowie Personen, die ein negatives Testergebnis vorweisen können, von Lockerungen profitieren, wie die dpa berichtet. In allen drei Fällen könne man zwar nicht hundertprozentig ausschließen, dass eine Person noch ansteckend sei, erklärt Hans-Georg Kräusslich. „Aber das Risiko ist jeweils stark vermindert.“ Der Heidelberger Chefvirologe bezeichnete den Entwurf als „ein ausgewogenes und faires Vorgehen“. Er gehe davon aus, dass es so entschieden werde.

Freiheiten für Geimpfte und Genesene: Jens Spahn erwartet Einigung bis Ende Mai

Obwohl die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland nach wie vor hoch sind, stellt sich allmählich eine leichte Besserung ein. Die Infektionszahlen gingen schrittweise zurück und die Zahl der Geimpften nehme zu, sagte Hans-Georg Kräusslich der Rhein-Neckar-Zeitung. „Da scheint mir die Diskussion, welche Öffnungen wir wann ermöglichen, gerechtfertigt.“ Zudem könnten Außenbereiche deutlich einfacher geöffnet werden als Innenbereiche. Laut seiner Einschätzung sollten beispielsweise Museen mit einem Hygienekonzept und einer begrenzten Personenzahl relativ bald zu öffnen sein.

Im Zuge der Freiheiten für Geimpfte und Genesene sollen laut dem Verordnungsentwurf des Bundesjustizministeriums vor allem Maßnahmen in Bezug auf private Treffen sowie die Ausgangsbeschränkung gelockert werden. Die Regierung wolle den Bundestag und den Bundesrat früh in die Abstimmungen über die Verordnung einbeziehen, um ein rasches Vorgehen zu gewährleisten, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) laut der dpa. „Wenn wir uns einig sind, geht‘s schnell.“ Er erwarte eine abschließende Einigung des Bundesrates spätestens zum 28. Mai. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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