Verstoß gegen Impfreihenfolge

Bürgermeister bereut frühe Corona-Impfung: „Es war ein Fehler“

Ein Arzt impft einen Mann.
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In Deutschland gilt eine Impfreihenfolge, die nicht immer eingehalten wird.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es eine Impfreihenfolge: Diese sieht vor, zuerst Alte und Kranke gegen das Virus zu schützen. Ein Bürgermeister hat sich jedoch nicht daran gehalten.

Steinen - Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist weiterhin auf dem Vormarsch. Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht nur das Impfen als besonders wirksame Waffe gegen das Virus und wurde vor einer Woche das erste Mal geimpft - mit dem umstrittenen Vakzin von Astrazeneca. Kretschmann ist wegen seines Alters impfberechtigt - das bestimmt die Impfreihenfolge, die in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern jedoch immer wieder verletzt wird.

So hat etwa der Bürgermeister der südbadischen Gemeinde Steinen sich gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg impfen lassen - und sieht seinen Fehler ein. Gunther Braun wäre nämlich noch gar nicht an der Reihe gewesen als er Ende Dezember den Impfstoff erhalten hat. Das Seniorenzentrum Mühlehof der Gemeinde war als erste Einrichtung im Landkreis Lörrach bei den Corona-Impfungen an der Reihe gewesen. Am Abend stellte das Impfteam fest, dass noch viele Dosen übrig waren, die vor dem Verfall standen. Diese hätte man entsorgen müssen oder aber jemanden finden, der sich damit impfen lässt. Das Team habe sich zu letzterem entschieden, berichtet die Badische Zeitung. Daher habe man nach impfbaren Menschen gesucht, nachdem alle Beteiligten aus der Einrichtung sowie deren Umfeld versorgt gewesen seien.

Nicht impfberechtigt: Bürgermeister wollte keinen Mitbürger mit einem Besuch gefährden

In einer Stellungnahme an die Badische Zeitung gerichtet, schreibt Bürgermeister Gunther Braun, er habe eingewilligt, da er viel mit Menschen in Kontakt trete. Zudem habe er damit gerechnet, dass es mit den Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg schnell vorangehen werde. Sein Gewissen, so schreibt es der Bürgermeister, keinen Mitbürger bei einem Besuch zu gefährden, habe überwogen. Als Braun jedoch erfahren habe, wie schwer es für impfberechtigte Menschen ist, einen Termin zu bekommen, wurde ihm bewusst, „welch nicht zu entschuldigende Fehlentscheidung ich an diesem Abend getroffen habe“, so der Bürgermeister.

In der Gemeinde Steinen seien seither Gerüchte im Umlauf, Gunther Braun habe aus der Tatsache, dass er bereits geimpft worden war, ein Geheimnis machen wollen. Dem widerspricht der Bürgermeister. Der Termin im Mühlehof sei öffentlich gewesen, der Gemeinderat sei im nicht-öffentlichen Teil in der ersten Sitzung im neuen Jahr informiert worden. Laut der Badischen Zeitung ist dies dem Protokoll des Abends zu vernehmen. Braun sehe darin einen Versuch, aus dem Gremium heraus gegen ihn zu agieren. Braun steht zu seiner Entscheidung Ende Dezember. Er sagt: „Es war ein Fehler, für den ich mich bei meinen Bürgern entschuldigen muss, aber ich stehe dazu und habe mir die Impfung nicht bewusst erschlichen.“

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