OB von Tübingen bei Maybrit Illner

„Corona-Skeptiker wurden beiseite gedrängt“: Boris Palmer warnt vor fatalen Konsequenzen

Oberbürgermeister Boris Palmer in seinem Büro im Rathaus Tübingen.
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Boris Palmer: Corona-Skeptiker wurden beiseite gedrängt
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Die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg treffen teilweise auf massive Kritik. Der Grünen-Politiker Boris Palmer ist der Meinung, dass die Skeptiker beiseite gedrängt wurden.

  • Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg kam es zu massiven Einschränkungen des öffentlichen und sozialen Lebens.
  • Die Maßnahmen der Landesregierung treffen in Teilen der Bevölkerung auf starke Kritik.
  • Boris Palmer, der umstrittene Oberbürgermeister von Tübingen, ist der Meinung, dass Corona-Skeptiker beiseite gedrängt wurden.

Tübingen - Seit dem Ausbruch des Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es zum Schutz vor weiteren Ansteckungen deutliche Einschränkungen des täglichen Lebens. Die von der Landesregierung aufgestellten Maßnahmen treffen nicht überall auf Verständnis. In ganz Baden-Württemberg gibt es Kritik an den Verordnungen zur Eindämmung des Coronavirus. Eine der prominentesten Stimmen: Der OB von Tübingen Boris Palmer. In vielen Städten versammeln sich Menschen und demonstrieren - auch in Stuttgart, wo zur nächsten Coronavirus-Demo 500.000 Menschen angemeldet wurden.

Der deutschlandweit bekannte, aber umstrittene Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, Boris Palmer (Die Grünen), ist der Meinung, dass die Corona-Skeptiker beiseite gedrängt wurden. Diese Aussage machte der OB von Tübingen am Donnerstagabend in einer Talkrunde bei Maybrit Illner im ZDF. Illner fragte ihn, ob ein Kritiker der Corona-Maßnahmen gleich ein Verschwörungstheoretiker sein müsse. Boris Palmer verneinte diese Aussage und sagte, „Solange man miteinander streitet, ist man noch im Gespräch. Erst wenn man sich nichts mehr zu sagen hat, dann wird es schlimm“.

Umgang mit Corona-Kritiker erinnert Palmer an die Flüchtlingskrise 2015

Der Umgang mit den Kritikern der Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg, erinnert Boris Palmer, nach seiner Aussage in der Talkrunde, an die Flüchtlingskrise 2015, bei der Hunderttausende von Migranten mit „moralisierender Alternativlosigkeit“ abgewiesen worden seien. Auch zu den Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen in vielen Städten, bei der Tausende von Menschen protestierten, hatte der Grünen-Politiker etwas zu sagen.

Boris Palmer sagte die Demonstrationen seien eine Folge der nicht ausreichend geführten Diskussionen über die Zielgenauigkeit und die Verhältnismäßigkeit der staatlichen Maßnahmen. Es habe zwar eine „Gegenöffentlichkeit" in der kritischen Phase der Pandemie, die zum Shutdown führte, gegeben, die großen Medien hätten diese jedoch zum größten Teil ignoriert.

Palmer erklärt seine kontroverse Aussage über den Umgang mit alten Menschen in der Coronakrise

Eine Aussage von Boris Palmer zur Situation des Coronavirus in Baden-Württemberg, wurde kürzlich äußerst kontrovers diskutiert. Er sagte in einem Fernsehinterview mit dem Sat.1 Frühstücksfernsehen: „Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“. Für diese Aussage erhielten er und seine Familie Morddrohungen.

Das Gesagte erklärte Boris Palmer zunächst damit, dass er sich Sorgen um die armutsbedrohten Kinder mache, deren Leben durch die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns bedroht seien. In der Sendung Maybrit Illner wurde diese umstrittene Aussage noch einmal aufgegriffen. Boris Palmer nutze die Gelegenheit, um sich noch einmal zu erklären. „Meine Kritik ist [...] nicht, dass wir alte Menschen schützen. Ganz im Gegenteil. Meine Kritik ist, dass wir es nicht gut genug tun und dabei auch noch viel zu großen Schaden anrichten, weil wir nicht bereit sind, das was in jedem Pandemie-Plan steht endlich umzusetzen.“, sagte der Politiker in der Talkshow.

Boris Palmer sorgte schon in der Vergangenheit mit Kritik am Umgang der Landesregierung mit der Coronavirus-Pandemie für Empörung. Heute unterstützt er die Corona-Kritiker indem er fordert, dass die Risikogruppen besser geschützt werden, um schwere Verläufe zu vermeiden, anstatt die Infektionszahlen durch weitere Einschränkungen für alle Einwohner von Baden-Württemberg zu senken.

Boris Palmer gab bekannt zufällig ausgewählte Bürger der Stadt Tübingen anzuschreiben und um die Teilnahme an Antikörper-Tests zu bitten. Die Tests dienen dazu, beim Ausbruch einer möglichen zweiten Infektionswelle besser reagieren zu können.

In einer Talksendung eckte der Grünen-Politiker an, indem er den anwesenden SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach mit einem Corona-Witz provozierte. Für seinen Auftritt wurde der Oberbürgermeister von Tübingen im Netz belächelt, aber auch kritisiert.

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